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Willemsens Wucht

Und plötzlich steht da dieser Mann auf dem Podium, dessen rhetorische und intellektuelle Brillanz jeden mit zwei funktionstüchtigen Hirnhälften ausgestatteten Erwachsenen schlicht umhauen muss. Es ist müßig, wiederzugeben, was Roger Willemsen dem begeisterten Publikum gesagt, wie er argumentiert hat – es würde der Kraft seiner Darbietungen nicht gerecht werden.

Themenhüllen werden wieder mit Leben gefüllt

Es wäre viel zu kurz gegriffen, wenn man glaubte, Willemsens Vortrag sei ein bloßes intellektuelles Zubrot zum ganzen Businesstalk auf der Messe, ein kalkulierter Griff in die Kulturkiste gewesen. Der Clou ist vielmehr: Willemsen bespricht die gleichen Themen, die auf dem Messegelände an allen Ecken und Enden diskutiert werden – Stärkenorientierung, Persönlichkeitsentwicklung, Karriereplanung und so weiter -, Themen, die der Business-Sprech handhabbar gemacht hat. Themenhüllen, die jeder versteht und keiner mehr fühlt. Willemsen haucht diesen Hüllen wieder Leben ein, er gibt ihnen ihre Seele zurück.

Wenn der Personaler von “Flow” spricht, dann sagt Willemsen “Epiphanie”, dann spricht er von “diesen Momenten in denen wir vollkommen wirklich sind”, von der “augenblicksartigen Intensivierung des Lebensgefühls”. Und das alles in einem Tempo, das zum Mitdenken gerade noch reicht – Mitschreiben ist sinnlos.

Die Unbändigkeit der Seele

Ist es ja auch. Denn es geht ja um das Mit- und Weiter-Denken und eben nicht darum, Willemsen’sche Gedanken zu reproduzieren, zu vervielfältigen und bei Gelegenheit weltweit zu harmonisieren. Willemsen streitet für eine Unbändigkeit der Seele, für ein Ganz-bei-sich-sein des Individuums, für den Freiraum, für das echte Gefühl. Für die Hinterbänkler, für die Andersdenker, für die Echten, die Kantigen, die Klobigen. Willemsen streitet mit klarem Kopf und heißem Herzen, genau diese Kombination macht ihn aus. Es ist die Gleichzeitigkeit des Philosophierens und des Präzisierens, die Willemsen so einzigartig macht. Und zwar nicht etwa, weil er so präzise philosophierte – sondern weil er es versteht, über den philosophischen Exkurs zu präzisieren.

Man muss es so sagen: Wer Willemsen nicht erlebt hat, hat etwas verpasst.

Autor

Cliff Lehnen

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