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„Für mich ist Führung eine Frage der Haltung“

 

Portrait von Karen Walkenhorst
Karen Walkenhorst ist diplomierte Sozialwissenschaftlerin und erste Frau im Tk-Vorstand. / Foto: Techniker Krankenkasse

Personalwirtschaft: Sie sind eine der ersten Frauen im Vorstand einer großen Krankenkasse. Warum, denken Sie, gab es bisher noch keine?

Karen Walkenhorst: In den Krankenkassen greifen dieselben Mechanismen wie in vielen Unternehmen in Deutschland. Die Entscheidungen über die Besetzung von Führungspositionen treffen Männer. Und da besteht die Gefahr, dass sie oft Männer auswählen. Es herrscht eine männliche Führungskultur, in der sich Männer durchsetzen und zu der viele Frauen auch keine Lust haben. Deshalb bewerben sie sich auf interessante Positionen gar nicht erst. 

Ist es ein Vor- oder ein Nachteil, dass Sie bereits seit 2001 im Unternehmen sind?

Ein Vorteil: Ich kenne die Menschen, und sie kennen mich. Sie vertrauen mir und haben daher auch große Erwartungen an mich. Mir ist die Organisation vertraut, so kenne ich auch die Baustellen, an denen wir arbeiten müssen. Ich bin Teil der Organisation und – in Zeiten von Veränderungen nicht zu unterschätzen – Teil unserer Kultur. Diese Kultur lebe ich, daran lasse ich mich auch messen. 

Sie sind Sozialwissenschaftlerin. Kommt Ihnen das bei der Personalarbeit zugute?
Eine akademische Ausbildung ist sicher kein Fehler. Allerdings kommt es nicht so sehr auf das Fach selbst an – wenngleich es sich in meinem Fall so fügt, dass die Inhalte meines Studiums und die Branche, in der ich Verantwortung trage, große Schnittmengen haben. Aber die Curricula von vor 25 Jahren haben wenig zu tun mit den Herausforderungen, vor denen ein großes Unternehmen in Zeiten der Digitalisierung und permanenter Veränderung steht. Es kommt vielmehr darauf an, was man an seinem jeweiligen Platz aus seinen Möglichkeiten macht und wofür man brennt. 

Sie waren bisher in anderen Geschäftsbereichen tätig. Warum hat man Ihnen das Personalressort anvertraut?
Ich habe langjährige Führungsverantwortung in unterschiedlichen Bereichen – zuletzt für 19 Einheiten mit insgesamt fast 4000 Mitarbeitern. Führung ist eng verknüpft mit Personal- und Organisationsentwicklung. Das liegt mir am Herzen, und ich habe es in den vergangenen Jahren erfolgreich umgesetzt. Ich konnte große Veränderungsprozesse anstoßen und so gestalten, dass die Mitarbeiter sie mitgehen konnten. Dazu ist es für mich wichtig, viel zu reden, auch Zweifeln und Ängsten Raum zu geben und den Sinn zu vermitteln.

Welche Schwerpunkte sehen Sie in der Personalarbeit der TK?
Zwei Themen, die eng zusammenhängen, sind die Digitalisierung und die Kultur unserer Zusammenarbeit. In beiden Feldern sind wir gut unterwegs, aber beide sind eben auch so erfolgskritisch, dass sie unser und mein Augenmerk besonders verdienen. Die Ansprüche verändern sich – an hierarchieübergreifende Zusammenarbeit, an Führung, an Kommunikation, generell ans Miteinander. 

Sie sagen, die 13 000 der Mitarbeiter der TK seien der wichtigste Faktor für den Erfolg der Digitalisierung. Wie gehen die TK und ihr Personal mit den Chancen und Herausforderungen um?
Natürlich bietet die Digitalisierung in einem so großen Dienstleistungsunternehmen wie der TK große, ganz neue Chancen für Kunden und Mitarbeiter. Wir sehen, dass der Bedarf an qualifizierter Unterstützung unserer Versicherten wächst. Je mehr einfache Prozesse wir also maschinell erledigen können, desto größer wird der Freiraum für die Mitarbeiter, sich um komplexere Fragestellungen unserer Kunden zu kümmern. Aber Chancen kommen nie ohne Herausforderungen daher: Mehr als früher müssen wir uns dem Thema lebenslanges Lernen stellen. Und das ist nicht gleichzusetzen mit der einen oder anderen Qualifizierungsmaßnahme. Die Veränderungsintervalle werden zusehends kürzer, was bedeutet, dass wir uns alle permanent weiterentwickeln müssen. Auf diesem Weg möglichst alle mitzunehmen, sehe ich als große Herausforderung. 

Wie charakterisieren Sie Ihren Führungsstil?
Für mich ist Führung eine Frage der Haltung: Interessiere ich mich für Menschen, habe ich eine positive Grundhaltung ihnen gegenüber? In meinen Augen ist das ein Schlüsselfaktor. Ich selbst gehe grundsätzlich davon aus, dass die Mitarbeiter einen erfolgreichen Job machen wollen. Als Führungskraft  sehe ich es als eine meiner wichtigsten Aufgaben an, einen möglichst guten Rahmen zu schaffen, in dem die Mitarbeiter erfolgreich sein und zugleich Freude an ihrer Arbeit haben können. Gute und intensive Kommunikation ist dazu unerlässlich. Ich möchte Sinn stiften und den Mitarbeitern Eigenverantwortung geben. Dazu muss man auch selbst loslassen können.

Dieser Beitrag ist in Ausgabe 10/17 erschienen. Sie können das gesamte Heft in unserem › Archiv lesen.