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28.01.2011 | Moderne Paradoxien

Die Lösung: Bürokratie für Demografie?

Glosse_0211


Der Geburtenrückgang in Deutschland führt zu mehr und mehr Fachkräftemangel. Logischer Grund: Die Frauen, die schon Ende der 60er Jahre nicht geboren wurden, haben heute auch keine Kinder. Technisch ausgedrückt: Die Nettoreproduktionsrate in Deutschland liegt stabil bei 1,3 (erst bei 2,1 würde die Bevölkerungszahl gleich bleiben). Jede Generation wird also ein Drittel kleiner sein als die vorhergehende. Das ist seit 35 Jahren bekannt. Niemand kann sich wundern, wenn heute Fachkräfte fehlen. Das ist erst der Anfang. In den nächsten Jahren wird das jährlich schlimmer! Der Anbietermarkt („Ich biete eine Stelle an – und kann mir Bewerber aussuchen!“) wird zu einem Nachfragermarkt („Hoffentlich bewirbt sich überhaupt noch einer bei uns!“).

Auch kann niemand überrascht sein, wenn die (umstrittene) Rente mit 67 nicht in der Lage sein wird, das gesetzliche Rentensystem finanzierbar zu halten. Die Alten leben heute länger – zugleich gibt es immer weniger Beschäftigte, die die Rentner aus der Umlage finanzieren können. Was also ist die Lösung? Das „Demographie Netzwerk“, in dem auch viele Personaler vertreten sind, forderte kürzlich ein Demografie-Ministerium. Ganz ernsthaft. Vor 40 Jahren stellte die britische TV-Gruppe Monty Python das Ministerium für komische Gangarten vor. Ein Spezialministerium, das einigermaßen sinnlos war.

So würde auch das Demografie-Ministerium sein. Was sollte das denn koordinieren? Den Mangel an jungen Menschen? Mit Planwirtschaft? Wie bei der Einführung des AGG? Wie bei Mindestlöhnen – oder bei den anonymisierten Lebensläufen? Überlegen Sie mal: Welcher Bundesverkehrsminister hat die Staus abgeschafft? Welcher Gesundheitsminister die Gesundheit gefördert? Es ist schlicht paradox, dass Personalmanager ein neues Ministerium fordern!

Wie sähe das aus? Geleitet wird das durch den Demografie-Minister, einen Politiker. Der denkt nur in Legislaturperioden: vier Jahre. Mit diesem Denken kann er keine Probleme lösen, die mit 30-Jahres-Wirkung auf uns zukommen. Das beste Beispiel: Norbert Blüm. Er war 16 Jahre Bundesarbeitsminister und hätte schon vieles zukunftsweisend regeln können. Tat er nicht. Sein Mantra: „Die Rente ist sicher“. Das bezog sich aber nur auf seine.

Viele der in Zukunft benötigten Arbeitskräfte wurden schon vor 20 Jahren nicht geboren. Da kann auch ein Ministerium nichts dran ändern. Oder meinen Sie, 400 Bürokraten, die nie einen Betrieb von innen gesehen haben, helfen der Wirtschaft? Ah, das Ministerium soll die Einwanderung gestalten! Au weia! Wo sollen denn die hunderttausende gut qualifizierter Einwanderer herkommen? Die haben genug Chancen in ihren Herkunftsländern! So attraktiv ist Deutschland nicht mehr. Eine Einwanderungsillusion...

Angesichts der demografischen Entwicklung wird bald jedes Unternehmen ziemlich alleine kämpfen. Ach übrigens: Das „Demographie Netzwerk“ wird vom Bundsarbeitsministerium finanziert. Das erklärt wohl eher die genannte Forderung...

Sehen Sie in einem Ministerium die Lösung? Schreiben Sie uns!

 



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