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Acht von zehn Deutschen leiden unter Folgen von Stress im Job

Mitarbeiterin im Büro sitzt müde auf dem Stuhl und schließt die Augen
Müde im Job – Schlafstörungen sind eine der häufigsten Folgen von Stress am Arbeitsplatz.
Foto: © baranq/StockAdobe

Hierzulande geben 30 Prozent der Männer und 37 Prozent der Frauen an, dass sie sich im Job häufig oder immer unter Stress fühlen. Frauen nehmen Stress offenbar stärker wahr als ihre männlichen Kollegen: Jede fünfte (20 Prozent) sagt, dass allein der bloße Gedanke an den Arbeitsplatz bei ihr bereits Unwohlsein auslöst, während dies von den Männern rund jeder siebte (14 Prozent) angibt. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage von YouGov im Auftrag von > LinkedIn hervor, die den Umgang mit mentalem Wohlbefinden in deutschen Unternehmen untersucht hat. An der Befragung im März dieses Jahres nahmen 1056 fest angestellte Berufstätige teil.

Anspannung, Unruhe und Schlafstörungen sind die Hauptfolgen von Stress

82 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, dass sie Folgen von Folgen von Stress am Arbeitsplatz verspüren. Die häufigste Auswirkung ist Anspannung; 57 Prozent leiden daran. Es folgen Unruhe mit 44 Prozent und Schlafstörungen mit 40 Prozent. Auch hinsichtlich der Stressfolgen sind Frauen öfter betroffen als Männer. Darüber hinaus klagt fast jede dritte befragte Arbeitnehmerin (31 Prozent) über negative Auswirkungen durch Diskriminierung oder Mobbing im Job; von den Männern gab dies jeder fünfte (21 Prozent) zu Protokoll.

Weniger als die Hälfte der Unternehmen bietet Präventionsmaßnahmen an

Vier von zehn Umfrageteilnehmern sind der Ansicht, dass ihre Arbeitgeber sich zu wenig um das mentale Wohlbefinden der Mitarbeiter kümmern. So finden 42 Prozent der Angestellten, dass die Führungsebene hier Desinteresse zeigt. 40 Prozent der Befragten sagen, dass ihr Arbeitgeber keinerlei Präventionsmaßnahmen im Programm hat. Lediglich 21 Prozent der Arbeitnehmer geben an, dass in ihrem Unternehmen Angebote zur Stressbewältigung existieren. Auch haben nur 18 Prozent der Firmen nach Aussage der Befragten einen festen Ansprechpartner für Diskriminierung oder Mobbing und nicht mehr als elf Prozent der Unternehmen verfügen über einen festgeschriebenen Verhaltenskodex.

Psychische Probleme werden häufig noch tabuisiert

Als mögliche Erklärung für den Umgang mit den Folgen von Stress vermutet die Studie, dass diese Auswirkungen und andere psychische Probleme in Deutschland noch ein Tabuthema darstellen. Ein Drittel der Befragten (34 Prozent) sagt, mit Kollegen offen über ihr mentales Wohlbefinden sprechen zu können; ein Viertel (25 Prozent) kann dies dem Arbeitgeber gegenüber. Immerhin 17 Prozent haben beobachtet, dass Kollegen benachteiligt wurden, weil sie offen über psychische Krankheiten gesprochen haben.

Mitarbeiter sollten nicht das Gefühl haben müssen, dass es sich um ein Tabuthema handelt. Stattdessen sollten wir uns gegenseitig ermutigen, Probleme – etwa eine ungesunde Stressbelastung – klar anzusprechen,

sagt Jochen Doppelhammer, Country Manager und Leiter des Produktmanagement bei LinkedIn für den deutschsprachigen Raum. Er empfiehlt Arbeitgebern und Arbeitnehmern einen offeneren Umgang mit dem Thema mentale Gesundheit. Gezielte Präventionsmaßnahmen seien sehr wichtig, angefangen bei Ausgleichsmöglichkeiten über Beratungs- und Coaching-Angebote bis hin zu Sucht- und Mobbingprävention, so Doppelhammer.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.