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Bundesinnenministerin schlägt früheren Renteneintritt für Ehrenamtler vor

Während Deutschland über eine Erhöhung des Renteneintrittsalters aufgrund des Fachkräftemangels diskutiert, will die Bundesinnenministerin den Zeitpunkt des Ruhestandes nach vorne verschieben. Zumindest für Menschen, die langjährig ehrenamtlich tätig sind oder waren.

In einer Talkrunde des Redaktionsnetzwerks Deutschland hat Nancy Faeser (SPD) vorgeschlagen, Ehrenamtler und Ehrenamtlerinnen früher in die Rente ohne Abzüge gehen zu lassen. So ließe sich deren Engagement honorieren und neue Menschen könnten für das Ehrenamt begeistert werden.

Höherer Bedarf an Ehrenamtlern antizipiert

Um wie viel früher Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler in Rente gehen dürfen, gab Faeser ebenfalls in ihrer Idee an. Menschen, die besonders wertvolle Ehrenämter wie bei der Feuerwehr oder bei Rettungsdiensten ausüben, sollten ein Jahr früher in den Ruhestand gehen dürfen.

Neben einem früheren Renteneintritt unterstützt die Bundesinnenministerin die Idee von Kolleginnen und Kollegen aus der Politik, ein Dienstpflichtjahr einzuführen, in dem Frauen und Männer für ein Jahr eine Art Zivildienst leisten. Faesers Ideen beruhen auf der Annahme, dass der Bedarf an Ehrenamtlern und Ehrenamtlerinnen in den kommenden Jahren wachsen wird. Denn Naturkatastrophen wie Hochwasser, Waldbrände und schwere Stürme nehmen zu und bedürfen Menschen, die beim Wiederaufbau von zerstörten Regionen helfen.

Vorschlag passt nicht mit Arbeitsmarktsituation zusammen

Während die Idee wenig überraschend bei ehrenamtlichen Vereinen auf Zuspruch stößt, stehen dem Politiker und Wissenschaftler bisher tendenziell eher kritisch gegenüber. Das Arbeitsministerium um Hubertus Heil, das mit Rentenangelegenheiten betraut ist, gab der ARD ein zurückhaltendes Statement: Eine solche Entscheidung müsse man auch immer im Kontext der demografischen Entwicklung und des Arbeitskräftebedarfs treffen.

Vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) kommen klarere Ansagen: Der demografische Wandel verlange eine höhere Erwerbsbeteiligung und längere Arbeitszeiten, um die Sozialsysteme nicht zu überfordern, sagt IW-Sozialexperte Jochen Pimperz. Außerdem sei die Rentenpolitik nicht dafür zuständig, mehr Engagement für die Gesellschaft zu erzeugen. Aus den Reihen der Grünen und der FDP wird eine ähnliche Kritik an dem Vorschlag laut.

Eine Umsetzung ist dementsprechend wenig wahrscheinlich. Vor allem auch, weil der Vorschlag konträr zur Debatte um die Erhöhung des Renteneintrittsalters ist. Die Koalitionsparteien und Arbeitsminister Heil haben kürzlich den Forderungen von Wirtschaftsforschern und Arbeitgebervertretern standgehalten, die dafür plädierten, das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre zu erhöhen. Die Notwendigkeit einer Erhöhung wurde damit begründet, dass in den nächsten 15 Jahren rund 12,9 Millionen Menschen in Rente gehen und weitaus weniger in den Arbeitsmarkt einziehen werden. Dadurch ergebe sich ein Fachkräftemangel, der minimiert werden könnte, indem Menschen erst im späteren Alter aufhören, zu arbeiten.

Ist Redakteurin der Personalwirtschaft. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind die Themen Diversity, Gleichberechtigung und Work-Life-Balance.

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