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Corona-Krise: Belastung der Arbeitnehmer nimmt ab

Im zweiten Jahr der Corona-Krise ist die Sorge der
Arbeitnehmer in Deutschland, ihren Job zu verlieren, zurückgegangen. Auch
empfinden sie ihre persönliche Situation aktuell weniger belastend als noch im
letzten Sommer, obwohl viele an Einkommen eingebüßt haben. Beschäftigten sehen
eine Gefahr.

Homeoffice mit Kinderbetreuung
Berufstätige Mütter sind in der Krise oftmals stärker belastet als die Väter. Foto: © nataliaderiabina-stock.adobe.com

Die Corona-Krise bringt jobbedingte, familiäre und finanziellen Belastungen mit sich. Nachdem die Besorgnis der Erwerbstätigen hierzulande vor allem im Winter-Lockdown stark zugenommen hatte, befindet sie sich derzeit wieder ungefähr auf dem gleichen Niveau wie im Sommer 2020. Allerdings sieht es bei der Kinderbetreuung so aus, als würden sich vorhandene Unterschiede zwischen Frauen und Männern noch festigen oder sogar verstärken.

Aktuell fühlt sich noch mehr als jeder Vierte stark belastet

Vom Frühjahr 2020 bis Mitte Juli dieses Jahres ließ die Böckler-Stiftung repräsentative Befragungen zur Situation der Arbeitnehmer durchführen. An der Umfrage nahmen 5047 Erwerbstätige und Arbeitsuchende in Deutschland teil. Danach fürchteten im letzten Winter 13 Prozent der Menschen hierzulande, wegen der Krise ihre Arbeit zu verlieren. Im Juli dieses Jahres ist dieser Anteil auf acht Prozent gesunken. Auch der Anteil der Erwerbstätigen, die ihre aktuelle Situation hinsichtlich des Jobs, der Familie und ihrer Finanzen als belastend empfinden, ist in den vergangenen Monaten wieder zurückgegangen. Allerdings sagte circa die Hälfte der Befragten (53 Prozent), Einbußen beim Haushaltseinkommen erlitten zu haben. Das betrifft vor allem Arbeitnehmer, die schon vor der Krise über ein niedrigeres Einkommen verfügten. Was die Gesamtsituation betrifft, so gaben im Januar 2021 noch 40 Prozent der Befragten an, sich stark oder äußerst stark belastet zu fühlen, während dieser Anteil im Juli auf 28 Prozent gesunken ist. Ihre familiäre Situation empfanden im Januar noch 28 Prozent der Menschen als stark oder äußerst stark belastend. Im Juli fanden das nur noch 19 Prozent der befragten Personen. Damit entspricht die derzeitige Wahrnehmung in etwa wieder der vom Sommer 2020.

Frauen und Alleinerziehende sind besonders gestresst

Dass sich das Belastungsgefühl wieder verringert hat, ist laut einer Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) darauf zurückzuführen, dass der letzte Lockdown und das durch Schulschließungen bedingte Homeschooling vor allem berufstätige Eltern stark forderte, insbesondere die Mütter und noch mehr die Alleinerziehenden – diese klagten am häufigsten über Belastungen. Dass sich Frauen mehr gestresst fühlten, erklärt sich dadurch, dass sie sich mehrheitlich um die Kinder kümmerten. Im Juli sagten gut zwei Drittel (69 Prozent) der Mütter, dass sie den überwiegenden Teil der Kinderbetreuung übernommen hatten – der höchste Wert, der seit dem Frühjahr 2020 ermittelt wurde. Von den befragten Vätern gaben dies nur sieben Prozent an. Weniger als ein Drittel der Eltern erledigten diese Aufgabe zu etwa gleichen Teilen.

Es zeichnet sich somit kein Trend ab, wonach Männer dauerhaft mehr Verantwortung für die Kinderbetreuung übernehmen. Die Hauptlast hier lag und liegt während der Krise bei den Frauen,

kommentiert Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI der Hans-Böckler-Stiftung, die Entwicklung. Der schon vor der Krise bestehende Unterschied zwischen Frauen und Männern scheine sogar gewachsen zu sein, so das WSI.

Auch haben mehr als doppelt so viele Mütter (13 Prozent) wie Väter (fünf Prozent) ihre Arbeitszeit wegen Kindern reduziert, was wiederum zu Einkommenseinbußen der Frauen führt. Allerdings bleiben auch die Männer nicht davon verschont, denn bei ihnen dürfte sich die Kurzarbeit, von der Anfang Juli insgesamt rund vier Prozent der Erwerbstätigen betroffen waren, stärker auswirken. Im letzten Monat lag die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in Deutschland bei knapp 36 Stunden und damit noch zwei Stunden niedriger als vor der Krise.

Seit Juli wieder weniger Arbeitnehmer im Homeoffice

Die Zahl der Menschen, die im Homeoffice arbeiten, liegt ungefähr auf dem Niveua vom Sommer 2020. Im Januar dieses Jahres betrug die Quote fast ein Viertel (24 Prozent), im Juli waren laut Befragung nur noch 15 Prozent ganz oder überwiegend von zu Hause aus tätig, auch weil die Homeoffice-Pflicht Ende Juni ausgelaufen war. Allerdings möchten 62 Prozent der Studienteilnehmer gern weiterhin im gleichen Umfang wie derzeit vom Homeoffice aus arbeiten – im Januar gaben dies erst 49 Prozent an. Dagegen will mehr als ein Viertel (27 Prozent) den Anteil reduzieren und jeder Neunte (elf Prozent) möchte künftig am liebsten gar nicht mehr von zu Hause aus arbeiten.

Menschen sorgen sich um Zusammenhalt der Gesellschaft

Obwohl die empfundene Belastung der Menschen heute etwas schwächer ausgeprägt ist als noch vor einem Jahr, hat die Unzufriedenheit mit dem Krisenmanagement der Politik zugenommen: 59 Prozent der im Juli Befragten gaben an, damit unzufrieden zu sein. Außerdem machen sich fast 90 Prozent der deutschen Arbeitnehmer Sorgen um den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft und befürchten eine steigende soziale Ungleichheit.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.