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Agilität – mehr Schein als Sein?

Manager mit Zettel
So manches Unternehmen heftet sich das Etikett “agil” an, ist es aber kaum.
Foto: © photon_photo/Fotolia.de

16 Prozent der Führungskräfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz halten ihr Unternehmen für überdurchschnittlich agil, rund die Hälfte (52 Prozent) sagt, es sei immerhin etwas agil. Knapp ein Viertel (24 Prozent) ist der Meinung, ihr Unternehmen sei etwas weniger agil und vier Prozent sind der Ansicht, es sei unterdurchschnittlich agil. Bei den Mitarbeitern sehen 14 Prozent ihr Unternehmen als überdurchschnittlich agil an, 40 Prozent als etwas agil, 23 Prozent als etwas weniger agil und sechs Prozent als unterdurchschnittlich agil. Der Rest auf Manager- und Mitarbeiterseite sieht sich nicht in der Lage, dies zu beurteilen. Darüber hinaus gibt jeder zweite Mitarbeiter an, dass keine Maßnahmen zur Steigerung der Agilität in seinem Unternehmen umgesetzt werden. Das geht aus dem aktuellen Agilitätsbarometer hervor, das Haufe in Zusammenarbeit mit Promerit und unter wissenschaftlicher Begleitung von Heiko Weckmüller, Professor an der FOM Hochschule für Ökonomie und Management, erstellt hat. Für die Studie wurden 1000 Führungskräfte und 1800 Angestellte aus Unternehmen ab 100 Mitarbeitern in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt.

Agile Arbeitsweisen vor allem von Mitarbeitern kaum eingesetzt

Konkret danach gefragt, ob sie agile Methoden im Sinne von New Work einsetzen, antwortete lediglich knapp ein Drittel (30 Prozent) der Führungskräfte mit Ja. Davon gaben vier Prozent an, dies sei täglich oder immer der Fall, elf Prozent nannten einmal pro Woche oder oft, elf Prozent manchmal und vier Prozent selten. Von den Mitarbeitern sagten insgesamt nur zehn Prozent, dass sie agile Methoden nutzen. Die Mehrheit von 90 Prozent arbeitet nach wie vor sehr klassisch.

Unterschiedliche Methoden von Agilität sind wenig bekannt

Zudem zeigen die Studienergebnisse, dass der Begriff Agilität noch recht weit ausgelegt wird. So ist zum Beispiel die am häufigsten genannte Maßnahme zur Steigerung der Agilität die individuelle Gestaltung von Arbeitszeit und -ort. Auch sind einige agile Methoden weder den Managern noch der Belegschaft bekannt. So haben nur 18 Prozent der befragten Mitarbeiter und 42 Prozent der Führungskräfte bereits von Scrum gehört. Bei Methoden wie Design Thinking, Swarming, Holacracy und Fluide Struktur sieht es ähnlich aus.

Agilität ist jedoch mehr als flexible Arbeitsmodelle. Unternehmen müssen das Bewusstsein für agile Methoden noch viel stärker schärfen, wenn sie die Transformation in die neue Arbeitswelt erfolgreich gestalten möchten,

kommentiert Joachim Rotzinger, Geschäftsführer von Haufe, die Ergebnisse. Dazu brauche es vor allem einen kulturellen Wandel.

Nutzen agiler Methoden wird selten angezweifelt

Dass agile Methoden bislang wenig genutzt werden, liegt jedenfalls nicht an der Einstellung der Mitarbeiter und Führungskräfte. Die meisten Umfrageteilnehmer – ob Führungskräfte oder Mitarbeiter – sind der Meinung, dass die Effizienz und Effektivität der Arbeit durch die Nutzung agiler Methoden und Strukturen verbessert wird. Zudem halten 47 Prozent der Mitarbeiter und 64 Prozent der Führungskräfte die Einführung oder Ausweitung von agilen Strukturen oder Methoden in ihrem Unternehmen für sinnvoll. Als Vorteile von Agilität nannten die Befragten insbesondere schnellere Reaktionen auf veränderte Marktbedingungen, eine bessere Qualität der Ergebnisse sowie eine höhere Innovationskraft.

Die Studienergebnisse können > hier zum Download angefordert werden.