Neue Arbeitnehmerfreizügigkeit wird bislang wenig genutzt
Seit Mai 2011 dürfen Menschen aus acht ost- und mitteleuropäischen EU-Staaten ohne Einschränkungen in Deutschland erwerbstätig sein. Allerdings ist das Ausmaß der Zuwanderung aus diesen Ländern seitdem nur mäßig gestiegen, wie eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ergab.
In den ersten fünf Monaten nach Inkrafttreten der neuen Regelungen zur Arbeitnehmerfreizügigkeit sind aus den EU-8-Staaten 41.400 Personen nach Deutschland eingewandert. Dem IAB zufolge sind dies zwar 13.900 beziehungsweise 51 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Wenn sich die Zahlen in diesem Maße weiter entwickeln, gehen die Forscher für 2011 allerdings nur von einer Nettozuwanderung von 50.000 bis 60.000 Personen aus. Damit bleiben die realen Entwicklungen weit hinter manchen Erwartungen zurück, die allein für 2011 von einem Zuzug von bis zu 450.000 Arbeitnehmern aus Mittel- und Osteuropa ausgingen.
An der Unkenntnis der Unternehmen bezüglich der neuen Rekrutierungsmöglichkeiten scheint das Ausbleiben des Arbeitnehmerzustroms indes nicht zu liegen: Nur 14 Prozent der vom IAB befragten 9.000 Betriebe gaben an, nichts von der gesetzlichen Änderung zu wissen. Dagegen erklärten 70 Prozent der Unternehmen, dass die neue Arbeitnehmerfreizügigkeit vor dem Hintergrund der formalen Anforderungen an die zu besetzenden Stellen keine Bedeutung für eigene Rekrutierungsprozesse habe. Immerhin 18 Prozent der Firmen hat sich auf Neueinstellungen aus den EU-8-Ländern vorbereitet, lediglich drei Prozent haben eine solche jedoch tatsächlich durchgeführt.
Großbritannien und Irland haben Migrationsströme umgelenkt
Grund für das Ausbleiben der Zuwanderungsbewegungen nach Deutschland ist dem IAB zufolge vielmehr die Tatsache, dass Deutschland die Tür etwas zu spät geöffnet hat. Großbritannien und Irland sei es durch die Öffnung ihrer Arbeitsmärkte im Jahr 2004 gelungen sei, Migrationsströme nachhaltig umzulenken. Hätten Deutschland und Österreich im Jahr 2000 etwa noch 70 Prozent der Migrantionsbewegungen aus den heutigen EU-8-Ländern in die EU absorbiert, entfielen seit 2004 80 Prozent dieser Migrationsströme auf Großbritannien und Irland. Dies sei durch die nachträgliche Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes kaum umzukehren.
Um einiges stärker als die jobbedingte Zuwanderung aus den EU-8-Ländern hat nach Erkenntnissen des IAB die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Menschen aus diesen Staaten zugenommen. Zwischen April und August stieg sie um 46.500. Auch wenn Arbeitnehmer aus Ländern wie Polen, Ungarn und der Slowakei überdurchschnittlich häufig in Branchen wie Landwirtschaft und Baugewerbe beschäftigt sind, die saisonalen Schwankungen unterliegen, erklären sich die IAB-Forscher den Zuwachs nicht durch saisonale Effekte. Vielmehr gehen sie davon aus, dass Menschen, die zuvor selbstständig oder schwarz gearbeitet hätten, nun eine Beschäftigung aufgenommen hätten. Dadurch dürfte sich durch die Neuregelung zumindest ein positiver Effekt für die Sozialversicherungssysteme und die öffentlichen Finanzen ergeben.
Zur kompletten Ausgabe des IAB-Kurzberichts:
www.iab.de
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