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29.04.2011 | Moderne Paradoxien

HR Business Partner – die Traumwelt ruft

Glosse_0511


Immer mehr Unternehmen bieten Stellen für „HR Business Partner“. Vor 15 Jahren in den USA (wo sonst?) entstanden, bricht sich dieses semantische Konstrukt in Deutschland Bahn. Die „HR Business Partner“-Behauptung ist eine einseitige Willenserklärung, von Personalern an die Führungskräfte der Geschäftsbereiche: „Ich bin jetzt dein Geschäftspartner.“ Das Paradoxe ist, dass diese innig behauptete Beziehung von den Geschäftsbereichen im Unternehmen oft gar nicht erwidert wird. Obwohl heute selbst die kauzigsten EDV-Nerds im Unternehmen anerkannt sind, gelingt das HR nicht. Klar, wenn die EDV nicht läuft, liegt der ganze Betrieb still. Wenn man sich aber HR-Aktivitäten (jenseits der Kern-Kompetenz: Gehaltszahlung) wegdenkt, dann passiert eigentlich gar nichts.
„Personal“ liegt von der gefühlten Sinnhaftigkeit innerhalb der Unternehmen oft genug knapp vor den durchgeknallten Marketing- Schnuffels und den PR-Bubis mit ihren gegelten Haaren. HR liegt also auf dem firmeninternen Globus der Non-HRPeople irgendwo zwischen „Nichts“ und „Nada“. Und in dieser Situation will der Personaler sich durch Umlabeln auf „Business Partner“ Anerkennung holen?
Aber die HR-„Geschäftspartner“ für die Linienabteilungen haben nur zu knapp einem Drittel (nach einer neueren Untersuchung) Erfahrungen in anderen Abteilungen gesammelt. Also sollte sich niemand wundern, wenn die den HR-Bereich prägenden Psychologen, Soziologen und andere „-ogen“ nach wie vor wenig BWL-Kenntnisse und noch weniger Verständnis für die Probleme ihrer internen Kunden haben. Die Kunden wollen von HR schnelle und eindeutige Personal-Lösungen, damit die Arbeit in ihrem Bereich problemlos weitergeht. Die HR-People aber wollen Anerkennung. Sie wollen in strategische Entscheidungen eingebunden werden, auch wenn sie die im Zweifel nicht verstehen; sie wollen strategisch ihren Beitrag leisten – werden aber als Personal-Gutmenschen ohne Rückrat und Rückhalt erlebt. Ein leichtes Delta zwischen Selbstbild und Fremdbild. Kürzlich meinte bei einer Diskussion zum Business Partner ein Personalvorstand: „Sie können sich so nennen – aber ändern tun sie damit erst einmal nichts. Die Anerkennung müssen Sie sich mit ihrer Personalabteilung verdienen. Die kann man nicht einfach so behaupten.“
Besser wäre es also gewesen, wenn sich zunächst HR profiliert hätte: mit Wissen und Verständnis für die Linienabteilungen; irgendwann hätten alle gedacht: „Hey, diese Personaler sind ja auf Augenhöhe mit uns. Wie Geschäftspartner!“ Dann wäre man anerkannt. Den Titel „Business Partner“ hätte keiner gebraucht. Es fragt sich ohnehin, ob dieser Terminus sinnvoll ist. Denn die HR-Abteilung auf dem „Business Partner-Trip“ stellt sich per definitonem damit eher außerhalb des Unternehmens auf. Das Gegenteil dessen, was beabsichtigt war! Oder kennen Sie ernsthaft ein Unternehmen, in dem R&D als „Forschungs-Partner“ und der Einkauf als „Einkaufs-Partner“ auftreten?

Sind Sie schon Business Partner
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