Mittelstand: Mitarbeiterbindung gegen den Fachkräftemangel
Der Fach- und Führungskräftemangel kostet den deutschen Mittelstand jährlich rund 33 Milliarden Euro an Umsatzeinbußen. Die Unternehmen reagieren darauf mit einer nachhaltigen Personalstrategie: So ist derzeit das wichtigste personalpolitische Thema, gute Mitarbeiter an sich zu binden. Die Fluktuation der eigenen Mitarbeiter zu verhindern, hat sogar eine höhere Priorität als neue Mitarbeiter zu rekrutieren.
Knapp zwei Drittel Prozent der mittelständischen Unternehmen messen der Mitarbeiterbindung eine große oder sehr große Bedeutung zu. Dabei spielt auch die Attraktivität flexibler Arbeitszeitmodelle eine Rolle: 45 Prozent der Betriebe sehen darin eine wichtige Herausforderung, die gemeistert werden muss, um Mitarbeiter künftig zu binden und gewinnen. 44 Prozent geben an, die Leistung der Mitarbeiter wertzuschätzen, sei eine große Herausforderung, 43 Prozent nennen hier die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität, dicht gefolgt vom Aufbau einer attraktiven Unternehmenskultur (42 Prozent) und Entwicklungsperspektiven für die Mitarbeiter (41 Prozent).
29 Prozent der Unternehmen beabsichtigen, zukünftig ihr Budget für Rekrutierung sowie Mitarbeiterbindung und -entwicklung zu erhöhen; nur zehn Prozent werden ihre Talent-Management-Ausgaben in den nächsten drei Jahren senken. 27 Prozent planen Gehaltserhöhungen, um Mitarbeiter stärker an ihr Unternehmen zu binden. Recruiting ist mit 45 Prozent nur das fünftwichtigste Thema in den Personalabteilungen. Das sind Ergebnisse der Studie „Talent Management im Mittelstand – mit innovativen Strategien gegen den Fachkräftemangel“. Die Studie wurde von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young in Kooperation mit der ESCP Europe Wirtschaftshochschule Berlin erstellt; teilgenommen haben 700 Firmen.
Nach ihrer Rekrutierungsstrategie gefragt, geben 62 Prozent der Mittelständler an, es sei ihnen wichtig, frühzeitig junge Talente wie Schüler und Studenten zu identifizieren und für das Unternehmen zu gewinnen. 55 Prozent der befragten Unternehmen konzentrieren sich vor allem auf die Anwerbung regionaler Mitarbeiter. Die zusätzliche Ansprache neuer Zielgruppen hat dagegen in den Unternehmen eine geringe Priorität: Nur 29 Prozent der Studienteilnehmer konzentrieren sich auf die Rekrutierung von Frauen, Migranten oder älteren Mitarbeitern, lediglich 20 Prozent sprechen gezielt potenzielle Kandidaten im Ausland an.
Den Kampf gegen den Fachkräftemangel arbeitet ein Viertel der teilnehmenden Betriebe im Personalbereich mit anderen Unternehmen oder Partnern zusammen. Je höher der Umsatz eines Unternehmens, desto größer ist jedoch die Bereitschaft, sich an Firmennetzwerken zu beteiligen.
Weitere Informationen unter:
www.de.ey.com
Die Mehrheit der Studierenden betrachtet Karriere als einen „stetigen Weg zu persönlichem Wachstum, Selbstverwirklichung und Befriedigung." Zwar möchten zwei Drittel der Frauen und 77 Prozent der Männer eine Führungsfunktion einnehmen, doch sind ihre Einstellungen hinsichtlich der eigenen Karriere- und Führungs- ambitionen sehr unterschiedlich.