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Alternativen zum Auslandseinsatz

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Foto © Tryfonov / stock.adobe.com

Unter dem Überbegriff “Smart Mobility” lässt sich zusammenfassen, was die Mobility-Welt aktuell bewegt: Der Trend zur Flexibilisierung von Entsendemodellen ist weiter gewachsen, auch die Digitalisierung erhielt durch die Corona-Pandemie einen zusätzlichen Schub, und die entsendenden Unternehmen sehen sich mit verschiedensten compliancerelevanten Vorgaben konfrontiert. Hinzu kam im Jahresverlauf 2020 die Unsicherheit hinsichtlich der Brexit-Entwicklung.

Wandel in der Entsendepopulation: Kürzere und flexiblere Auslandseinsätze liegen im Trend

Fakt: Heute wird nicht mehr entsandt, heute wird commutet. Circa 53 Prozent der Befragten bestätigten, dass sich die Anzahl der Business Traveller in den letzten Jahren weiter erhöht hat, Short-Term-Entsendungen verzeichnen ein Plus von 32 Prozent, während 50 Prozent der Befragten angaben, dass klassische Long-Term- Entsendungen auf einem gleichbleibenden Stand seien und sich bei 39 Prozent aller Teilnehmenden sogar verringert haben.

Transfer: Neben den klassischen Entsenderichtlinien bedarf es auch Regelungen für Commuter, Business Traveller, grenzüberschreitendes Homeoffice und Remote Work. Für Unternehmen ist es wichtig, die Business Traveller identifizieren zu können und gesetzliche Vorgaben umzusetzen. Nur so können sich Unternehmen den compliancerelevanten Themen wie Posted-Workers- Directive-Registrierungen und Equal-Pay-Vorgaben sicher stellen.

Smart Mobility: Balance zwischen Compliance- Anforderungen und Wünschen nach Individualität sowie Nachhaltigkeit

Fakt: Compliance-Vorschriften und der Wunsch nach individueller Betreuung sowie nachhaltigem Verhalten steigen in gleichem Maße.

Transfer: Mitarbeitende fordern Optionen von umweltfreundlicher Mobilität wie Bike Leasing oder den Einsatz virtueller Meetings und benutzerfreundlicher technologischer Plattformen, gleichzeitig aber auch Regelungen, die auf ihre persönliche Situation individuell angepasst werden können. Die Frage, ob die physische Entsendung tatsächlich notwendig ist, muss geprüft und mögliche Alternativen sollen erwogen werden, um diesen Forderungen gerecht zu werden.

Immigration als strategischer Faktor bei Entsendungen und grenzüberschreitendem Recruiting

Fakt: Immigration steht als entscheidendes Kriterium bei jeder Entsendung auf dem Plan und nimmt zunehmend auch bei grenzüberschreitenden Einstellungen eine wichtige Rolle ein. Immigration gewinnt durch den zeitlichen Aspekt zusätzlich an Bedeutung, was bei einer Entsendung oder grenzüberschreitenden Einstellung berücksichtigt werden sollte. Die Bearbeitungsdauer der Einwanderungsbehörden und eine restriktive, sich abschottende Einwanderungspolitik haben in den letzten Jahren immer mehr zugenommen.

Transfer: Unternehmen müssen ihre Planung oder auch Strategie in den Bereichen Mobility- und Talent Management grundlegend überdenken. Bei grenzüberschreitendem Recruiting gilt es, das Thema Aufenthaltstitel bereits im Bewerbungsprozess zu beleuchten. Bei Entsendungen ist die Visa-Thematik als Ausgangspunkt zur Festlegung eines realistischen Starttermins zu wählen und alle Stakeholder einer Entsendung sind entsprechend zu informieren, um Erwartungshaltungen einen reellen Rahmen zu geben.

Unterstützung durch Technology und Datenschutz

Fakt: Die Entwicklung hin zur virtuellen Arbeitswelt schreitet voran. Sinnvoll ist daher die Unterstützung von Entsendeprozessen durch entsprechende Software- Lösungen, die allerdings bei 75 Prozent der befragten Unternehmen bisher noch nicht zum Einsatz kommen. 62 Prozent der befragten Unternehmen legen mehrheitlich Wert darauf, ihre Entsendedaten lediglich auf deutschen oder europäischen Servern zu speichern.

Transfer: Die Entsendeabteilungen sind in firmenseitige Digitalisierungsinitiativen und -prozesse miteinzubeziehen, um die Ablösung von singulären, nicht verbundenen Systemen hin zu ganzheitlichen Lösungen voranzutreiben, was zum Beispiel wiederholte Dateneintragungen vermeidet. Da es sich bei Entsendedaten um sensible persönliche Daten handelt, sind die Datenschutzbeauftragten des Unternehmens unbedingt einzubinden.

Der Brexit und Corona erfordern Anpassungsfähigkeit, prompte Reaktionen wie auch Krisenmanagement seitens der Unternehmen

Fakt: Sowohl der Brexit als auch Corona erwiesen sich für die Studienteilnehmenden als Faktoren, die zusätzliche Unsicherheit in die Planung von Entsendungen brachten. Etwa die Hälfte berichtete von Covid-19- bedingten Auswirkungen auf die laufende Entsendepraxis. Dennoch konnten die meisten Studienteilnehmenden bereits flexibel und kurzfristig reagieren, zum Beispiel durch Abstimmungen über einen Krisenrat oder ein Zurückstellen von nicht zwingend notwendigen Entsendungen und falls erforderlich auch Anpassung von zuvor gewählten Entsendearten, tendenziell hin zu kürzeren Einsätzen (insbesondere in Bezug auf Entsendungen nach Großbritannien).

Transfer: Mitarbeitende zeigen zum Teil eine geringere Reisebereitschaft und ein größeres Sicherheitsbedürfnis sowie einen stärkeren Wunsch nach Anbindung an die Heimatgesellschaft. Entsprechend der zuvor bereits genannten Trends können Unternehmen hier mit dem Ausbau von Remote Work, einem Homeoffice mit Auslandsbezug und dem verstärkten Anbieten von digitalen Lösungen und virtueller Zusammenarbeit diesen Wünschen nachkommen. Versetzungen werden sich auf Schlüsselpositionen beschränken und somit können die Einsätze von Personen für andere Tätigkeiten flexibler im Rahmen von Commuter Assignments oder einzelnen, gezielten Dienstreisen abgedeckt werden, die dann auf ihre steuerlichen, sozialversicherungsrechtlichen und sonstigen Mobility Compliance Aspekte geprüft werden müssen.

Mobility Service Provider der Zukunft: Komplett-Services aus einer Hand, Best Practice- Lösungen und klare Handlungsempfehlungen sind gefragt

Fakt: Die steigende Vernetzung der einzelnen Aspekte eines Auslandseinsatzes wird sich auch in der Beauftragung von Providern widerspiegeln. Unternehmen wünschen sich Mobility Provider, die einen ganzheitlichen Service aus einer Hand anbieten, um die Unternehmen schnell und flexibel unterstützen zu können, wie es die Reaktionen auf kurzfristige Änderungen von Compliance-Vorgaben oder auch Situationen wie Covid-19 oder Brexit erfordern.

Transfer: Der ideale Berater dient als Sparringspartner, der einen frischen Blick von außen einbringt, dabei auf Augenhöhe mit den Global Mobility-Verantwortlichen im Unternehmen agiert und neben einer zentralen Koordination aller erforderlichen Services Best Practice- Lösungen und klare Handlungsempfehlungen abgibt. Auch Berater folgen dem Trend zur Individualisierung der Entsendungen, indem trotz des zunehmenden Einsatzes von Technologie eine stärkere persönliche Betreuung sowohl des Entsandten als auch dessen Familie in den Fokus rücken.

Fazit: Die Entwicklung deutet darauf hin, dass Long- Term-Entsendungen zukünftig an Relevanz verlieren, Short-Term-Entsendungen, Commuter, Dienstreisen, aber auch Cafeteria-Modelle werden in den Vordergrund treten. Digitalisierung und Remote-Working- Strukturen sind bei den Entsandten gefragt und fördern das Eingehen auf die persönlichen Wünsche hinsichtlich Flexibilität und die Berücksichtigung der eigenen Lebenssituation der Mitarbeitenden und deren Familien. Diese Veränderungen werfen immer neue Fragen auf und stellen sowohl die Unternehmen als auch Mobility Service Provider vor neue Herausforderungen. Das Themengebiet Global Mobility wandelt sich – und behält gleichzeitig seine Relevanz als kraftvoller Unterstützer einer sich verändernden und immer stärker auf jeder Ebene vernetzten Arbeitswelt.

Über die Studie
Deloitte führte im Jahr 2020 eine Langzeitstudie zum Thema “Mobility
Trends” mit Fokus auf die Bedürfnisse und Wünsche von Unternehmen
speziell für den deutschen Markt in Hinblick auf grenzüberschreitende
Personaleinsätze durch. Die Datenerhebung der Studie fand in Form von
Interviews und einer Online-Befragung mit circa 100 Vertretern aus
unterschiedlich großen Unternehmen aller Branchen, die Mitarbeitende ins
Ausland entsenden, statt.

Von:
Michael Weiß, Director Global Employer Services, Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, München, micweiss@deloitte.de

Miriam Burghoff, Manager Global Employer Services, Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Düsseldorf, mburghoff@deloitte.de

Bilderstrecke: Alternativen zum Auslandseinsatz

Entsendemodelle müssen flexibler werden – eine Notwendigkeit, die sich durch die Corona- Pandemie noch verstärkt hat. Deloitte führte im Jahr 2020 eine Langzeitstudie zum Thema „Mobility Trends“ mit Fokus auf die Bedürfnisse und Wünsche von deutschen Unternehmen durch. Hier die Ergebnisse im Überblick.

Grafik: Deloitte

Smart Mobility – welche Trends und Entwicklungen werden das Verständnis von Global Mobility zukünftig beeinflussen?

Smart Mobility ist in vielen Unternehmen zwar noch kein etablierter Begriff, gewinnt aber mehr und mehr an Bedeutung. Flexibler, digitaler und nachhaltiger sollen die Entsendungen von Morgen aussehen.

Foto: Deloitte

Business Traveller
Über die Hälfte der Studienteilnehmenden gaben an, dass in den letzten Jahren eine deutliche Steigerung der internationalen Dienstreisen feststellbar war. Dennoch stellt die Identifizierung der tatsächlichen Population oft eine Herausforderung für die Unternehmen dar, solange keine zentrale Anlaufstelle vorhanden ist. Auch ist eine Regelung für die compliancekonforme Abwicklung von Dienstreisen oftmals noch zu spezifizieren.

Grafik: Deloitte

Smart Mobility & Nachhaltigkeit
Nachhaltige und flexible Nutzung der Ressourcen rücken in den Fokus der Unternehmen. Neben generellen Nachhaltigkeitsinitiativen wie Bike Leasing-Angeboten setzen Unternehmen im Bereich Global Mobility inzwischen vermehrt auf virtuelle Meetings und flexible, auch grenzüberschreitende Homeoffice Regelungen. Die Corona-Pandemie erweist sich als zusätzlicher Katalysator, der den Wusch nach einer Work-Life-Balance und Zeit mit der Familie weiter verstärkt. Well-Being der Belegschaft und die Option, flexibel und an die eigenen Lebensverhältnisse angepasst arbeiten zu können, wird zukünftig ein entscheidender Punkt für die Wahl des Arbeitgebers für Bewerber und Bewerberinnen sein.

Grafik: Deloitte

Immigration
Der oft unterschätze Aspekt der Immigration ist essentiell, um Mitarbeitende international einsetzen oder grenzüberschreitend einstellen zu können. Sich wandelnde Regularien sowie das globale Wetteifern um Fachkräfte erfordern von den Unternehmen neue Strategien für Mobility und Talent Management, welche immigrationsrechtliche und zeitliche Aspekte berücksichtigen.

Grafik: Deloitte

Digitalisierung
Die fortschreitende Digitalisierung eröffnet auch für Mobility-Abteilungen neue Möglichkeiten, Entsendungen abzuwickeln. Webbasierte, vollintegrierte Tools vereinfachen und beschleunigen Prozesse und tragen damit zu einer verbesserten Nutzererfahrung und schnellerem Wachstum bei. Mobility Fachabteilungen sollten daher in die Entwicklung von Tools und digitalen Prozessen unbedingt miteinbezogen werden.

Grafik: Deloitte

Homeoffice/Mobile Working
Bereits vor der Corona-Pandemie verfügten drei Viertel der Unternehmen über Richtlinien für Homeoffice/Mobile Working. Bedingt durch die Pandemie steigt das Bedürfnis der Belegschaft, diese Flexibilität auch über Ländergrenzen hinweg nutzen zu können, aktuell stärker und schneller an. Die Einhaltung aller einschlägigen Regelungen lässt entsprechend den Beratungsbedarf ansteigen.


Dieser Praxistransfer ist in der Hauptausgabe der Personalwirtschaft 03/2021 erschienen. Sie können ein Abo hier im › Shop bestellen