Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Unter der Lupe: Mitsprache und Produktivität

Gibt es im Unternehmen einen Betriebsrat, so wirkt sich das auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit aus.
Bild: © Robert Kneschke/Fotolia.de
Gibt es im Unternehmen einen Betriebsrat, so wirkt sich das auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit aus.
Bild: © Robert Kneschke/Fotolia.de

Gründet sich in einem Unternehmen ein Betriebsrat, so ergibt sich zunächst ein negativer Effekt auf die Wertschöpfung: In den ersten zwei Jahren sinkt die Produktivität pro Mitarbeiter um 5,4 Prozent. Dann wendet sich jedoch das Blatt. Nach fünf Jahren zeichnet sich eine positive Wirkung ab und es kann ein “stetiger und substanzieller Zuwachs” nachgewiesen werden. 15 Jahre nach ihrer Gründung steigt die Produktivität des Betriebes sogar durchschnittlich um ein Viertel.

Das berichtet die Hans-Böckler-Stiftung in Ausgabe 18/2015 ihrer Publikation “Böckler Impuls” mit Bezug auf eine Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Für die Studie hatten die Wissenschaftler auf Datenbasis des IAB-Betriebspanels zu westdeutschen Unternehmen mit mindestens fünf Mitarbeitern aus den Jahren 1998 bis 2013 analysiert, wie sich die Produktivität der Belegschaft mit der Existenzdauer des Betriebsrats entwickelt.

Die Wirtschaftskraft nimmt zu, je länger ein Betriebsrat existiert

Laut der Untersuchung der Autoren Steffen Müller und Jens Stegmaier gibt es damit einen direkten Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein eines Betriebsrats und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines Unternehmens. Mitbestimmung wirkt sich danach nachhaltig positiv auf den Betriebserfolg aus. Andere Studien hätten es bisher oft unklar gelassen, was Huhn oder Ei ist, ob also ein Betriebsrat Unternehmen produktiver mache oder ob produktive Firmen eher einen Betriebsrat hätten.

Anlaufschwierigkeiten lassen sich überwinden

Dafür dass es in den Anfangsjahren nach Betriebsratsgründung erst zu negativen Effekten kommt, vermuten die Studienautoren verschiedene Ursachen: Ein möglicher Grund könne sein, dass sich Betriebsräte häufig in eher problematischen wirtschaftlichen Situationen aufstellen. In den untersuchten Unternehmen sei die Produktivität bereits vor der Einführung eines Betriebsrats tendenziell zurückgegangen. Auch seien zunächst Lernprozesse erforderlich: Betriebsräte müssten erst einmal Erfahrungen sammeln und sich beim Management Respekt verschaffen, was manchmal mit Konflikten behaftet sei. Außerdem benötige es eine gewisse Zeit, die Unternehmensstrategie in Richtung eines hochproduktiven Geschäftsmodells zu verändern.

Die Forscher kommen zu dem Fazit, dass betriebliche Mitbestimmung die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft stärkt, Betriebsräte aber nicht geeignet seien, um kurzfristig die Produktivität anzukurbeln.

Die Studie “The Dynamic Effects of Works Councils on Labor Productivity” steht zum > Download bereit.