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Lebenslauf: Ex-Schwimmer Thomas Lurz ist heute HR Director bei s.Oliver

Personalwirtschaft: Herr Lurz, Sie sind der erfolgreichste Open-Water-Schwimmer der Welt und haben Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gewonnen. Was hat Sie in der Zeit als Leistungssportler geprägt? Und wie hilft Ihnen das bei Ihrer Arbeit als HR-Verantwortlicher?
Thomas Lurz:
Mich haben vor allem die Wettkämpfe und das dafür notwendige Training geprägt. Die Leistung auf Tag und Uhrzeit genau abzuliefern hat mich in meinem Verhalten und täglichen Tun besonders beeinflusst. Es hilft mir auf allen Ebenen, damit umzugehen, was von einem HR Director verlangt wird, und der Sport hat mir gezeigt, wie man Menschen motivieren kann und dass Erfolg Spaß macht. Der Leistungsgedanke, also der Wunsch, Ziele zu erreichen und bestmöglich erfüllen zu wollen, ist ein wichtiger und kann bei vielen Menschen geweckt werden. Zum Beispiel, indem Mitarbeitenden Ziele gesetzt werden, die sie erreichen können und nicht solche, die zu hochgesteckt sind. Erreichen sie diese, ist das motivierend, und sie arbeiten gerne auf weitere Ziele hin.

War Ihre Karriere in HR von Anfang an im Anschluss an die Leistungssportkarriere geplant?
Nein, das hat sich ergeben. Bedingt durch den Leistungssport bin ich ein Quereinsteiger, denn ich habe jahrelang keine klassische Berufserfahrung gesammelt. Allerdings war meine erste Funktion im Unternehmen eine HR-Funktion. Danach habe ich aufgrund meines MBA-Studiums und meiner beruflichen Rollen – zum Beispiel als Assistent des Geschäftsführers bei s.Oliver – ein übergeordnetes Bild von Unternehmensführung erhalten. Ich habe erkannt, dass es in unternehmerischen Fragen oft um menschliche Themen geht. Und dass diese menschlichen Themen, die HR stark bespielt, umgekehrt zentral fürs Business sind. HR-Arbeit ist daher immer auch businessnah.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, in die Personalabteilung zu wechseln?
Ich hatte bei s.Oliver die Möglichkeit, eine leitende Funktion in der HR-Abteilung zu übernehmen. Diese Chance war für mich genial und die Herausforderung genau das, was ich gesucht habe. Ich konnte hier Dinge entscheiden und bewegen. Es macht mir unheimlich viel Spaß, einen Mehrwert für das Unternehmen zu liefern und die Belegschaft weiterzuentwickeln.

Seit über neun Jahren arbeiten Sie bei s.Oliver. Was fasziniert Sie gerade an diesem Unternehmen und der Branche?
Die Unternehmenskultur. Sie ist von den Werten Vertrauen, Stärke und Verantwortung geprägt. S.Oliver ist ein erfolgreiches, dynamisches Unternehmen, in dem man als einzelner Mitarbeiter Dinge bewegen kann. Das macht mir Spaß. Die Branche ist eine schnelllebige, in der viele verhältnismäßig junge Menschen arbeiten – bei s.Oliver ist das Durchschnittsalter der Beschäftigten 38 Jahre – , die digital affin sind. Das ist eher selten im Vergleich zu ähnlich großen Betrieben mit Milliardenumsätzen.

Wo liegen Ihre Talente?
Ehrgeiz, Disziplin, Pragmatismus.

Gibt es auf Ihrem beruflichen Weg Mentoren?
Ja, ich hatte immer Unternehmer, die mich auf dem Weg vom Leistungssport in die Wirtschaft unterstützt haben. Ich denke, Mentoring ist grundsätzlich eine wichtige Sache, und bekommt man solche Angebote, sollte man sie auf alle Fälle nutzen.

Angenommen, wir könnten die Zeit zurückdrehen: Wo wären Sie gern länger geblieben? Wo wären Sie gern früher gegangen?
Ich wäre gerne noch ein paar Jahre 25 Jahre alt. Das ist im Sportlerleben ein super Alter. Hier könnte ich noch ein paar Olympische Spiele mitnehmen. Aber ansonsten bin ich sehr zufrieden, auch in neue Lebensabschnitte zu kommen.

Wie würden Sie Ihren Lebenslauf in drei Adjektiven umschreiben?
Unkonventionell, sportlich und nass.

Gab es Irrwege oder Sackgassen, in die Sie geraten sind?
Es gibt immer wieder Rückschläge und Momente, an denen ich reifen musste. Als Sportler kenne ich Niederlagen und weiß, wie ich mit diesen umgehen muss. Die gehören zum Reifen und persönlichen Wachsen dazu, denn ohne sie wird man nicht besser.

Welche zentralen Lehren aus Ausbildung und Studium haben Ihnen im Berufsleben weitergeholfen?
Das meiste habe ich durch den Sport gelernt, der eine Art Ausbildung war. Vor allem mit Blick auf das Erlernen von Soft Skills. Aus meinem Studium habe ich gewisse Tools mitnehmen können, aber die Soft Skills sind sicher die entscheidenden. Sie helfen mir nicht zuletzt bei der HR-Arbeit.

Welche Chance hat sich in Ihrer Karriere nie ergeben?
Das kann ich so nicht beantworten, denn ich hatte tatsächlich immer wieder verschiedene Chancen bis dato. Ich glaube, es ergibt sich immer etwas, wenn man sich dafür richtig einsetzt und mit offenen Augen durch das Leben geht.

Schauen wir in die Zukunft: Welche Stationen sollen in fünf oder zehn Jahren hinzugekommen sein?
Ich hoffe, weiterhin gesund zu bleiben, und dann ist sicher vieles möglich. Ich kann mir auch gut vorstellen, über HR hinaus langfristig Verantwortung zu übernehmen.

Info

Ist Redakteur der Personalwirtschaft und kümmert sich außerdem um die crossmediale Verbreitung der Inhalte. Seine Themenschwerpunkte sind Employer Branding, HR-Software sowie Betriebliches Gesundheitsmanagement.