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Länger arbeiten soll attraktiver werden

Lohnt es sich angesichts der Abschläge, über das Rentenalter hinaus zu arbeiten? Ein neues Gesetz will bessere Bedingungen und mehr Flexibilität schaffen.
Bild (CCO): pexels.com
Lohnt es sich angesichts der Abschläge, über das Rentenalter hinaus zu arbeiten? Ein neues Gesetz will bessere Bedingungen und mehr Flexibilität schaffen.
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Erst abschlagsfreie Rente mit 63, also früheres Ausscheiden aus dem Erwerbsleben, nun sozusagen der Ausgleich: Ein neuer Gesetzentwurf der Koalition sieht vor, dass Schranken für ältere Menschen beseitigt werden, länger berufstätig zu sein. Der Entwurf, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, ist eine Formulierungshilfe von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) für die Koalitionsfraktionen.

Weniger Einbußen bei Teilzeitarbeit während Teilrente

Im Mittelpunkt der Flexi-Rente steht der Abbau von Hindernissen für eine vorgezogene Teilrente, die mit Teilzeitarbeit kombiniert wird. Wer mehr als 450 Euro hinzuverdient, für den greifen heute jeweils individuell berechnete feste Hinzuverdienstgrenzen. Dadurch verringert sich die Teilrente je nach Höhe auf ein Drittel, die Hälfte oder zwei Drittel der Vollrente. Die festen Grenzen sollen künftig entfallen. Wird eine Hinzuverdienstgrenze von 6.300 Euro pro Jahr überschritten, werden 40 Prozent des Betrages darüber von der Rente abgezogen. Ein Beispiel aus dem Entwurf: Bei einem Hinzuverdienst von 18.000 Euro pro Jahr liegt der die 6.300 Euro übersteigende Betrag bei 11.700 Euro. Das macht pro Monat 975 Euro; 40 Prozent davon sind 390 Euro, die dann von der Rente abgezogen werden.

Arbeit trotz Vollrentenbezugs soll sich mehr lohnen

Der Gesetzentwurf zur Flexi-Rente sieht auch vor, dass man höhere Renten erreichen kann, wenn man neben einer Vollrente noch arbeitet. Bisher zahlt in solchen Fällen der Arbeitgeber seinen Teil des Beitrags ein, ohne dass die Rente steigt. In Zukunft soll auch der Arbeitnehmer seinen Teil einzahlen können und beide Anteile sollen sich rentensteigernd auswirken. Außerdem sollen Menschen, die frühzeitig in Rente gehen, die Möglichkeit bekommen, die damit verbundenen Abschläge früher auszugleichen. Aktuell kann man ab 55 zusätzlich in die Rentenkasse einzahlen, das Alter soll nun auf 50 Jahre herabgesetzt werden.

Beitragspflicht für Arbeitgeber entfällt für fünf Jahre

Eine Neuerung für Arbeitgeber: Während sie heute weiter Beiträge an die Bundesagentur für Arbeit (BA) zahlen müssen, wenn sie Arbeitnehmer nach der Regelaltersgrenze beschäftigen, soll diese Beitragspflicht für fünf Jahre entfallen. Auf die BA kommen damit Beitragsausfälle von 79 bis 87 Millionen Euro jährlich zu. Die Rentenkassen werden durch das Gesetz im Jahr 2020 mit 30 Millionen Euro belastet sein. Damit Ältere fit für die Arbeitswelt bleiben, sollen Prävention und Reha gefördert werden, was die Rentenkassen allein mit 26 Millionen Euro pro Jahr belastet.

Kritik von Arbeitgebern, Gewerkschaften und Opposition

Der Arbeitgeberverband BDA kritisierte, dass die geplanten Änderungen keine spürbare Erleichterung für die Beschäftigung älterer Mitarbeiter bringen würde und bezeichnete die Pläne als mutlos. Gewerkschaften und Opposition kritisierten, dass für Arbeitnehmer in belastenden Berufen zu wenig getan würde. So müssten diese Beschäftigten schon vor dem 63. Lebensjahr flexibler aus dem Arbeitsleben aussteigen können. Auch sei es falsch, so DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach, wenn es für Arbeitgeber billiger werde, Menschen über 65 zu beschäftigen.

Für diesen Herbst plant Nahles ein umfassendes Rentenkonzept, das unter anderem eine Aufwertung von Kleinrenten unter dem Schlagwort Lebensleistungsrente beinhaltet.