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Anpassungsdruck im Mittelstand steigt

Homeoffice, flexiblere Arbeitszeiten und Arbeiten in getrennten Teams sind die häufigsten Maßnahmen, mit denen Mittelständler in der Corona-Krise Störungen des Geschäftsbetriebs vermeiden wollen. Das zeigt eine Sondererhebung des KfW-Mittelstandspanels zeigt. Erstaunlich wenige wollen auch nach der Krise am Arbeiten von zu Hause festhalten.

Mit flexiblen Arbeitsmodellen versuchen viele Mittelständler die Krise zu überstehen.
Mit flexiblen Arbeitsmodellen wie Homeoffice versuchen viele Mittelständler die Krise zu überstehen. Foto: © fotogestoeber-adobe.stock.com

Insgesamt haben an der Erhebung rund 3.400 Unternehmen teilgenommen. Der Mittelstand hat den Ergebnisse zufolge zum einen mit Nachfragerückgängen, zum anderen mit Mitarbeiterausfällen aufgrund von Krankheit, Quarantäne oder Betreuungsengpässen in Kitas und Schulen zu kämpfen. Zudem stellen sie die Abstands- und Hygieneregeln vor organisatorische Herausforderungen. Als Gegenmaßnahmen nutzen 46 Prozent von ihnen verstärkt digitale Wege der Zusammenarbeit wie etwa Videokonferenzen. Um die Ansteckungsgefahr zu verringern, wird zudem in 41 Prozent der Unternehmen in getrennten Teams gearbeitet.

Allerdings schätzen die Mittelständler viele der Änderungen nur als vorübergehend ein. So glauben lediglich 15 Prozent, dass Homeoffice auch nach Corona eine stärkere Rolle in ihrem Unternehmen spielen wird. “Den Interessen der Beschäftigten steht das nicht unbedingt entgegen”, heißt es bei der > KfW weiter: 54 Prozent der Beschäftigten, die in den letzten Wochen im Homeoffice waren, wünschten sich, wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren zu können. Zu bedenken ist dabei auch, dass sich nicht jeder Mittelständler flexibel an die neue Situation anpassen kann. Insbesondere kleineren Betrieben fehlten dazu häufig die technischen Voraussetzungen.

Auch branchenspezifische Unterschiede wurden deutlich: Überraschend hoch war der Anteil von Unternehmen, die das Arbeiten von zu Hause in der Corona-Krise forcieren, im Verarbeitenden Gewerbe. Gemeinhin erfordern dort viele Tätigkeiten Präsenz und feste Produktionsabläufe. In der Forschung und Entwicklung oder im kaufmännischen Bereich aber beispielsweise nicht. Diese Mitarbeiter seien teilweise sogar verpflichtend ins Homeoffice geschickt worden, um das Ansteckungsrisiko für jene mit Anwesenheitspflicht so gering wie möglich zu halten.

Anfang Juni 2020 führte die KfW eine zweite repräsentative Sonderbefragung mit rund 3.000 Teilnehmern durch. Dieses Mal stand die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit im Mittelpunkt. Demnach erwarten die meisten Befragten eine Rückkehr zu voller Wirtschaftsaktivität nicht vor dem Frühjahr 2021. Bei jedem fünften Unternehmen reichen die liquiden Mittel jedoch nur noch für die nächsten vier Wochen, wenn sich an der derzeitigen Situation nichts ändert.

David Schahinian arbeitet als freier Journalist und schreibt regelmäßig arbeitsrechtliche Urteilsbesprechungen, Interviews und Fachbeiträge für die Personalwirtschaft.