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Beziehungsprobleme kosten Unternehmen viel Geld

, die zur Arbeitsunfähigkeit führen kann.
 
Während Beziehungsprobleme vor drei Jahren noch ein Viertel aller Anfragen von Mitarbeitern und Führungskräften ausmachte, drehte sich 2015 bereits rund ein Drittel aller Beratungsanlässe (31 Prozent) um dieses Thema. Noch nicht berücksichtigt sind mit dieser Zahl diejenigen Fälle, bei denen sich Paar- und Beziehungsprobleme aus anderen beruflichen, gesundheitlichen und persönlichen Anliegen ergaben. Das zeigen die Ergebnisse der Jahresauswertung des Fürstenbergs Instituts, das 2015 mehr als 6200 Ratsuchende im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements beraten hat. Vor dem Hintergrund, dass in den Erhebungen der Fehlzeiten-Reports  psychische Belastungen ganz oben in der Rangliste stehen, kommt diesem Thema eine besondere Bedeutung zu.

Beratungsfälle mit Beziehungsproblemen sind besonders komplex, schwerwiegend sowie beratungsintensiv und lassen sich oft nicht so problemlos und schnell lösen wie andere Beratungsanliegen

fasst Reinhild Fürstenberg, Geschäftsführerin des Fürstenberg Instituts zusammen.

Der Belastungsgrad der Klienten ist sehr hoch und ihre Arbeitsleistung ist beeinträchtigt bis hin zu einer akuten Krise der Mitarbeiter, die auch zur Arbeitsunfähigkeit  führen kann. So kommt es insbesondere bei Trennungsfällen häufig vor, dass Menschen in ein tiefes, seelisches Loch fallen und in dieser depressiven Phase ihr gesamtes Leben in Frage stellen.

Seelisches Ungleichgewicht

Professor Dr. Gerald Hüther, Hirnforscher und Neurobiologe an der Universität Göttingen, findet das Ergebnis der Fürstenberg-Analyse keineswegs erstaunlich. “Menschen machen ihre wichtigsten Erfahrungen immer in der Beziehung zu anderen. Nichts tut so weh, wie deren Ablehnung und Abwertung, und nichts ist so beglückend wie die Anerkennung und Wertschätzung, die andere Personen schenken.” Die biologische Grundlage dafür sei ein besonderer Zustand, der sich im Gehirn einstellt. Beim positiven Erleben entsteht eine Kohärenz, die sich dadurch auszeichnet,  dass alle neurobiologischen Abläufe optimal zusammenpassen und viel Energie frei wird. Im umgekehrten Fall führt die Belastung zum persönlichen Kraftakt und damit auch zu Problemen im Job.
Die Kostendimensionen für Unternehmen zum Beispiel durch ineffizientes Arbeiten, weil der Kopf nicht frei ist, oder aufgrund von Fehlern, die durch Unkonzentriertheit am Arbeitsplatz entstehen, sowie dazu die Fehlzeiten, in denen betroffener Mitarbeiter aufgrund von Beziehungsproblemen gänzlich arbeitsunfähig ist, lassen sich nicht genau beziffern. Hüther, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Fürstenberg Instituts fragt sich, “wie es in Unternehmen und Organisationen bisher gelungen ist, diesen einfachen Zusammenhang zu übersehen.”

Warum mehr Beziehungsstress?

Heutzutage ist es nahezu der Normalfall, dass bei Paaren mit Kindern beide Partner berufstätig sind. Reibungspunkte entstehen beispielweise bei Alltagsorganisation. Auch haben sich die Prioritäten hinsichtlich der Karriere- und Leistungsorientierung verschoben. Es fehlt Zeit, um sich um die Beziehung, die Kinder und den Partner zu kümmern. Hinzu kommen die steigenden Anforderungen im Beruf, auch an die Flexibilität von Mitarbeitern, durch die auch Paarbeziehungen heute mehr belastet sind.
Auf die Frage, wie sich Beziehungsprobleme am Arbeitsplatz auswirken, geben Führungskräfte aus Unternehmen vielfältige Antworten: Betroffene Mitarbeiter zeigen Erschöpfungssymptome, sind krankheitsanfälliger, die Konzentration leidet bis hin zur Fehlerentstehung. Der Mitarbeiter wird während der Arbeit unterbrochen durch private Telefonate mit Partner oder Freunden. Oft wird die Problematik im Büro breit getreten, was wiederum andere Kollegen involviert und ebenfalls von der Arbeit abhält. Der Mitarbeiter zeigt weniger Engagement, ist nicht gut drauf oder gereizt, was sich oft auch negativ auf die Kollegen, das Team sowie das Arbeitsklima im gesamten Büro auswirkt. Auch zeigt sich die Anspannung im Verhalten gegenüber Kunden.

Was Führungskräfte tun können

Die Unternehmen sind nicht verantwortlich für die Belastungen auf privater Ebene, jedoch sind sie massiv von deren Auswirkungen betroffen, zum Beispiel durch Ausfallkosten aufgrund von Fehlzeiten oder verminderter Leistungsfähigkeit, was wiederum konkreten Handlungsbedarf auslöst. Führungskräfte wissen oft nicht, wie sie mit diesen persönlichen Problemstellungen umgehen sollen. Ihre Aufgabe sei es sicher nicht, die privaten Probleme zu lösen, “jedoch sollten sie sich im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht einschalten, wenn sie beobachten, dass Beschäftigte damit ihrer Gesundheit und letztlich auch dem Betrieb schaden”, rät BGM-Beraterin Reinhild Fürstenberg. So sollten sie dafür sorgen, dass der Mitarbeiter in Eigenverantwortung für eine Besserung der Situation sorgt und beispielsweise Hilfe in Anspruch nimmt, um sich von den privaten Sorgen zu entlasten, sodass die Arbeit nicht leidet. (cs)

Mehr Informationen unter www.fuerstenberg-institut.de

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