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06.05.2010 | Moderne Paradoxien

Digital Native oder Digital Naive?

Digital Native oder Digital Naive


Sie kennen Helene Hegemann? Sie ist das neueste Sinnbild einer ganzen Generation. Der „Generation Y“. Ihr Erstlingswerk „Axolotl Roadkill“ schrieb sie mit 16 Jahren. Die Literaturkritiker überschlugen sich vor Begeisterung. Dann kam raus, dass die Autorin große Teile dieses Buches im Internet von anderen abgeschrieben hatte. Doch den Plagiatsvorwurf versteht sie nicht. Die Inhalte des Internets, so die Autorin, seien doch frei verfügbar... Die „Generation Y“, die sogenannten „Digital Natives“, sind in den 80er Jahren geboren und drängen jetzt nach und nach auf den Arbeitsmarkt. Sie sind, angeblich, alle mit dem Computer aufgewachsen und mit dem Internet sozialisiert worden. Eine Welt vor Google und ohne Social networks kennen sie nicht.

In der HR-Szene wird aktuell darüber diskutiert, wie man diesen neuen Typus an Bewerbern ansprechen und gewinnen kann. Sie sind – angeblich – sehr pragmatisch, sie brauchen immer die neuesten technischen Spielzeuge (iPhone oder Blackberry, iPad etc.) und sie beherrschen das Internet wie keine Generation vor ihnen.

Tja, was andere in Begeisterung versetzt, könnte auch als Schreckensszenario gesehen werden: Junge Mitarbeiter, die statt selbst zu denken und Inhalte zu entwickeln lieber in den Weiten des Internets die Substanz ihrer Arbeit von anderen abschreiben. Ungeprüft. Was man im Internet findet, ist schon sensationell. Da liegt auch mal Israel westlich von Ägypten. Neben solch’ einfachen Irrtümern gibt es aber viele versteckte, tückischere. Und wenn jeder von jedem abschreibt, dann ist ein Wissensfortschritt eher nicht zu erwarten. Vom Digital Native (Digital-Eingeborenen) zum Digital-Naiven ist es nur ein fehlender Buchstabe. Hat diese Ypsilon-Generation noch gründlich analysieren gelernt? Können sie selbst denken? Oder hacken die nur auf ihren technisch neuesten Spielzeugen herum – ohne grundlegende Kenntnisse, ohne den Überblick je gehabt zu haben? Weiß ich als Chef, ob mein junger Assistent die Inhalte irgendwo abgeschrieben hat – oder diese selbst überlegt und formuliert hat?

Was in Blogs und Online-Austauschforen so alles von sich gegeben wird, verwischt die Grenze zwischen Wahrheit und Dichtung. Im Internet gibt’s keine Qualitätskontrolle. Die einzige Kontrollinstanz ist unser Hirn. Und wenn das ausfällt oder gar nicht erst richtig trainiert wurde, dann wird’s dunkel. Hat die Generation Y genug Hirn? Ersetzt die Mitgliedschaft in Schüler- und StudiVZ oder Facebook, die schnelle Frage an die „community“, nicht allzu häufig das eigene Denken und Forschen?

Wenn ich ein bestimmtes Problem in meinem Unternehmen passgenau lösen muss, brauche ich da nicht Selbstdenker? Die Generation Y vertraut hingegen auf die „Weisheit der Massen“ – Wikipedia ist ein positives Beispiel. Aber bei Speziallösungen, bei Unikaten, die Spezialwissen erfordern, werden diese Massen versagen.

Wie schätzen Sie die „Gen Y“ ein? Schreiben Sie uns!

 



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