Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Lästige Arbeitsgesetze

 Trotzdem ist er besser als jede “DreizeilenZusammenfassung”
aus dubiosen Internetquellen oder ExecSummaries
zum Thema.

Wer an dieser Stelle überlegt, was das KSchG ist, muss sich nicht
schämen. In personalwirtschaftlichen Studiengängen an Universitäten
oder Fachhochschulen, aber auch beim IHK-Personalfachwirt,
kommen Arbeitsgesetze recht stiefmütterlich vor. Da
sind Organisationsentwicklung oder International Employer
Branding doch viel schönere Themen.

Daher entsteht hin und wieder Verblüffung, wenn man erfährt,
dass die Einstellung, Betreuung und Entlassung von Personal
im gefühlt rechtsfreien Raum “Betrieb” geltenden Gesetzen
unterliegt. Das fängt an beim AGG, zieht sich über ArbZG,
ArbSchG, BetrVG, BUrlG, MiLoG, TVG und vielen weiteren Regelungen
bis hin zum TzBfG. Weil die aber so trocken sind, haben
die nicht viele Leser – und vortanzen oder auf Youtube stellen
kann man die nicht.

Dafür gibt’s Spezialisten. Wer als HRler die Rettung in der Einschaltung
eines Anwalts sieht, der ahnt nicht, dass bei der Juristenausbildung
an der Uni regulär etwa zwei Prozent der Ausbildungszeit
auf Arbeitsrecht entfallen. Auch der Arbeitsrichter
ist nicht zwingend Spezialist. Er wurde Richter wegen seiner
Supernoten im Jura-Examen. 

Daher gibt es Konstellationen, an denen sich das HR-Paradoxon
in voller Schönheit entfaltet: Da ist der HRler, der nicht so richtig
weiß, was Arbeitsrecht ist, aber irgendwas vermutet. Da
sind der Anwalt (Spezialist für Erbrecht), den der HRler für die
Firma “angemietet” hat, weil er ihm von einem Bekannten empfohlen
wurde, und ein Anwalt, der bei “Arbeitsvertrag” an Verträge
nach BGB denkt. Dann ist da noch der gekündigte Mitarbeiter,
der nichts mit Arbeitsrecht zu tun hat, zusammen mit
seinem Anwalt (Koryphäe für Agrarrecht). Und natürlich der
Arbeitsrichter, der im Studium keinen Schwerpunkt in Arbeitsgesetzen
hatte, aber mit erwähnt guten Noten nun zum vierten
Mal einen Gütetermin am Arbeitsgericht leitet.

Wer das erlebt hat, hat auf einmal viel Verständnis für kurioses
Rechtsverständnis von einigen HRlern. Wer das erlebt hat,
findet auch den Ansatz gut, solche Gerichtsverhandlungen im
Fernsehen zu übertragen. Zuletzt forderten das 2015 die Justizminister
der Länder. Beim Arbeitsgericht wäre das nämlich
ganz großes Kino. Auch Formate wie “Anwaltstausch” wären richtig
spannend. Der Unterhaltungswert steigt, je mehr Arbeitsrechtskenntnisse
der Zuschauer hat. Denn dann erkennt man
die fassungslos machenden Dramen und den unfreiwilligen
Humor solcher Veranstaltungen erst in voller Schönheit.

Wie suchen Sie Ihre Anwälte aus?
Schreiben Sie uns!