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29.07.2011 | Moderne Paradoxien

Dresscode Blues

Glosse_0811


Im Sommer kommen sie groß raus: Mitarbeiter mit bauchfreien Outfits, „Motto-Sweatshirts“, Tätowierungen und Piercings, Bermuda-Shorts, extrem aufdringlichen Deos oder Parfums sowie weiteren olfaktorischen Desastern, die mit langem Nicht-Duschen oder ungewaschenen Hemden zu tun haben. Ganzjährig erlebt man auch lustige Farbkombinationen: die orange Krawatte mit dem Schweinchen drauf zum gelben Jacket und der blauen Hose.
Offensichtlich haben viele Menschen kein Gefühl mehr für situations- adäquate Business-Kleidung. Sowohl bei privaten Unternehmen wie (vor allem) bei öffentlichen. Beispielhaft ist hier die Gewerbeabteilung der Stadt Köln. Im Kundenkontakt mit Unternehmern laufen dort Mitarbeiter herum, als wenn lange Nächte im „Ballermann 6“ ihr tägliches Pensum wären. Zeigt die Stadtverwaltung Köln damit, was sie von Unternehmern hält? Vielleicht ist Kleidung ja das geringste Problem in einer Stadt, die beim U-Bahn-Bau ihr Stadtarchiv versenkt. Obwohl: entstehen Probleme nicht auch wegen der Kleidung? Schließlich spiegelt Kleidung die Einstellung zur Arbeit, zum Unternehmen und zum Kunden wider.
„Kleidung hat sehr viel damit zu tun, wie eine Person zu sich selber steht und welchen Respekt und welche Gefühle sie anderen Menschen entgegenbringt“ (Image-Beraterin Maria Schmutz- Wyder). Trotzdem war der mediale Aufschrei in Deutschland erwartet groß, als die UBS Bank in einem Dresscode kürzlich Details zum Auftreten ihrer Mitarbeiter regelte. Regeln? Das geht gegen die persönliche Freiheit! Gerade in eher konflikt-aversen deutschen Unternehmen wären Dresscodes dringend erforderlich. „Viele Vorgesetzte haben einfach nicht den Mut, verbindlich zu erklären, was wie zu tragen ist“ (Peter Stöckling auf HRtoday). Orientieren wir uns an den USA: Dort werden Kleidungsfragen in Unternehmen vehement thematisiert. Trotz Gerichtsverfahren zu „appearance-based discrimination“. Mit teils simplen Hinweisen zeigen US-Ratgeber verunsicherten Mitarbeitern, um was es geht: „Wenn du’s auf der Party und beim Grillen trägst, dann taugt es nichts fürs Büro“; oder speziell für Männer: „Wenn es keinen Kragen hat, trag es nicht im Office!“ Allerdings ist die US-Verwirrung zwischen „business-casual“, „semi-casual“, „formal“ und „informal“ hoch. So rät Wikipedia: „On the scale of formality, informal attire is more formal than casual but less formal than semi-formal“. Alles klar? (Lösung: Unser „Büro-Anzug“ ist „informal attire“...)
So richtig versteht man das ja ohnehin nicht: Jeder Mitarbeiter könnte sich bei der Frage, was im Betrieb „üblich“ ist, am Auftreten des, respektive der, Vorgesetzen orientieren. Aber irgendwie klappt das nicht bei allen. Daher: Entwickeln Sie als Personaler endlich einen Dresscode für Ihr Unternehmen! Ein brilliantes Beispiel bietet der humorlos-präzise Text der medizinischen Abteilung der University of Wisconsin (www2.medicine.wisc.edu/home/hr/dresscode). Und knapp ist er auch... Hat Ihr Unternehmen schon einen Dresscode? Schreiben Sie uns!

Hat Ihr Unternehmen schon einen Dresscode?
- Dann schreiben Sie uns!

 



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