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Aufsichtsräte wollen mitgestalten, doch es fehlt an Zeit und Know-how

Ein Manager sitzt am Schreibtisch mit auffordender Geste
Aufsichtsräte würden inhaltlich gern mehr mitreden, doch zum Beispiel beim Thema Digitalisierung fehlt es oft an Know-how.
Foto (CCO): pexels.com

Aufsichtsräte wollen nicht nur kontrollieren, sondern sich stärker in die strategische Ausrichtung von Unternehmen einschalten. Die Digitalisierung stellt dabei für einen Großteil der Aufseher eine Heraus- forderung dar. Aber auch in anderen Bereichen fehlt es laut einer Studie an Ressourcen und Professionalität.

Viele Aufsichtsräte hierzulande sehen ihre Aufgabe nicht nur in der Kontrolle der Geschäftsleitung, sondern ebenso stark im eigenen Gestalten. In der aktuellen Unternehmenssituation beurteilt jeder zweite Aufseher beide Aufgabengebiete als sehr wichtig. Dem Wunsch, erfolgreich mitzugestalten, stellen sich jedoch Hindernisse
in den Weg. Viele Aufsichtsräte sind der Meinung, dass zu wenig Zeit für
strategische Formate zur Verfügung steht.

Zu wenig Digitalkompetenz in den eigenen Reihen

Derzeit beschäftigt der technologische Wandel die Wirtschaft, doch über 60 Prozent der Aufsichtsräte schätzen die Digitalkompetenzen in ihrem Gremium als gering oder zumindest eher gering ein. Außerdem kritisieren zwei Drittel der Aufseher, dass die Digitalisierung in ihren Sitzungen überhaupt zu wenig thematisiert wird. Dabei gehen die Aufsichtsräte von tiefgreifenden Veränderungen in ihren Branchen aus. Neun von zehn Aufsehern erwarten gravierende Umbrüche im Markt ihrer jeweiligen Unternehmen, jeder vierte rechnet schon kurzfristig mit diesen Veränderungen. Das zeigt die Studie “Aktiv mitgestalten statt nur kontrollieren – Wie sich Aufsichtsräte verändern müssen” der > Boston Consulting Group. Für die Untersuchung wurden 120 Aufsichtsräte von deutschen Unternehmen mit mehr als 500 Millionen Euro Umsatz befragt.

Um dem eigenen Gestaltungsanspruch in einem datengetriebenen, sich schnell ändernden Geschäftsumfeld gerecht zu werden, braucht es eine weitere Professionalisierung der Aufsichtsratsarbeit,

sagt BCG-Deutschlandchef Carsten Kratz. Diese sei erforderlich, um die zu erwartenden Veränderungen aktiv steuern zu können.

Aufseher bemängeln fehlende Ressourcen und unzureichende Strukturen

Die befragten Aufsichtsräte sehen außerdem Verbesserungspotenzial bei den Prozessen und Strukturen der Gremien. Mehr als jeder Zweite gibt an, dass keinerlei Weiterbildungsangebote genutzt werden. Fast jeder Dritte sagt, ihm würden für die Aufsichtsratsarbeit keine Ressourcen durch das Unternehmen zur Verfügung gestellt. Was die Informationsquellen betrifft, so stehen Berichte der Geschäftsführung und Gespräche mit ihr an erster Stelle. Zwar ist das Vertrauen in die Geschäftsleitung bei 86 Prozent der Aufsichtsräte hoch oder sehr hoch, dennoch hat das meist übliche Procedere zur Folge, dass externe Informationsquellen wie Marktstudien oder Kundengespräche nur auf den hinteren Plätzen der wichtigsten Informationsquellen rangieren. Auch die Ergebniskontrolle ist laut Studie verbesserungswürdig: Bei jedem zweiten Unternehmen wird die Effektivität der Zusammenarbeit nur durch informelle Besprechungen oder gar nicht überprüft.

Wege zur Professionalisierung der Aufsichtsratsarbeit

Um die Professionalisierung der Aufsichtsratstätigkeit an sich voranzutreiben, empfehlen die Studienautoren, Weiterbildungsmöglichkeiten auf- und auszubauen, die zur Verfügung stehenden Ressourcen zu erweitern und formelle Effizienzprüfungen einzuführen. Außerdem raten sie dazu, das Mitgliedsalter und die Mandatsdauer zu begrenzen. Derzeit wenden Aufsichtsräte für ihre Gremienarbeit durchschnittlich 34 Tage im Jahr auf. Das sei nebenberuflich nur noch schwer zu schaffen, so Kratz, daher seien in Zukunft mehr Berufsaufsichtsräte zu erwarten.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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