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Neidische Giftmischerin

Gruene Flüssigkeit
Bild: Antagain/istock

Vor allem vor wichtigen Terminen klagte diese aus für sie unerklärlichen Gründen über Gliederschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Schwindel und Bauchschmerzen. Eine Videoaufnahme brachte das Vergehen der Juristin, die in der staatlichen Verwaltung arbeitet, ans Licht. Sie wurde von einem Prager Gericht zu drei Jahren Haft und einer Entschädigungszahlung von rund 38 000 Euro wegen schwerer Körperverletzung verurteilt.

Die Vorgesetzte war gerade aus dem Mutterschutz zurückgekehrt, als sie im Mai 2013 erstmals über die Beschwerden klagte. Ihre Führungsposition wurde während ihrer Auszeit für sie freigehalten. Vermutlich lag hierin das Motiv für die schändliche Tat der 55 Jahre alten Věra Kubíčková: Missgunst und Neid auf die Kollegin. Ein zurate gezogener Arzt konnte zunächst jedoch keinerlei Erklärung für das heftige Unwohlsein finden. Das Leiden zog sich hin, bis das Opfer 2016 einen Verdacht schöpfte. Sie gab zwei Bekannten von dem Wasser aus ihrem Büro zu trinken, berichtet der tschechische Sender TV Nova – beide kämpften in der folgenden Nacht ebenfalls mit Darmproblemen.

Gerührt, nicht geschüttelt

Als daraufhin eine versteckte Kamera im Büro installiert wurde, war das Staunen groß: Kubíčková war dabei zu beobachten, wie sie Abführmittel ins Glas ihrer Chefin schüttete – in einer Dosis, die die empfohlene um den Faktor 13 überschritt. Anschließend rührte sie mit einem Kugelschreiber um, wie “Die Welt” am 29. Mai 2017 detailgenau zu schildern wusste. Die Chefin war am Boden zerstört, hatte sie das Verhältnis zur Missetäterin doch bisher als gut bewertet.

Die Angeklagte gab ihr Fehlverhalten weder zu noch zeigte sie Reue.

Psychologen attestierten ihr, anfällig für manipulatives Verhalten zu sein und eine histrionische Persönlichkeitsstörung zu haben. Sie konnten und wollten nicht ausschließen, dass Kubíčková in einer ähnlichen Situation künftig wieder passiv-aggressives Verhalten an den Tag legen würde.

Für das Gericht war das Anlass genug, die Haftstrafe von drei Jahren nicht zur Bewährung auszusetzen. Es hielt der Frau Gleichgültigkeit, Heimtücke und fehlende Empathie für ihre Vorgesetzte vor: “Sie ist scheinbar nicht in der Lage, sich in die Probleme des Opfers einzufühlen, und denkt eher an sich selbst als an sie”, zitiert die tschechische Zeitung Lidovky.cz Vladana Woratschová von der Strafkammer. Die Vermutung liege nahe, dass die Angeklagte selbst auf die Führungsrolle schielte und ihre unliebsame Konkurrenz ausschalten wollte. Dass die Kameras heimlich installiert worden waren und die Täterin nur einmal auf frischer Tat ertappt wurde, hielt das Gericht in Prag nicht für entscheidend.

Beim Prahlen verraten

Vergleichbares hat sich auch in Deutschland schon ereignet. Hier gilt nach § 224 Strafgesetzbuch, verkürzt ausgedrückt: Wer eine Körperverletzung durch Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen begeht, muss mit einer Freiheitsstrafe rechnen. 2010 wurde vier Mitarbeitern im bayerischen Eckental zur Last gelegt, einem Arbeitskollegen heimlich Abführmittel in die Cola gekippt zu haben. Dieser trank davon, erlitt Magenkrämpfe, brach nachts mit Kreislaufproblemen zusammen – und erwies sich hart im Nehmen, als er am nächsten Tag trotzdem wieder zur Arbeit erschien. Also kippten sie den Rest der Flasche in sein Getränk, sein Leiden wiederholte sich. Die Tat kam ans Licht, weil eine Angeklagte im Kollegenkreis damit prahlte.

Motiv war auch hier Neid: Das Opfer war der Haupttäterin bei der Besetzung einer Stelle als Leiter der Qualitätssicherung vorgezogen worden. In erster Instanz verurteilte das Amtsgericht Erlangen sie wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen zu einem Jahr und neun Monaten Haft. In der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth kam die Frau mit 19 Monaten auf Bewährung sowie 2000 Euro Entschädigung davon: Sie hatte zwischenzeitlich ein Geständnis abgelegt.

Autor: David Schahinian

Erschienen in Ausgabe 08/2017 der Personalwirtschaft (› hier bestellen und weitere spannende Inhalte genießen)

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