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HR und Unternehmenskommunikation rücken näher zusammen

In den vergangenen Monaten sind HR und die Unternehmenskommunikation in vielen Fällen  enger zusammengerückt. (Foto: Adobe Stock).
In den vergangenen Monaten sind HR und die Unternehmenskommunikation in vielen Fällen enger zusammengerückt. (Foto: Adobe Stock).

Die interne Kommunikation handelt größtenteils von HR und wird deshalb auch von Personalerinnen und Personalern mitverantwortet. Offiziell liegt die Zuständigkeit dafür in vielen Unternehmen bei der Unternehmenskommunikation (UK). Das Problem: Die UK und HR sind oftmals voneinander abgegrenzt. “Es gibt in vielen Unternehmen wenig Vernetzung zwischen HR und der UK”, sagt die selbstständige Personal- und Organisationsentwicklerin Katharina Schleeberger. Durch die Corona-Pandemie und eine Aufwertung der internen Kommunikation kommen sich die beiden Abteilungen aber langsam näher.

“Corona hat als Katalysator gewirkt”, hat auch Patrick Maloney, Managing Director bei Finsbury Glover Hering, beobachtet. Der Kommunikationsberater hatte zuvor in der Unternehmenskommunikation wie auch in der Personalabteilung gearbeitet. Auf der einen Seite habe HR gemerkt, wie wichtig es für sie ist, gute Kommunikationskompetenzen zu haben. Auf der anderen Seite sei der Kommunikationsabteilung bewusst geworden, wie essenziell es ist, dass Mitarbeitende mit Informationen von der Personalabteilung versorgt werden. “Die interne Kommunikation wurde stark aufgewertet. UK und HR haben sich vielerorts zusammengerauft, ihre Kompetenzen gebündelt und sich besser abgestimmt”, sagt Maloney.

Es gab eine intensive und bemerkenswert reibungslose Zusammenarbeit.

Denn in der Krisenzeit kann auch die Kommunikation von Schutzmaßnahmen ausschlaggebend dafür sein, ob sich eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter infiziert. Um dies zu vermeiden, wurde in zahlreichen Unternehmen ein Krisenstab gebildet – in dem Personalerinnen und Personaler sowie Mitglieder der UK eine zentrale Rolle innehatten. “Hier gab es eine sehr intensive und bemerkenswert reibungslose Zusammenarbeit”, sagt Sabine Brand, die die Unternehmenskommunikation beim IT-Unternehmen Bechtle leitet. “Das lag zum einen an der Anerkennung der jeweiligen Kompetenzen, zum anderen an persönlichen Sympathien.”

Neue Schnittstellenpositionen

Bereits zuvor hatte Bechtle begonnen, die Zusammenarbeit der beiden Abteilungen gezielt zu stärken. Es wurden zwei Schnittstellenpositionen mit dem Titel HR-Specialist Kommunikation eingeführt. “Sie gehören disziplinarisch zu HR, aber ebenso zum Team der Unternehmenskommunikation, nehmen an Teammeetings teil und haben ihren Arbeitsplatz wahlweise im Büro der UK oder von HR”, sagt Brand. “Dadurch ist eine Nähe entstanden, ein kontinuierlicher und natürlicher Kommunikationsfluss und ein gegenseitiges Inspirieren bei Themen und Trends.”

Dadurch kann ich schneller relevante Informationen für die Arbeitgeberkommunikation identifizieren.

Beide Abteilungen hätten auf diesem Weg viel voneinander gelernt, wie Jana Kühnel berichtet. Als HR-Specialist Kommunikation bei Bechtle arbeitet sie häufig mit Sabine Brand und ihrem Team zusammen. “In dieser Funktion plane und führe ich Kommunikationsmaßnahmen zu Bechtle als Arbeitgeber durch – intern sowie extern”, beschreibt Kühnel ihren Job auf der Schnittstellenposition zwischen HR und der UK. Dabei ist sie vor allem für das Employer Branding, aber auch die Adressierung und Einbindung von Mitarbeitenden verantwortlich. “Durch meinen kontinuierlichen Kontakt zu HR und der UK kann ich schneller relevante Informationen für die Arbeitgeberkommunikation identifizieren, aber auch auf die Expertise beider Abteilungen zurückgreifen”, sagt Kühnel.

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Die UK habe dabei das Know-how, was die Verwendung von Kommunikationskanälen und -formaten angehe, HR das Wissen zu Personalprozessen. Gerade auch im “War for Talents” seien diese beiden Expertisen wichtig. “Durch Storytelling entlang der Candidate und Employee Experience können wir Talente finden und halten – dafür ist ein Kommunikationsprofi von Vorteil.” Die Arbeitgebermarke könne nur durch eine enge Zusammenarbeit von HR und der UK gestärkt werden. Diese Erkenntnis wirkt sich auch intern aus: “Die gemeinsame Arbeit an der Markenentwicklung war ein großer Schritt hin zu mehr Kooperation zwischen den beiden Abteilungen”, sagt Bechtle-Pressesprecherin Brand.

Eigene Sichtweise erklären

Berater Patrick Maloney rät Personalerinnen und Personaler zudem, von der UK zu lernen, wie man sich in seiner Funktion erfolgreich positioniert und Nähe zu den Mitarbeitenden herstellt – etwa durch einen Stand in der Kantine (wenn die Corona-Regeln das wieder erlauben) oder virtuelle Veranstaltungen wie beispielsweise einen HR-Tag. “Es geht darum, wichtigen Stakeholdern von HR,  Einblicke in die Personalarbeit zu geben, Entscheidungen transparent zu machen und bestenfalls zur Mitwirkung einzuladen”, sagt Maloney. Auf die Erklärungen ist die UK in Zukunft noch stärker angewiesen. Denn klassische HR-Themen erhalten immer mehr Aufmerksamkeit. New Work, Diversity und Talentgewinnung sind nur drei davon. Es spricht deshalb viel für ein Zusammenrücken von HR und UK.

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Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.