Jeder kann gute Auswahlgespräche führen. Trotzdem werden viele Interviews, gerade auch mit Spitzenkräften, als Plauderstunden vertan. Die Interviewer reden die meiste Zeit selbst und stellen zu wenige zielgerichtete Fragen.
Hier finden Sie jede Woche neue Fragen für erfolgreiche Auswahlgepräche mit Fach- und Führungskräften.
Hintergrund
Der Sprung ins kalte Wasser: Hat der Kandidat ein Konzept von Führung und entspricht dieses auch dem Ihren? Und: Wird der Kandidat seinem eigenen Anspruch an Führungsleistung auch gerecht.
Erwartungshorizont
Was zeichnet eine gute Führungskraft aus? Ein umfassendes Rollenverständnis, grundlegende Leitlinien, Persönlichkeitsmerkmale, einzelne Fähigkeiten, bestimmte Führungstechniken, Erfolge und Ergebnisse? Alles valide Antworten und je eingehender sich der Kandidat mit dieser Frage beschäftigt hat, desto strukturierter und vor allem spontaner wird seine persönliche Definition von Führungsleistung ausfallen.
Viele Kandidaten orientieren sich gerne an den Aufgaben von Führung, z.B.: für Ziele sorgen, organisieren, entscheiden, kontrollieren, Menschen entwickeln und fördern. Die Orientierung an den Führungsaufgaben ist vielleicht nicht die ganze Wahrheit, aber zumindest schon einmal eine sehr brauchbare Grundlage.
Elemente erfolgreicher Führung, die häufiger genannt werden und die man auch in der relevanten Fachliteratur wiederholt findet, sind: Selbstkenntnis, kontinuierliche Lernbereitschaft, Aufgeschlossenheit, Ergebnisorientierung, Zielsetzungskompetenz, Entscheidungssicherheit, Auswahl und Entwicklung der richtigen Mitarbeiter, Anerkennung von Leistung, Teilen von Macht (Empowerment) etc.
Kann der Kandidat einige dieser Begrifflichkeiten mit Leben füllen und konkrete Situationen nennen, in denen er so agiert hat, dann haben Sie gute Indikatoren für seine Führungsleistung.
Vorsicht!
Haben Sie die bessere Fachkraft vor sich sitzen?
Sonnt sich der Kandidat in Selbstherrlichkeit und baut einen Kult um seine Person auf (»Ohne mich läuft nichts.«)? Ergeht er sich in Plattitüden und Modewörtern (Coach, Agent des Wandels, Macher …), ohne diese mit Sinn zu füllen? Steht dem Kandidaten der Machthunger in den Augen geschrieben?
Glaubt man der einschlägigen Fachliteratur, so gibt es eine ansehnliche Zahl von Führungskräften, die diesen Karriereweg aus den falschen Beweggründen eingeschlagen haben. Und ist das Königreich erst einmal errichtet, wird es schwierig, wieder zu anderen Herrschaftsformen zurückzufinden.
Vertiefungs- und Anschlussfragen
Aus: Jochen Gabrisch: Die Besten entdecken
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Jochen Gabrisch