Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Corona begegnen: Die Rolle der HR-Berater in der Krise

Foto: © Svyatoslav Lypynskyy / Adobe Stock
Foto: © Svyatoslav Lypynskyy / Adobe Stock

Sucht man auf den Internetseiten der Beratungsindustrie nach Tipps für Personaler zum Umgang mit der Corona-Krise, könnte man meinen, sie orientiere sich an der vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) empfohlenen A-B-C-Schichtregelung für die Belegschaft. Die A-Gruppe hält es mit dem brasilianischen Staatschef Bolsonaro: Krise? Welche Krise? Weder bei Spencer Stuart noch bei Heidrick & Struggles, Kienbaum, Capgemini, HR Pepper oder der Personalmanufaktur von Rudolf Kast findet sich das furchteinflößende C-Wort. Andere, darunter Odgers Berndtson und Mercuri Urval, informieren nur kurz und knapp, wie sie ihr Geschäft in Zeiten von Corona fortführen. Tenor: Wir sind ebenfalls im Homeoffice – aber über E-Mail und Mobiltelefon erreichbar. Die C-Gruppe wiederum wittert das Gute im Schlechten. Beratungsgrößen wie McKinsey & Company, Deloitte, Mercer, Promerit und der Einzelkämpfer Markus K. Reif haben sich quasi über Nacht zu Experten der wirtschaftlichen Pandemie-Bekämpfung entwickelt. Ihre Hauptwaffen: Broschüren und Blogbeiträge, in denen sie Personalverantwortliche über das Virus, mögliche Krisenverläufe und dringlich angeratene Aktionen informieren.

“Wir wissen, was jetzt zu tun ist”: Ausgeschlafene HR- und Managementberater nutzen die erst allmählich ins Bewusstsein dringende Jahrhundertkrise, um auf ihre Kompetenz aufmerksam zu machen. Im Ton zwischen emphatisch und wissenschaftlich-nüchtern changierend, laufen die Handlungsempfehlungen der Consultants inhaltlich auf die bekannten Regeln des Krisenmanagements hinaus. Besonders schnell war Deloitte. Bereits am 29. Januar, als die meisten das Corona-Virus für ein Inselproblem im Reich des Drachen hielten, legten die Wirtschafts- und Steuerberater > Umfrageergebnisse vor, wie chinesische Unternehmen auf den Ausbruch des Corona-Virus‘ reagieren und welche Schlüsse der Rest der Welt daraus ziehen sollte.

Fast ebenso rasch haben die Kollegen von McKinsey reagiert. In ihrem laufend aktualisierten “Executive Briefing“) empfehlen die Berater die Bildung eines crossfunktionalen Covid-19-Krisenteams sowie eine Reihe von organisatorischen Maßnahmen, mit denen die Mitarbeiter vor Ansteckung geschützt werden können. Fortlaufend überprüft werden daneben unterschiedliche Verlaufsszenarien (“Quick recovery”, “Global slowdown”, “Global pandemic and recession”), von den sich Handlungsempfehlungen für die Unternehmen ableiten. Auch die Boston Consulting Group blickt nach China und zeigt auf, wie sich die Firmen nach der unmittelbaren Krisenreaktion schon auf die wirtschaftlichen Erholung vorbereiten. Vor wenigen Tagen zog Mercer mit > zehn Überlegungen nach. Wichtig sind aus Beratersicht vor allem die Unterstützung der Mitarbeiter und ihrer Familien sowie die reibungslose Kommunikation und Arbeitsorganisation innerhalb und außerhalb des Betriebs.

Nicht ganz so enzyklopädisch, doch mit handfesten Tipps und aufmunternden Worten ihrer Partner wenden sich Promerit und Russell Reynolds an die ratsuchende Klientel. Korn Ferry konzentriert sich auf die Arbeitsorganisation und gibt unter anderem Tipps, wie die Mitarbeiter auf das neue Terrain der Heimarbeit heranzuführen sind. Zur Hochform läuft HR-Berater und Blogger Markus K. Reif auf. Für ihn steht fest: Der Personalabteilung wird im Krisenmodus alles abverlangt. Business Continuity Management und Health Management werden aus der Requisite auf die Bühne gezerrt. Auch er empfiehlt – wie alle anderen – die Einrichtung eines zentralen Krisenstabs.

Das beste Intro liefert übrigens Promerit-Vorstand Kai Anderson in seinem Blog gleich unterhalb der Homepage: “Die Corona-Krise ist in jeder Hinsicht einmalig und außergewöhnlich. Sie schafft Unsicherheit, der nicht mit Erfahrungswissen begegnet werden kann. Sie fordert jeden von uns – privat, persönlich und in unserer professionellen Rolle.” Unüberlesbar verwoben ist der Appell an das Berufsethos der Personaler mit der Botschaft: “Auch in Sachen Corona sind wir auf dem Quivive”. Da braucht es gar kein cartooneskes “Hüstel” mehr.