Fachkräftesicherung: Aufgabe für Unternehmen und Politik
Mehr als jedes dritte Unternehmen in Deutschland hat Probleme, offene Stellen zu besetzen. Im Wettbewerb um qualifiziertes Personal bemühen sich die Arbeitgeber um mehr Attraktivität, etwa mit verbesserter Familienfreundlichkeit oder der Beschäftigung Älterer, vor allem aber über verstärkte Aus- und Weiterbildung. Der DIHK sieht beim Thema Fachkräftesicherung jedoch auch die Politik in der Pflicht.
Die Nachfrage nach Arbeitskräften hierzulande hat zuletzt stark zugenommen. Über ein Drittel der Unternehmen kann offene Stellen zwei Monate oder länger nicht besetzen; dabei geht es um insgesamt 1,3 Mio. Arbeitsplätze. Davon betroffen sind vor allem technikorientierte Branchen wie Fahrzeugbau und Elektrotechnik, aber auch die Gesundheitswirtschaft. Das geht aus dem aktuellen Arbeitsmarktreport des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor.
Arbeitgeberattraktivität gewinnt an Bedeutung
Immer mehr Unternehmen wollen im Wettbewerb um gutes Personal mit einer höheren Arbeitgeberattraktivität punkten: Fast jeder dritte Betrieb möchte so Fachkräfte gewinnen und halten. Neben Aspekten wie Arbeitsplatzqualität und Karrierechancen spielt dabei auch die Bezahlung der Mitarbeiter eine Rolle. Der Vorwurf, Betriebe würden zwar über Fachkräftemangel klagen, seien aber nicht bereit, knappe Experten entsprechend zu bezahlen, trifft laut DIHK nicht zu.
Jeder vierte Arbeitgeber beabsichtigt, auf Fachkräfteengpässe auch mit einer leichteren Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu reagieren. Dieses Thema hat deutlich an Bedeutung gewonnen; vor vier Jahren sahen lediglich 15 Prozent darin eine Maßnahme, um qualifiziertes Personal zu sichern.
Auch hat ebenfalls jeder vierte Betrieb vor, im Hinblick auf die Beschäftigung älterer Mitarbeiter künftig mehr tun, unter anderem mit einer altersorientierten Personalpolitik und betrieblicher Gesundheitsförderung. Fachkräfte aus dem Ausland sind für zwölf Prozent der Unternehmen eine Option. Den Spitzenplatz im Kampf gegen den Fachkräftemangel belegen nach wie vor Aus- und Weiterbildung – rund jedes zweite Unternehmen will sich hier stärker bemühen.
Schul- und Studienabbrecherquote senken
Nach Ansicht des DIHK steht, parallel zu den Anstrengungen der Unternehmen, auch die Politik in der Pflicht, denn hohe Schul- und Studienabbrecherquoten sowie eine mangelnde Ausbildungsreife erschweren den Einstieg in Arbeit. Zwei von drei Betrieben sehen in einer besseren Qualifikation der Schulabgänger eine wesentliche Hilfe zur Fachkräftesicherung. Der DIHK appelliert deshalb an Politiker, dafür Sorge zu tragen, dass die Zahl der Abbrecher reduziert wird und fordert, Ganztagsangebote auszubauen sowie die Berufsorientierung für junge Menschen zu stärken.
Mehr als jedes dritte Unternehmen mahnt zudem eine bessere Vermittlung von Arbeitslosen durch die Arbeitsagenturen an. Deren Leistungen seien in den vergangenen Jahren zwar besser geworden, so der Arbeitsmarktbericht, aber gerade mit Blick auf die Betriebsnähe besteht noch Potenzial, zum Beispiel beim Abgleich konkreter Stellenprofile mit den Bewerberqualifikationen.
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