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Bayerische Regierung ruft Themenplattform Arbeitswelt 4.0 ins Leben

Glühbirne und Schriftzug
Was hat die Arbeitswelt 4.0 zu bieten? Die gleichnamige Themenplattform möchte über Gefahren und Potenziale aufklären und Unternehmen mit der Forschung vernetzen. Foto © DOC RABE Media/AdobeStock

Das Tempo, in dem sich die Arbeitswelt verändert, überfordert viele Menschen. Sie befürchten, den Anschluss zu verlieren. Andere sind voller Zuversicht, gerade mit Blick auf die Digitalisierung: Neue Technik trifft den Lebensnerv junger Leute, die mit Internet, Social Media und dem Tausendsassa Smartphone aufgewachsen sind. Agil zu arbeiten, sich bei erhöhtem Projekttempo stetig und hierarchieunabhängig auszutauschen, zählt dazu.

Die “Arbeitswelt 4.0” verbindet

Die Sorgen ernst nehmen, aber selbstbewusst Chancen ergreifen: So lautet auch das erklärte Ziel der vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales ins Leben gerufenen und vom Zentrum Digitalisierung Bayern (ZDB) betreuten Themenplattform “Arbeitswelt 4.0”. Das in München ansässige ZDB soll Akteure in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft vernetzen und so den digitalen Wandel mitgestalten, betonte Ministerin Kerstin Schreyer bei der Auftaktkonferenz für die Themenplattform in ihrem Grußwort.

Wie stark der Einfluss der jungen Generation auf die Veränderungen bereits ist, verdeutlichte auf einer Podiumsdiskussion zum Thema “Die Zukunft der Arbeit” Dirk Ramhorst, einer der Sprecher von “Arbeitswelt 4.0”. Ramhorst ist IT-Leiter der Wacker Chemie AG sowie als Chief Digital Officer (CDO) für den Transformationsprozess des Konzerns verantwortlich. Seiner Erfahrung nach wächst das Bewusstsein für IT-Skills rasant: “Plötzlich habe ich 1000 IT-Experten um mich herum”, sagte Ramhorst augenzwinkernd.

Freilich sind die neuen Techniken nur ein, wenn auch wichtiger Teil der Veränderung. Ramhorst sieht seine Aufgabe grundsätzlich darin, möglichst alle Beschäftigten für die Zukunft zu rüsten und dabei auf ihren individuellen Bedarf einzugehen. Profitieren sollen gerade diejenigen, die wie in der Produktion noch keinerlei Erfahrung haben, am Bildschirm zu arbeiten. Wie Ramhorst im Gespräch abseits des Podiums erläuterte, hält er das kulturelle Moment der Transformation, also den “Change des Mindset”, sowie die Befähigung von Beschäftigten für entscheidend. Dabei genüge es nicht, Skills zu erwerben, als vollziehe man ein Update von Release 1.0 auf 2.0. “Vielmehr geht es um kontinuierliches Lernen. Und das gelingt nur im Zusammenspiel.”

Die Rolle von HR

Dabei baut Ramhorst auf die “sehr enge” Zusammenarbeit mit HR, das sich bei Wacker Chemie als Business Partner definiere und ihn bei der Kompetenzerweiterung und Schulung der Beschäftigten unterstütze – auch beim Thema KI. Dabei wolle man nicht zu sehr in die Tiefe gehen, sondern sich auf die Grundlagen beschränken: Worum geht es im Kern und wie verbreitet sind die Algorithmen in der Arbeitswelt?

Auf Algorithmen basierende Software trifft auf große Skepsis, auch unter den Teilnehmern der Münchener Podiumsdiskussion. Denn nicht alle Betroffenen würden eingebunden und nicht jeder wisse, was hinter KI steckt. Wer trifft zum Beispiel die Entscheidung über Einstellungen oder Beförderungen? Für Transparenz sorgen, intensiv kommunizieren, immer wieder erklären, was hinter KI steckt: Von intensiver Kommunikation mit allen Stakeholdern, waren sich die Diskutanten einig, müsste auch die Transformation profitieren.

Mit Nachdruck plädierte deshalb die Soziologin Sabine Pfeiffer von der Universität Nürnberg-Erlangen für eine stärkere Beteiligung der Beschäftigten. Sie beobachtet, dass viele New-Work-Initiativen zu scheitern drohen. Das liege auch, aber nicht nur an mangelnder Transparenz über die damit verbundenen Ziele und Prozesse.

So werde über Beschäftigte hinweg agiert, oder Führungskräfte seien nicht hinreichend auf geplante Veränderungen vorbereitet worden. Zudem scheiterten Vorhaben an unflexiblen betrieblichen Strukturen oder der Wandel werde übers Knie gebrochen.

“Quick and dirty eignet sich nicht”,

betonte Pfeiffer, die wie Ramhorst für “Arbeitswelt 4.0” spricht. Sie fügte hinzu: “Für partizipative Prozesse brauchen wir mehr Zeit, auch für die persönliche Weiterbildung. Dann kommen auch gute Lösungen dabei heraus.”

Ob es der Bayerischen Initiative gelingt, der Transformation frische Impulse zu verleihen und den gesellschaftlichen Dialog zur Digitalisierung zu beleben, wird sich zeigen. Über Ergebnisse will das Zentrum Digitalisierung Bayern (ZDB) regelmäßig auf der Website ››zentrum-digitalisierung.bayern informieren.

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