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Dr. Andreas Kloevekorn wird COO bei Edelman Deutschland

Dr. Andreas Kloevekorn
Dr. Andreas Kloevekorn ist neuer COO bei Edelman Deutschland. Foto: Dan Zoubek

 

Personalwirtschaft: Gibt es Besonderheiten bei der HR-Arbeit in der Kreativbranche? 

Dr. Andreas Kloevekorn: Edelman ist thematisch sehr breit aufgestellt, das heißt, wir haben sehr unterschiedliche Mitarbeiter – sowohl vom Skillset als auch vom Habitus. Das bedeutet, dass sich unser HR-Team und natürlich auch das Management immer wieder auf unterschiedliche Persönlichkeiten und Anforderungen einstellen muss. Das gilt sowohl im Recruitment – wo finde ich die entsprechenden Talente, wie spreche ich sie an? – als auch bei Themen wie Personalentwicklung oder Weiterbildung. In Summe heißt das: Es gilt, die Vielfalt zu managen. Das ist herausfordernd und erfordert viel Flexibilität, macht die Aufgabe aber auch sehr spannend. 

Darüber hinaus ist explizit auch die Unternehmenskultur als einer Ihrer Aufgabenbereiche genannt. Worauf kommt es da an? 

Eine positive Unternehmenskultur ist heutzutage einer der wichtigsten Faktoren, um gute Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Wichtig sind unter anderem klare Ziele, offene und transparente Kommunikation und ein respektvoller Umgang, ohne deswegen immer “weichgespült” zu sein.

Kultur kann man nicht verordnen – sie muss vom Management konsequent vorgelebt und umgesetzt werden.

Nur dann ist sie auch glaubwürdig. Und Kultur muss Freiraum lassen: Wir haben vier Offices in Deutschland. Jedes soll natürlich von der Kultur her erkennbar ein Edelman-Office sein, gleichzeitig aber einen eigenen lokalen Charakter haben. 

Sie haben in Neuerer Geschichte promoviert. Über welches Thema? Nutzt es Ihnen bei Ihrer heutigen Arbeit? 

Ich habe über “Die Entstehung und Rezeption der irischen Verfassung von 1937” promoviert. Wie fast alle geisteswissenschaftlichen Themen hat das erkennbar keinen direkten Bezug zu meiner heutigen Tätigkeit. Bis heute hilfreich ist aber die Fähigkeit, sich schnell und gleichzeitig systematisch in einen Themenbereich einzuarbeiten, die Kernfragen herauszufiltern und die eigenen Erkenntnisse möglichst verständlich und auf den Punkt zu formulieren. 

Sie waren vor Ihrer jetzigen Position fünf Jahre lang Digitalchef bei Edelman Deutschland. Wie beurteilen Sie den Einsatz von digitalen Tools im HR-Bereich? 

Viele administrative Prozesse können durch digitale Tools sehr vereinfacht und beschleunigt werden, das ist in jedem Fall eine große Hilfe. Vieles wird auch transparenter, wenn zum Beispiel Urlaubsstände digital einsehbar sind. Man sollte sich aber immer bewusst sein, dass es sich hier um Hilfsmittel handelt.

Im Kern geht es bei HR um Menschen, und da bleiben Empathie und der persönliche Kontakt immer wichtig. 

Edelman Deutschland hatte 2018 den Abgang mehrerer langjähriger Führungskräfte wegzustecken. Inwiefern hatte oder hat das Auswirkungen auf das Personal? 

Fluktuation gibt es in unserer Branche immer. 2018 war sie bei Edelman sicher höher und sichtbarer als in der Vergangenheit. Der Weggang von Bezugspersonen führt natürlich zu einer gewissen Disruption, bietet aber auch Chancen, sich aus eingefahrenen Gleisen zu lösen und Dinge ganz neu anzugehen. Wir sind jetzt personell gut aufgestellt – durch einige Neuzugänge und interne Veränderungen, zu denen auch meine neue Position gehört. Ich bin da sehr optimistisch. 

Aus der Sicht einer PR-Agentur: Verkaufen sich Personalverantwortliche in den Unternehmen Ihrer Meinung nach gut? 

Das lässt sich so pauschal und von außen nur schwer beantworten und ist sicher von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Klar ist für mich, dass angesichts der Lage auf dem Arbeitsmarkt die Bedeutung von moderner HR-Arbeit in fast allen Branchen und Unternehmen steigen wird – das wird sicher noch nicht überall angemessen umgesetzt.


Dieses Interview ist in Ausgabe 03/2019 erschienen. Sie können das gesamte Heft › hier bestellen

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.