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01.07.2010 | Moderne Paradoxien

Schwarzmalen als Dienstleistung

Schwarzmalen als Dienstleistung


Wer sich über etwas lustig macht, muss bisweilen erleben, dass die Witze als Blaupause für Politiker-Denken genommen werden. So geschehen mit dem „anonymen Lebenslauf“: In der Januar-Ausgabe der Personalwirtschaft behandelte diese Glosse die zweifelhaften Politik-Bemühungen in Frankreich, anonymisierte Lebensläufe einzuführen.

Christine Lüders, die neue Leiterin der „Antidiskriminierungsstelle“ des Bundes, findet die Idee jedenfalls gut. Sie erzählt gerne, immer wieder und überall von dem immer gleichen Beispiel: Ein Bewerber mit Vornamen „Ali“ wurde nie eingeladen. Erst als er sich „Alex“ nannte, kam es zum Gespräch. Frau Lüders meint deshalb unter Hinweis auf a) diesen Einzelfall beziehungsweise b) diesen Mythos (bitte wählen Sie nach eigener Sicht aus!), dass die Namen bei Bewerbungsunterlagen, die Personalentscheidern vorgelegt werden, geschwärzt werden müssten. Und weil Ältere ja auch nie eingestellt würden, muss auch das Alter aus der Bewerbung weg. Und das Passbild sowieso. Und die Adresse auch, denn Bewerber aus Problemstadtteilen werden nie eingeladen – zumindest in Frankreich nicht.

Frau Lüders ist leider nicht unbedingt auf der Höhe der Zeit. Denn wie schwärzt man Bewerbungen, die per E-Mail eingehen (und das werden ja glücklicherweise immer mehr)? Ausdrucken, schwärzen, wieder einscannen – und dann ist der Bewerber auch schon wieder im Datenbestand enthalten. Natürlich in zwei getrennten Datensätzen. Allein bei 300 Bewerbungen für eine Sekretariats-Stelle kostet das Zeit, Personal – und bremst das gerade erst durch neueste Software beschleunigte Bewerber-Bearbeitungsverfahren drastisch herunter. Schlicht gesagt: Das Ganze ist grausam teuer und erkennbar unnötig. Die „Anti-Disk“-Leiterin geht so weit, dass sie sich vorstellt, dass bei kleinen und mittleren Unternehmen, bei denen eben nicht noch ein Sachbearbeiter vorhanden ist, der vorab alles Relevante schwarz malt, ein „Dritter“, also ein Anonymisierungsdienstleister dem Unternehmen die Anonymisierung abnimmt. Schwarzmalen als Dienstleistung! Wow! Wer das dann bezahlt, darüber denkt Frau Lüders nicht nach. Als FDP-Mitglied zeigt sie also ein neues Profil für ihre Partei: mehr Kosten für die Wirtschaft – mehr Bürokratie!

Außerdem ist durch schwarzgemalte Bewerbungen ein Grundproblem nicht gelöst: Irgendwann sitzt vor einem der ältere Bewerber, der auch noch Ali heißt und hochqualifiziert ist. Und dann? Wenn ein Personalverantwortlicher unbedingt diskrimierend denkt, dann wird das mit der Einstellung ohnehin nichts. Dann wirkt das aber zum Vorteil der anderen Unternehmen, die einen guten Bewerber gerne einstellen. Denn was die Anti-Diskriminierungs-Leiterin nicht versteht: Betriebe bleiben nur erfolgreich am Markt, wenn sie nach dem Kriterium „Qualifikation“ einstellen. Nicht nach Aussehen, Schuhgröße, Zahl der Kinder, Augenfarbe oder Haustier.

Haben Sie andere Erfahrungen? Dann schreiben Sie uns!

 



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