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Barbara Hösli übernimmt CHRO-Rolle bei Odlo

Portait von Barbara Hösli
Als HR Director ist Barbara Hösli seit 72 Jahren die erste Frau im obersten Führungsgremium von Odlo. Foto: Odlo International AG

Personalwirtschaft: Warum sind Sie vor sechs Jahren zu Odlo gewechselt? Wo waren Sie vorher tätig?

Barbara Hösli: Als Sportenthusiastin bin ich im November 2012 aufgrund eines Hinweises aus meinem privaten Umfeld zu Odlo gestoßen. Meine Laufbahn begann nach dem Studium als Lehrerin. Später habe ich versucht, als Quereinsteigerin in die Bankenwelt zu gelangen. Die UBS AG bot mir die Chance, ohne Vorkenntnisse einen Job als HR-Assistentin zu übernehmen. Das war der Startschuss für meine HR-Karriere. Wichtig war es mir, verschiedene Branchen kennenzulernen. So ging die Reise von der Telekommunikation über den Handel hin zum Sport. Die Personalarbeit von der Pike auf lernen zu wollen, hat mich motiviert, neben dem Job weitere Ausbildungen zu absolvieren und den Master in Human Resources Management abzuschließen. In den großen Firmen konnte ich viel lernen, aber ich hatte irgendwann den Wunsch, in einer kleineren Firma zu arbeiten, wo ich mehr Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen konnte. Das habe ich bei Odlo gefunden.

Odlo erhielt ein komplett neues Managementteam mit flacheren Strukturen. Welche Herausforderungen sehen Sie für die Personalarbeit?

Mit der neuen Aufstellung wird die Revitalisierung der Marke Odlo als eine erstrebenswerte, internationale Premiumsportmarke fortgesetzt. Eine weitere Herausforderung birgt die Transformation
von einer traditionellen, stark winterabhängigen Sportunterwäschefirma
zu einer globalen, ganzjährigen Performance-Marke.
Die Personalarbeit hat sich dabei über die letzten Jahre stark verändert.
Mitarbeitende kommen aus aller Welt zu uns, jüngere
Generationen stellen andere Ansprüche an den Arbeitgeber und
die Komplexität unserer Firma mit eigenen Ländergesellschaften,
zwei eigenen Produktionsstandorten sowie einem großen Zentrallager
wird zunehmend anspruchsvoller aus einer Hand zu
steuern. Es ist nicht ganz einfach, Qualität, Nachhaltigkeit sowie
faire Arbeitsbedingungen in den Produktionsstandorten zu garantieren
und gleichzeitig wirtschaftlich zu bleiben.

Mit flachen Hierarchien
gewinnt das Team an Bedeutung. Die Eigeninitiative
jedes Einzelnen wird daher umso wichtiger.

Sie sind nach 72 Jahren die erste Frau im obersten Führungsgremium des Unternehmens. Welche Rolle spielt das für Sie?

Es ehrt mich, dass ich aus meinem beruflichen sowie privaten Umfeld sehr viel positives Feedback für meine neue Funktion erhalten habe. Die Reaktionen zeigen für mich eindeutig, dass es auch in unserer Branche mehr weibliche Vorbilder braucht. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass ich als Frau gewisse Themen oder Entscheidungen ganz anders angehe als meine männlichen Kollegen. Bereichernde und gewinnbringende Zusammenarbeit funktioniert nur, wenn verschiedene Ideen und Herangehensweisen vorhanden sind und diese auch berücksichtigt werden. Was aber noch viel wichtiger ist: Es macht Spaß, so zu arbeiten, weil man sich gegenseitig schätzt und respektiert. 

Sie führen mit “HR Professionals” zusätzlich mit Partnerinnen eine Personalberatungsagentur. Warum?

Mir persönlich ist es wichtig, dass ein Teil meiner Arbeit darin besteht, Wissen und Erfahrung an Menschen außerhalb der Organisation weiterzugeben. Genau das kann ich in der Beratungsrolle umsetzen. Ich schätze zudem den Input von außen, den ich wiederum gewinnbringend bei Odlo einbringen kann. Die Entwicklung junger Führungskräfte, das Implementieren von Development- und Talent-Programmen sowie Standortbestimmungen für Menschen um die 50 stehen zurzeit im Fokus meiner Arbeit. Ich bin überrascht, wie groß die Nachfrage vor allem bei jungen Menschen in Führungsrollen ist. Da müssten die Firmen in meinen Augen einen stärkeren Fokus setzen, damit Talente nachhaltig entwickelt werden. Auch bei Odlo werden wir hier stärker ansetzen und arbeiten müssen.

Was fasziniert Sie an der Personalarbeit bei Odlo am meisten?

Ich schätze wirklich sehr, dass die Personalarbeit als enorm wichtig eingestuft wird und somit auch ganz oben in der Organisation vertreten ist. Ich würde heute in keiner Unternehmung mehr arbeiten wollen, in der die HR-Rolle nicht auf oberster Stufe Einblick hat und somit gewinnbringend agieren kann. Ich finde es schade, dass es noch immer viele Unternehmen gibt, die diese Wichtigkeit nicht erkannt haben und die Personalarbeit nur auf administrative Aufgaben reduzieren. 


Dieses Interview ist in Ausgabe 11/2018 erschienen. Das aktuelle Heft können Sie jetzt schon in unserem › Archiv lesen. 

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.