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Beschäftigungsausblick für das dritte Quartal auf Zehnjahrestief

Chart mit abffallender Kurve und Coronavirus-Symbolen
Die Beschäftigungsaussichten der Arbeitgeber für das dritte Quartal erreichen wegen Corona einen neuen Minusrekord seit 2010.
Foto: © Tak-stock.adobe.com

Für das dritte Quartal 2020 liegt der Beschäftigungsausblick aus Sicht der Arbeitgeber hierzulande nur bei plus einem Prozent – das ist ein Rekord-Minus von elf Prozent gegenüber dem zweiten Quartal. Der saisonbereinigte Beschäftigungs- ausblick für große Firmen liegt sogar bei minus zwei Prozent. Bei der Befragung im Januar spielte Corona noch keine Rolle.

Größenübergreifend planen neun Prozent der Unternehmen für das dritte Quartal weniger Personal ein. Unmittelbar vor der Krise im Vorquartal waren es lediglich drei Prozent, ebenso wie im dritten Quartal 2019. Nur noch elf Prozent der Arbeitgeber haben vor, zwischen Juli und September Mitarbeiter einzustellen. Im zweiten Quartal waren es noch 18 Prozent und vor einem Jahr 17 Prozent. Mit 72 Prozent erwartet die Mehrheit der Firmen keine Veränderungen bei der Belegschaft. Von den Betrieben ab 250 Mitarbeiter hat ein Fünftel den Abbau von Arbeitsplätzen ins Auge gefasst, ebenso viele wollen neues Personal einstellen – im zweiten Quartal wollte noch fast ein Drittel (30 Prozent) die Belegschaft aufstocken. Für das aktuelle Arbeitsmarktbarometer befragte die ManpowerGroup im April mehr als 34 000 Arbeitgeber in 43, davon in Deutschland 531.

Die Stimmung ist nur noch in ganz wenigen Wirtschaftszweigen, wie Logistik-Industrie, IT-Branche und Gesundheitswesen überhaupt positiv. Dass aber trotz des Corona-Schocks vier von fünf Unternehmen keine Veränderungen beim Personalbedarf erwarten oder noch gar nichts über ihre Planung sagen können, zeigt, dass vor allem Verunsicherung und Vorsicht herrschen,

sagt Angela Olsen, Vorsitzende der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland.

Einstellungsbereitschaft in Gastgewerbe und Finanzbranche am niedrigsten

Den größten Einbruch verzeichnet das Gastgewerbe. Aufgrund der erzwungenen Schließungen von Hotels und Restaurants fällt der Beschäftigungsausblick für das nächste Quartal auf minus 16 Prozent; das entspricht 29 Prozent weniger als im Vorquartal und ist der niedrigste Wert seit 2003. Die Einstellungsbereitschaft der Finanzbranche fiel von 22 auf fünf Prozent – der zweitgrößte Einbruch im Branchenvergleich. In der Bauwirtschaft sieht die Stimmung mit einem Beschäftigungsausblick von sechs Prozent noch passabel aus, allerdings lag sie im Vorquartal noch um 14 Prozent höher. In der Industrie sinkt der Wert um elf Prozent und kommt damit in den negativen Bereich von minus drei Prozent. Das ist der schlechteste Wert seit zehn Jahren.

Von der Krise profitierten vor allem Groß- und Einzelhändler

Über alle Branchen hinweg mussten im Schnitt sieben Prozent der Unternehmen mussten ihr Tagesgeschäft aufgrund des Lockdowns vorübergehend einstellen. 40 Prozent sahen ihr Unternehmen zum Befragungszeitpunkt nicht von der Krise betroffen und fünf Prozent verzeichneten sogar Geschäftszuwächse, dabei handelte es bei fast der Hälfte um Hälfte Groß- und Einzelhändler.

Gemischte Prognose für die Zeit nach der Corona-Krise

Wie sieht der Arbeitsmarkt aus Sicht der Unternehmen in einem Jahr aus? Fast die Hälfte der befragten Arbeitgeber hofft, dann bei den Neueinstellungen wieder auf dem Niveau vor Corona zu sein. Ein Fünftel der Firmen rechnet damit, beim Personalbedarf nicht mehr auf das Level vor der Krise zurückzukehren. Ein Viertel der Unternehmen konnte noch keine Einschätzung abgeben.

Detaillierte Ergebnisse des Arbeitsmarktbarometers gibt es > hier.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.