Da saß er hinter mir. Im Urlaub. Der Manager, oder so was ähnliches. Und telefonierte. Sehr laut. Damit die anderen Urlauber mitbekamen, dass er Manager ist, oder so was ähnliches. Immer erwähnte er die „Ähtsch-Ahh-Diwisch’n". Die müsste sich endlich „kommidd’n“. Weitere englische Begriffe adaptierte seine Zunge dann auf sehr eigene Weise.
Ja, ich gebe zu, es ist einfach, die Anglizismus-Anwendungen im HR-Bereich zu glossieren. Aber soooo verlockend. Denn das aradoxe ist: Oft werden HR- und andere Unternehmens-Anglizismen benutzt, aber nicht verstanden. Auch Ähtsch-Ahh-Mitarbeiter sind Teil der Gesellschaft. Viele Menschen übersetzten den Werbespruch von FORD „Feel the difference" eben mit Fühle das Differential". Wer weiß da schon, was „Resilience" ist? Daher findet man im Unternehmensalltag den „Key Speak"- Vortrag im Tagungsprogramm; da wird der „Steak-Holder“ genauso einbezogen wie der „Chair-Holder". Das „Wurst Case Scenario" wird betrachtet und mit Hilfe des „Word of Mouse" werden Dinge kolportiert. Die „Pool Position", die wir gewonnen haben, erinnert an das Handtuch, das man als deutscher Tourist im pawlow’schen Reflex bei der Betrachtung von Liegestühlen auf just diese legt.
Und bei einer Präsentation wurde „das mit den ‚drop und down’-Feldern" erläutert. Was macht’s? Ob „Couch" oder „Coach" – alles irgendwie ähnlich. Dass wir in der Aussprache nicht zwischen „love" und „laugh" unterscheiden, nimmt uns kein native-speaker krumm. Aber dass die Fachhochschule zur „University of Applied Sciences“ mutiert, wirkt affig. Doch dass an Hochschulen heute englisch radebrechende Professoren internationale Vorlesungen vor deutschen Studenten abhalten, die auch nur schlecht englisch können führt zu Fehlerketten, die sich auf die Qualität auswirken. Diese Studenten landen hinterher auch bei Ähtsch-Ahh; wenn man dann noch Consultant-Buzz-Words hinzumischt, geht der sprachliche Punk ab. Im Unternehmen kommt es so zum Mega-GAU, wenn der Englisch-Radebrecher aus Schwaben seinem Kollegen aus Bayern Ähtsch-Ahh-Dinge erklärt, die beide schon auf deutsch nur schwer artikulieren können.
Wenn man dann endlich das Niveau von Oettinger- und Westerwelle-Englisch hinter sich gelassen hat, kann man sich voller Vehemenz der einen Weltsprache zuwenden: „Schlechtes Englisch". Nein, bitte nicht: Wer meint, dass Englisch eine simple Sprache sei, irrt gewaltig. Um Nuancen zu erkennen muss, man nicht erst „Ulysses" oder „Infinite Jest" lesen. Daher sollte man Englisch besser sparsam einsetzen. So verlockend das ist!
Was noch fehlt - und nun kommt: Der moralische Appell. Sie, als Verantwortliche und Mitarbeiter in den Personalabteilungen in unserem Land, können was dagegen tun. In Weiterbildungen, bei Sitzungen, im Alltag. Deutschen Sie doch mal Begriffe ein. Dann klingen die weniger smart, aber die Kommunikation wird einfacher. Also: versuchen wir doch mal einen Tag im Monat normal zu sprechen.
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