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Belegplatz-Kita: Was steckt hinter dem Konzept zur Kinderbetreuung?

Der Infrastruktur- und Energiedienstleister VSE AG erkannte bereits 2014 – wie viele andere Unternehmen auch –, dass eine familienfreundliche Kultur Mitarbeitende bindet und neue Talente anzieht. Um Beschäftigte mit jungen Kindern bestmöglich zu unterstützen, wollte der Mittelständler aus Saarbrücken eine Kinderbetreuung anbieten. Doch dafür einen eigenen Betriebskindergarten zu gründen, kam für die VSE AG nicht infrage. Dafür sei der Dienstleister mit seinen knapp 300 Mitarbeitenden am Standort und deren Bedarf an Betreuungsplätzen zu klein. Die Lösung: Das Unternehmen gründete, gemeinsam mit dem Kita-Anbieter Impuls Soziales Management aus Kassel, im August 2014 eine Belegplatz-Kita, in der auch andere Arbeitgeber für ihre Mitarbeitenden Plätze erwerben können.

Hierbei kauft der Arbeitgeber eine bestimmte Anzahl an Betreuungsplätzen ein, die den Kindern seiner Mitarbeitenden zur Verfügung gestellt werden. „Das Belegplatzmodell bildet unsere Bedarfe passgenauer ab, als eine eigene Betriebskita“, sagt Harry Moser, Leiter Unternehmensentwicklung und Personal bei der VSE AG. „Eine Kita wäre für uns schlichtweg ,zu groß‘ gewesen.“ Um eine solche zu betreiben, hätte das Personalteam des Energiedienstleisters zudem viel Know-how aufbauen und viel Zeit einplanen müssen, die nicht zur Verfügung stand.

Bedarfsanalyse ständig anpassen

Wissen sammeln mussten Moser und sein Team dennoch, wenn auch nicht über Kinderbetreuung, sondern darüber, wie hoch der Bedarf nach Kitaplätzen innerhalb der Belegschaft ist. „Wir haben anfangs erstmal eine demografische Analyse und eine Umfrage in der Belegschaft durchgeführt, um zu wissen, wie viele Plätze wir in der nahen Zukunft benötigen“, sagt HR-Leiter Moser. Die Belegplatz-Kita „Meine Villa“ wurde in Saarbrücken gegründet. Und das nicht nur für die VSE AG, sondern auch für andere Unternehmen und Privatpersonen. Sie liegt etwa 50 Meter von der VSE-Hauptverwaltung entfernt.

In der Belegplatz-Kita gibt es derzeit vier Gruppen mit insgesamt 72 Plätzen, darunter 22 für Kinder unter drei Jahren. Sie werden während ausgedehnter Öffnungszeiten (von 7:30 bis 17:30 Uhr) betreut, wobei die Einrichtung jährlich an lediglich elf Tage geschlossen hat. Die Hälfte der Platzkapazitäten sind Belegplätze, die sich die VSE AG mit Anwaltskanzleien, Gastronomen und dem Max-Planck-Institut teilt. Die Planung der Plätze habe gut funktioniert: „Unsere Einschätzung durch die Befragung stellte sich für die ersten Jahre als sehr genau heraus“, sagt Moser. Irgendwann brauchte man aber mehr Belegplätze und stockte so mit dem Wachstum des Unternehmens stetig auf – was recht flexibel möglich war.

Wie viele neue Plätze hinzugekauft werden, sei aber auch immer eine Kostenfrage. Während Eltern die üblichen Kita-Beiträge für einen Platz bezahlen, bezahlt die VSE AG zusätzlich eine Belegplatzgebühr – wie viel wollte sie nicht verraten – an an den Anbieter. Damit trägt das Unternehmen zur Finanzierung der Kita bei. Dennoch sei die Kooperation mit einer Belegplatz-Kita und anderen Unternehmen günstiger für VSE als der Betrieb einer unternehmensinternen Betreuungsstätte. „Es ist uns trotzdem nicht immer möglich, der Nachfrage aus dem Kreis der Mitarbeitenden gerecht zu werden“, gesteht Moser. Derzeit verfügt der Energiedienstleister über 21 Belegplätze in der Kita „Meine Villa“.

Platzvergabe nach festen Kriterien

Diese 21 Plätze werden nach festgelegten Kriterien an Mitarbeitende verteilt. „Dafür haben wir klare Regeln vereinbart“, sagt der Personalleiter. Demnach werden die Plätze grundsätzlich in der Reihenfolge der Anmeldung vergeben. Daneben werden Anfragen von Beschäftigten bevorzugt genehmigt, deren Kinder eine Schwerbehinderung haben, die von Härtefällen wie dem Tod eines Elternteils betroffen sind oder die Mehrlinge beziehungsweise bereits Geschwisterkinder in der Kita haben. Treffen diese Aspekte auf mehrere Mitarbeitende zu, werde per Los entschieden, wer den Kitaplatz bekommt.

Wie Anbieter und VSE betonen, sei die Belegplatz-Kita eine Ergänzung zur kommunalen Betreuung. Unternehmen, die Belegplätze kaufen, würden anderen Eltern und deren Kindern keine dringend benötigten Kitaplätze wegnehmen. Zudem sei die Hälfte der Plätze öffentlich und würde an Kinder aus der Stadt Saarbrücken vergeben.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.

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