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20 Prozent der Mütter reduzieren Arbeitszeit für Kinderbetreuung

Rund ein Fünftel der berufstätigen Mütter hat im Januar ihre Arbeitszeit reduziert, wohl vor allem, um sich um die Kinder zu kümmern. Im Vergleich dazu traten nur sechs Prozent der angestellten Väter auf der Arbeit kürzer. Das geht aus der regelmäßigen Erwerbspersonenbefragung der Hans-Böckler-Stiftung hervor.

Der Unterschied zwischen den Geschlechtern bei der Kinderbetreuung ist demnach im Laufe der Pandemie größer geworden. Hatten im April 2020 noch 24 Prozent der angestellten Mütter ihre Arbeitszeit reduziert, waren es bei den Vätern 16 Prozent. Das ergab eine Differenz von acht Prozentpunkten, die sich nun auf 13 Prozentpunkte erhöht hat. Dazu passt, dass sich Mütter tendenziell einer höheren Belastung ausgesetzt sehen, als Väter. 50 Prozent der Mütter machen sich Sorgen um die Gesamtsituation (Arbeits-, finanzielle und familiäre Lage), bei den Vätern tun das mit 40 Prozent deutlich weniger.

Die Zahlen sprechen dafür, dass sich die traditionellen Rollenbilder und daran geknüpfte Arbeitsverteilungen von Frauen und Männern wieder verstärkt haben. „Einige der Befunde deuten auf eine Retraditionalisierung hin“, sagt Studien-Koautor Dr. Andreas Hövermann. „Wie sehr dies jedoch der kurzfristigen, unzuverlässigen Betreuungssituation geschuldet ist, oder ob sich die Entwicklung verstetigen wird, gilt es zu beobachten.“

Mögliche Gründe

Die Differenz zwischen Müttern und Vätern hinsichtlich der Arbeitszeitreduzierung könne aber auch mit Blick auf die Kurzarbeit erklärt werden. „Dass sich während des ersten Lockdowns auch Väter stärker an der Kinderbetreuung beteiligt haben, ist sicherlich auch auf die damals verbreitete Kurzarbeit zurückzuführen“, sagt Hövermann.

Zahlen einer soeben veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) deuten allerdings darauf hin, dass der Effekt mitunter überschätzt wird. Denn im Mai 2020 waren den Daten zufolge mehr als 40 Prozent der Beschäftigten in Kurzarbeit Frauen gewesen –gegenüber 60 Prozent bei den Männern. „In der Covid-19-Pandemie waren viele Dienstleistungsbranchen mit traditionell hohem Frauenanteil ungewöhnlich stark betroffen, wie Gastronomie und Unterhaltung“, sagt IAB-Forscherin Hannah Illing. „Frauen arbeiten aber auch in Branchen, die kaum von Arbeitsausfall im Zuge der Pandemie beeinträchtigt wurden, wie dem Gesundheits- und Sozialwesen. Somit war der Arbeitsausfall wegen der unterschiedlichen Betroffenheit der verschiedenen Branchen während der Pandemie weitestgehend geschlechtsneutral.“

Auf Linkedin spekulieren HR-Expertinnen und -Experten, dass ein möglicher Grund für die ungleiche Verteilung der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen sein könnte. Denn Männer verdienen in Deutschland derzeit durchschnittlich 18 Prozent mehr als Frauen. Da bei der strategischen Familienversorgung eher der Partner bei der Arbeit kürzertritt, der weniger verdient, würden Frauen eher zu Hause bleiben und der Kinderbetreuung nachgehen.

Lebenszufriedenheit der Mütter gesunken

Die Kernerkenntnis der Hans-Böckler-Befragung bestätigt die IAB-Studie allerdings. Auch sie kommt zu dem Ergebnis, dass Mütter in der Pandemie durchschnittlich stärker belastet waren als Väter. Im Frühjahr 2020 stieg demnach die Zeit, die Mütter für Job, Pendeln, Kinderbetreuung und Haushalt aufbrachten, um acht Stunden pro Woche. Bei den Vätern waren es wöchentlich drei Stunden. Parallel sank die Lebenszufriedenheit der Mütter von Kindern bis zwölf Jahren stärker als bei allen anderen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten.

Was allerdings für eine erhöhte Beteiligung der Väter bei der Kinderbetreuung und im Haushalt sprechen könnte: Während die durchschnittliche Arbeitszeit der Frauen im September wieder auf ihr Vor-Pandemie-Niveau stieg, blieb sie bei den Männern etwas darunter.

Info

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.