Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Arbeitnehmer dafür, Arbeitgeber weniger

Für Mitarbeiter und Arbeitgeber ist
Für Mitarbeiter und Arbeitgeber ist “Mitbestimmung” meist positiv belegt. Wenn es aber um das Maß des Einflusses geht, scheiden sich die Geister.
Bild: © Daniel BerkmannFotolia.de

Arbeitnehmer sollten im Betrieb mitbestimmen – davon sind die meisten Berufstätigen in Deutschland überzeugt. Rund zwei Drittel (65 Prozent) finden, dass Mitarbeiter mindestens gleich viel Einfluss haben sollten wie Arbeitgeber. Der Aussage, dass Mitbestimmung falsch sei, stimmen nur 13 Prozent zu. Auch haben gut 67 Prozent positive Assoziationen zum Stichwort “Mitbestimmung”, wobei nicht unterschieden wurde zwischen betrieblicher Mitbestimmung und der Mitsprache in Aufsichtsräten. Bei “Betriebsrat” liegt der Anteil positiver Assoziationen bei knapp 69 Prozent. Das sind Ergebnisse einer Analyse von Prof. Dr. Werner Nienhüser, Esther Glück und Dr. Heiko Hoßfeld von der Universität Duisburg-Essen. Für die von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Untersuchung haben die Forscher rund 1.900 Arbeitnehmer und Arbeitgeber nach ihren Einstellungen zur Mitsprache am Arbeitsplatz gefragt. Neben Antworten auf direkte Fragen sollten die Teilnehmer auch Assoziationen zu Schlüsselbegriffen der Mitbestimmung nennen und bewerten.

Mitarbeitergruppen sind sich weitgehend einig

Die Befürworter der Mitbestimmung sind in fast allen untersuchten Mitarbeitergruppen in der Mehrheit, unabhängig von Qualifikation und Position. Unter Arbeitern und Angestellten liegt die Zustimmung zwischen 76 und 67 Prozent. Auch unter den leitenden Angestellten und selbst bei Selbständigen und Freiberuflern findet eine klare Mehrheit, dass die Arbeitnehmer gleich viel Einfluss haben sollten.

Arbeitgeber grundsätzlich aufgeschlossen, aber…

Auch die befragten Arbeitgeber äußerten überwiegend positive Assoziationen zu den Begriffen Mitbestimmung und Betriebsrat. Das zeigt, so die Autoren, dass sie grundsätzlich aufgeschlossen seien. Mitbestimmung der Arbeitnehmer sei im Denken der Mehrheit zu einer positiv bewerteten Institution geworden. Je mehr Erfahrungen die Menschen mit Mitbestimmung gemacht haben, desto positiver sei ihre Einstellung. Generell könnten sich Arbeitgeber also durchaus mit Mitbestimmung und Arbeitnehmervertretern arrangieren, nur dann nicht, wenn sie ihre Verfügungsrechte bedroht sähen.

Abgelehnt: gleich großer Einfluss der Belegschaft

Auf die Frage, ob Arbeitnehmer gleich viel Einfluss haben sollten, gibt es “eine deutliche Ablehnung” von Seiten der Arbeitgeber, die mindestens fünf Mitarbeiter beschäftigen und die damit betriebsratsfähig sind, schreiben die Wissenschaftler in Ausgabe 3/2016 der Fachzeitschrift > WSI-Mitteilungen. Nur ein Drittel dieser Unternehmen wünscht sich gleichberechtigte Beschäftigte. Es bestehe, sagen die Wissenschaftler, nach wie vor “Konfliktpotenzial zwischen einer machtvollen Minderheit, zu der vor allem die Arbeitgeber betriebsratsfähiger Betriebe gehören, und den in den anderen sozialen Gruppen zu findenden Mitbestimmungsbefürwortern”.