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HomeAktuellModerne ParadoxienReden Sie nicht - holen Sie die Zahlen!
23.12.2010 | Moderne Paradoxien

„Reden Sie nicht – holen Sie die Zahlen!“

Missverstanden


Wie behandeln unter Druck geratene Führungskräfte ihre Mitarbeiter? Beispiel: Sie sind Direktor, müssen um zehn Uhr Ihrem Vorstand die Umsatzzahlen vorlegen. Ihr Assistent hatte fünf Tage Zeit, die Zahlen als Vorlage aufzubereiten. Um 9.47 Uhr, als Sie sich auf den Weg machen, erfahren sie von ihm, dass der Text noch nicht fertig ist, weil einige Charts noch schöner werden sollen. Wie wirkt das gegenüber dem Vorstand? Was sagt das über Sie als Führungskraft aus?

Zweites Beispiel: Als Vorstandsvorsitzender müssen Sie die Situation Ihres Unternehmens vor der Presse verkaufen. Diese Quartals-PK ist seit sechs Wochen geplant. Die Darstellung liegt aber nicht zum Termin vor. Wie wirkt es vor der Presse, wenn der Vorstandsvorsitzende noch nicht einmal seine PR-Abteilung im Griff hat? In solchen Situationen fallen klare, oft drastische Worte. Dann wartet keine Führungskraft emotional feinfühlig ab, um therapeutisch wertvoll irgendwann einmal in moderatem Ton darauf hinzuweisen, dass so was doch bitte nur noch „gaaaaanz selten“ vorkommen sollte.

Das Problem liegt im „sense of urgency“ seitens der Mitarbeiter. Hier ist die Dringlichkeits-Diskrepanz zwischen „Privat“ und „Job“ oft paradox: Im privaten Leben bremsen die Mitarbeiter ihr Auto bei hohem Tempo vor Kurven ab – im Beruf meinen sie, das könnte man noch nach der Kurve erledigen. Interessant, dass Ihnen die Mitarbeiter in solchen Situationen immer wortreich erklären wollen, warum das Verlangte nicht vorliegt. Aber wen interessiert’s? Also sagt man knapp und unfreundlich: „Reden sie nicht, holen Sie die Präsentation!“

Wer selbst als Führungskraft arbeitet, kann einen schroffen Ton in solcher Situation verstehen. Wer aber glaubt, dass man unendliches Verständnis für jeden Fehler der Mitarbeiter haben sollte, der findet deutliche Worte empörend. Der Mitarbeiter hatte bestimmt eine schlimme Kindheit, oder sein Hamster hat gerade die Masern. Außerdem ist in vielen deutschen Köpfen immer noch gespeichert: Vorgesetzte sind grundsätzlich fies; die haben immer Unrecht! Der von seinen Ketten zu befreiende Arbeiter hat hingegen immer Recht! Ein simples Schwarz-Weiß-Bild des Denkens – auch im 21. Jahrhundert. So einfach kann die Welt sein!

Als Bundesfinanzminister Schäuble Anfang November seinen Pressesprecher M. Offer unwirsch unterbrach – als der ihm erklären wollte, warum an die Pressevertreter auszuteilende Seiten noch nicht vorlagen –, da lief die Gerechtigkeitspresse in Deutschland Amok. Der Rücktritt des Ministers wurde gefordert. Gefordert von Journalisten, die nie als Führungskraft arbeiten; gefordert von Leserbriefschreibern, die eher die sind, die die Sachen auch nicht zeitgerecht liefern.

In PE-Seminaren lernt man, besonnen und teamorientiert mit Mitarbeitern umzugehen. Die Realität kann in den geschilderten Situationen aber auch einmal vom Textbuch abweichen!

Wären Sie ruhig geblieben? Dann schreiben Sie uns!

 



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