
Immer mehr Vorgänge der Personalarbeit können heute automatisiert werden: Auf die Stellenausschreibung auf der Homepage eines Unternehmens bewirbt sich ein eher ungeeigneter Kandidat. Seine E-Mail wird nach Eingang vollautomatisch auf bestimmte Schlüsselworte hin untersucht. Da der Bewerber vorab einen guten Key-word-Berater eingeschaltet hat, nimmt er diese Hürde. Der Bewerber erhält daher durch den Computer des zur Personalauswahl eingeschalteten Personaldienstleisters die Einladung zur Teilnahme an einem Online-Test. Der Kandidat schafft auch diese Hürde. Denn er hat bei der Testausführung einen Testberater neben sich sitzen. Online-Tests haben eben hinsichtlich ihrer „Eigenanteile“ gewisse Streubreiten. Im nächsten Schritt soll der Kandidat sein vollständiges Profil online hinterlegen. Auch hierbei hilft ihm ein erfahrener Profil- Berater.
Der Bewerber wird nun zu einem persönlichen Gespräch mit dem Personaldienstleister eingeladen (dieser Teil wird blöderweise immer noch von richtigen Menschen erledigt). Grundlage: Das Jobprofil des Unternehmens – und, in den Augen des Headhunters, die fantastische Bewerbung, die tollen Online-Testergebnisse und das Super-Profil des Kandidaten. Der Kandidat wird als „einstellbar“ eingestuft. Ja, es half auch, dass ein anderer Personaldienstleister den Kandidaten für das Gespräch gecoacht hatte!
An das Unternehmen geht die Empfehlung: Einstellung. Das Unternehmen zahlt dem Personalsucher erhebliches Geld für seine Empfehlung. Also muss der Kandidat zweifellos gut sein! Daher: Einstellung!
Am ersten Tag im neuen Unternehmen ist der direkte Vorgesetzte gerade in einer virtuellen Besprechung und danach auf realer mehrtägiger Dienstreise. Aber er hat eine kurze Video- Botschaft und zudem per E-Mail den Verweis auf den Download der Einarbeitungsunterlagen im Firmen-Intranet hinterlassen. Die neuen Kollegen sind auch alle unterwegs. Nach zwei Wochen trifft der neu Eingestellte zum ersten Mal seinen Chef. Nach vier Wochen zum ersten Mal seine neuen Kollegen. Aber die sind selbst neu und sehen sich zum ersten Mal.
Irgendwie haben alle das Gefühl, dass man eigentlich kein Team ist. Woran das wohl liegen mag? Dabei schickt der „Neue“ doch wirklich häufig genug eine nette E-Mail an die Kollegen, die in den Zimmern nebenan sitzen (nur wenige Dinosaurier im Unternehmen texten einen ja noch mit diesen fürchterlichen „persönlichen Gesprächen“ zu...).
Klar, ein konstruiertes Beispiel. Aber gerade junge Bewerber finden diese entpersonalisierten Verfahren modern. Aber führt das wirklich dazu, dass Sie für Ihr Unternehmen den geeigneten Bewerber finden? Ist es nicht paradox, dass die technischen Hilfsmittel heute bedrohlich zum Hauptmittel zu werden drohen?
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