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Deutschland erlebt Diskriminierung am Arbeitsplatz

Diskriminierung
Bild: pixabay

Arbeitgeber überbieten sich derzeit darin, sich mit ihrem Engagement für Vielfalt und Weltoffenheit in der Belegschaft zu brüsten. Zu wichtig ist dieser Aspekt für die Jobsuche geworden und zu groß die Angst, dringende benötigte Fachkräfte durch mangelnde Kompetenz in diesem Bereich abzuschrecken. Wie sieht aber die erlebte Realität von Berufstätigen in Deutschland aus? Erleben Sie Diskriminierung am Arbeitsplatz?

Die Job- und Recruiting-Plattform Glassdoor ist diesen Fragen mit der internationalen “Diversity & Inclusion Study 2019” nachgegangen, die Einblicke in alltäglich erlebte Diskriminierung bei der Arbeit in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den USA ermöglicht. Mehr als ein Drittel der befragten deutschen Berufstätigen gab an, bereits Diskriminierung am Arbeitsplatz selbst erfahren oder beobachtet zu haben. Die Umfrage wurde unter 645 deutschen Berufstätigen im Juli 2019 durchgeführt. Gleichzeitig förderte eine Analyse von Stellenanzeigen auf Glassdoor zu Tage, dass Arbeitgeber in Deutschland ihre Anstrengungen für Vielfalt und Inklusion im Vergleich zum Vorjahr um verstärkt haben, indem sie 79 Prozent mehr Jobs in diesem Bereich ausgeschrieben haben.

Benachteiligung aufgrund des Geschlechts mit 24 Prozent am häufigsten angegeben

37 Prozent der befragten Berufstätigen haben bereits in einer Form Diskriminierung am Arbeitsplatz selbst erfahren oder beobachtet. Nach spezifischen Formen der Benachteiligung gefragt, rangiert die Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes mit 24 Prozent an erster Stelle. Gefolgt von Altersdiskriminierung mit 22 Prozent, Rassismus mit 21 Prozent oder Benachteiligung aufgrund von sexueller Orientierung mit 15 Prozent. In allen Fällen wurden die Umfrageteilnehmer danach gefragt, ob sie diese Art der Diskriminierung bereits selbst am Arbeitsplatz selbst erfahren oder beobachtet haben.

Internationaler Vergleich: Deutsche Umfrageteilnehmer erleben seltener Diskriminierung

Auffällig ist, dass deutsche Berufstätige ihren Angaben zur Folge weitaus seltener Diskriminierung selbst erfahren oder beobachten. Sowohl übergreifend als auch bei den einzelnen Formen der Benachteiligung fallen die Werte bei deutschen Umfrageteilnehmern signifikant niedriger aus. Unter dem Strich liegen sie in allen Kategorien um circa 10 Prozent unter dem Durchschnitt der weiteren untersuchten Länder. Demnach machen beispielsweise die Befragten aus den USA tendenziell die stärksten Erfahrungen mit Diskriminierung. So werden Rassismus (42 Prozent vs. 21 Prozent) und Altersdiskriminierung (45 Prozent vs. 22 Prozent) laut der Umfrage doppelt so häufig in den USA erlebt oder beobachtet wie in Deutschland.

Fast die Hälfte der deutschen Befragten bescheinigt Arbeitgebern verstärktes Engagement

Eine mögliche Ursache für die im Vergleich niedriger ausfallenden Umfragewerte für Deutschland liefert die Befragung gleich mit: Viele Unternehmen in Deutschland sind von der Zusammensetzung ihrer Mitarbeiterschaft offenbar nicht so divers aufgestellt, dass Anlässe für offene Diskriminierung entstehen. Zwar geben 62 Prozent der deutschen Befragten an, dass sie bei einem Arbeitgeber arbeiten, der über eine diverse Belegschaft verfügt. Das heißt im Umkehrschluss allerdings auch, dass 38 Prozent der Berufstätigen in Betrieben arbeiten, in denen das nicht der Fall ist. Mehr als ein Drittel der Befragten arbeiten also in Unternehmen, deren Belegschaft tendenziell homogen zusammengesetzt ist. Der Anteil der Unternehmen, die vielfältig aufgestellt sind, liegt nach der Befragung deutlich unter dem internationalen Durchschnitt von 71 Prozent (vs. 62 Prozent).

Die Kernaussagen der Studie auf einen Blick

● 37 Prozent der Befragten haben bereits in einer Form Diskriminierung am Arbeitsplatz erlebt.
● Benachteiligung aufgrund des Geschlechts wird mit 24 Prozent am häufigsten angegeben, gefolgt von Altersdiskriminierung mit 22 Prozent und Rassismus mit 21 Prozent.
● Internationaler Vergleich: Umfrageteilnehmer aus den USA machen doppelt so häufig Erfahrungen mit Rassismus und Altersdiskriminierung wie die deutschen Befragten.
● Mögliche Ursache: Belegschaften in Deutschland sind laut der Umfrage tendenziell noch homogener als in den weiteren untersuchten Ländern.
● Fast die Hälfte der deutschen Befragten bescheinigt ihren Arbeitgebern verstärktes Engagement für Vielfalt und Inklusion in Unternehmen.

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