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Sollten Feiertage, die aufs Wochenende fallen, nachgeholt werden?

Die Briten und die Spanier (und noch einige andere Länder) machen es vor: Wenn dort ein Feiertag aufs Wochenende fällt, wird er am darauffolgenden Montag nachgeholt. Auch in Deutschland kommt die entsprechende Diskussion immer wieder auf. Erst in der vergangenen Woche schlugen Politiker von den Grünen und der Linkspartei eine entsprechende Regelung auch hierzulande vor. Das Timing kam nicht von ungefähr, fällt doch der nahende Tag der Arbeit am 1. Mai in diesem Jahr auf einen Sonntag. Damit ist er 2022 einer von drei von einer neuen Regelung potenziell betroffenen Feiertagen. In den vergangenen Jahren waren es noch deutlich mehr Feiertage, die den Arbeitnehmern „verlorengingen“.

Fragt man die Gesamtbevölkerung Deutschlands, die ja zu einem nicht geringen Teil aus Arbeitnehmern besteht, was sie von einem Nachholen des Feiertags halten würde, ist die Zustimmung wenig überraschend relativ groß. 59 Prozent fordern einen zusätzlichen freien Tag, 28 Prozent wünschen sich eine einmalige Sonderzahlung, sollten Feiertage auf einen Sonntag fallen. Das geht aus einer repräsentativen Appinio-Befragung unter 1.000 Deutschen im Auftrag von der Jobseite Indeed hervor. Dabei fordern Personen mit Kindern mit 54 Prozent seltener einen weiteren freien Tag als Kinderlose (62 Prozent). Im Hinblick auf die Einkommensgruppen steigt das Interesse nach einem arbeitsfreien Tag mit dem monatlichen Nettoeinkommen. Während 53 Prozent der Befragten mit geringem Einkommen (1000 bis 2000 Euro) einen freien Tag fordern, sind es bei den Erwerbstätigen mit einem Gehalt von über 4000 bis 5000 Euro 70 Prozent. Doch nicht nur Mitarbeitende beschäftigen sich mit dem Thema, sondern auch Arbeitgeber. Laut Angaben der Befragten haben 16 Prozent der Arbeitgeber selbst bereits über eine interne Regelung nachgedacht.

Iim vergangenen Jahr hatten sich in einer Yougov-Umfrage gut die Hälfte der Befragten für ein Nachholen ausgesprochen. 2016, als die Zahl der Wochenend-Feiertage auf dem gleichen Niveau lag wie in diesem Jahr, war es sogar nur ein Viertel.

Argumente für und gegen ein Nachholen

Was aber sind Argumente für und gegen ein Nachholen der Feiertage? „Der Staat sollte die Erwerbstätigen nicht durch zusätzliche Regelungen dazu anhalten, weniger zu arbeiten“, schreibt etwa Christoph Schröder vom Institut der deutschen Wirtschaft. Schließlich arbeiteten Arbeitnehmer hierzulande schon vergleichsweise wenig.

Ein Blick auf den gesetzlichen Urlaubsanspruch und die reine Zahl der Feiertage suggeriert zwar etwas anderes – dort liegt Deutschland ziemlich im Mittelfeld. Allerdings gibt es wohl nur wenige Beschäftigte hierzulande, die wirklich nur den gesetzlichen Urlaubsanspruch von 20 Tagen pro Jahr haben, der (tarif)vertraglich vereinbarte Anspruch liegt meist deutlich höher.

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Befürworter des Nachholens stellen eine in ihren Augen nötige Erholung ins Zentrum der Debatte. Durch den verlorengegangenen Feiertag fehle den Mitarbeitenden Zeit zur Regeneration. Zudem wird auch anhand der Debatten über flexible Arbeitsmodelle wie die Vier-Tage-Woche immer wieder deutlich, dass zumindest mancherorts das Montags-bis-Freitags-Modell ausgedient hat und eine Arbeitsreduktion gewünscht ist. Auch die Produktivität würde nicht darunter leiden. Laut der Indeed-Umfrage ist das Gegenteil der Fall: 77 Prozent der Deutschen würden von sich behaupten, dass sie in Wochen mit einem zusätzlichen freien Tag produktiver arbeiten.

Wie die Diskussion ausgehen wird, ist unklar. Relativ sicher ist nur: Auch 2023 wird das Thema wieder aufkommen. Dann fällt unter anderem Neujahr auf einen Sonntag.

Ist Chef vom Dienst der Personalwirtschaft Online und kümmert sich unter anderem um die Themenplanung der Webseite. Texte schreibt er vor allem über Themen aus den Bereichen Arbeitsrecht, Digitalisierung und dem Mittelstand.

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