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Corona-Krise fördert Mängel bei der Zusammenarbeit zutage

Informelle Kommunikation
In Homeoffice-Zeiten fehlt es an Gelegenheiten für informelle Kommunikation. Foto: © Flamingo Images-stock.adobe.com

Eine aktuelle Studie hat untersucht, wie Unternehmen in schwierigen Zeiten die interne Zusammenarbeit organisieren, um auf Kurs zu bleiben. Als Schwachstelle hat sich vor allem die Kommunikation herauskristallisiert. Führungskräfte haben erkannt, dass hier von ihrer Seite Nachholbedarf besteht.

Für die Studie “Kollaboration – Erfolgsfaktor Zusammenarbeit” hat die Unternehmensberatung Staufen gemeinsam mit Staufen.Valuestreamer 326 Unternehmen in Deutschland befragt. Ein Drittel der Firmen erwirtschaften einen Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen Euro, gut zwei Drittel der Studienteilnehmer stammen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, dem Automotive-Sektor sowie der Elektroindustrie.

Homeoffice & Co erschweren die Kollaboration immens

Fast drei von vier der befragten Unternehmen (71 Prozent) geben an, dass die Zusammenarbeit derzeit spürbar unter den Folgen der Krise leidet. Nur jede fünfte Firma kann diesbezüglich zumindest annähernd das Vorkrisenniveau halten. Jeder vierte Studienteilnehmer sagt, eine Kollaboration wie früher sei nur zu maximal 50 Prozent möglich. Als wichtigsten Grund dafür nennt jeder zweite Befragte (52 Prozent) in Zeiten von Homeoffice & Co. den fehlenden informellen Austausch untereinander. Jeder Dritte (32 Prozent) beklagt generell zu wenig Kommunikation. Ein Fünftel (19 Prozent) gibt Silo-Denken als Grund an. Fast genauso viele (18 Prozent) sehen Führungskräfte als Verantwortliche für die unzureichende Zusammenarbeit und weitere 17 Prozent stellen fest, dass es an Verbindlichkeit mangelt.

Auch vor Corona hakte es schon bei der Kommunikation

Zwischen einem Fünftel und einem Drittel der Studienteilnehmer räumen jedoch ein, dass auch schon vor der Krise zu wenig und vor allem nicht mit jedem im Unternehmen gesprochen wurde – oder aber, was die nicht informellen Gespräche betrifft, zu wenig effektiv: So kritisiert jeder Zweite (51 Prozent), dass viele Meetings ergebnislos enden und kaum weniger (45 Prozent) sagen, Meetings seien oft schlichtweg überflüssig. Außerdem ist die Flut an E-Mails für 70 Prozent problematisch, denn das Versenden erfolgt häufig ungezielt an viele Verteiler. Ein Drittel der Studienteilnehmer nimmt die Kommunikation als eher zufällig wahr. Die Folge der mangelhaften Zusammenarbeit: Fast drei Viertel der Unternehmen (72 Prozent) geben an, dass die Effizienz leidet.

Nachholbedarf für Führungskräfte

Rund vier von zehn Unternehmen (38 Prozent) mussten erkennen, dass die Krise ihre Schwächen beim Thema Zusammenarbeit deutlich aufgezeigt hat. Es sei eine klare Führungsaufgabe, solche Missstände wahrzunehmen und abzustellen, so die Studienautoren. Tatsächlich sagt immerhin die Hälfte der Befragten (50 Prozent), die Führungskräfte hätten in Sachen Kollaboration Nachholbedarf. So bestätigt nur jedes zweite Unternehmen (51 Prozent), Kommunikationskompetenz sei bei allen oder bei vielen ihrer Führungskräfte vorhanden. Analytische Fähigkeiten bescheinigen 55 Prozent der Befragten ihrem Führungspersonal. Besser sieht es bei der Teamfähigkeit (69 Prozent) aus. Den besten Wert mit 76 Prozent erreicht die Offenheit für digitale Tools.

Noch mehr digitale Tools sollen die Kollaboration verbessern

Fast sechs von zehn Befragten (58 Prozent) sind der Ansicht, dass die Chefetage ihres Unternehmens das Thema Kollaboration fördern und auch von den Mitarbeitern einfordern sollte. Die Studienteilnehmer wurden auch dazu befragt, was die Unternehmen bereits konkret tun, um die Zusammenarbeit zu verbessern. Von den zur Auswahl vorgegebenen Maßnahmen erhielt die Digitalisierung als Lösung die meisten Stimmen: Rund drei von vier Unternehmen (74 Prozent) bauen nach eigenen Angaben den Einsatz digitaler Kollaborationstools aus. Am zweithäufigsten mit 57 Prozent setzen die Arbeitgeber darauf, Mitarbeiter und Teams konsequent zur Selbststeuerung zu motivieren. Allerdings gibt nur circa jeder vierte Befragte (27 Prozent) an, dass die Belegschaft immer über alle für ihre Arbeit wichtigen Informationen verfügt und dass bei lediglich 26 Prozent der Befragten Aufgaben stets klar und transparent priorisiert werden. Bei der digitalen Unterstützung der Zusammenarbeit überwiegen reine Kommunikationstools wie Teams oder Zoom, die 99 Prozent der Unternehmen einsetzen. Digitale Prozessmanagementsysteme nutzen erst 49 Prozent. Laut Studie besteht hier Optimierungspotenzial. Die Frage ist allerdings, ob die festgestellten Defizite hinsichtlich der informellen Kommunikation durch weitere digitale Werkzeuge ausgeglichen können. Virtuelle Kantinen und Kaffeeküchen ermöglichen nicht den direkten persönlichen Austausch, der vielen Mitarbeitern und Führungskräften fehlt.

Führungskräfte müssen loslassen können

Obwohl viele Unternehmen die Eigenverantwortung der Mitarbeiter und virtuellen Teams fördern wollen, ist dies offenbar nicht jedem Vorgesetzten ganz geheuer. Jede zweite Führungskraft hat Probleme damit, Aufgaben zu priorisieren und zu delegieren und befürchtet durch Homeoffice & Co. einen Autoritätsverlust. Viele Führungskräfte hätten den Anspruch, Probleme selbst in den Griff zu bekommen, um damit ihre Kompetenz zu unterstreichen, sagt Staufen-Vorstand Wilhelm Goschy. Statt das Team zu befähigen, die Lösung selbst zu finden, gäben sie diese einfach vor, ergänzt Dr. Andreas Romberg, Geschäftsführer von Staufen.ValueStreamer. Das führe jedoch zu Frustration der Mitarbeiter, weil sie sich nicht entfalten könnten – mit der Konsequenz, dass sie sich über zu wenig Kommunikation und mangelndes Vertrauen beklagten. Führungskräfte müssten wandlungsfähig und künftig weniger Entscheider sein, sondern sollten andere befähigen und für eine reibungslose Zusammenarbeit sorgen, so Romberg.

Die Studie “Kollaboration – Erfolgsfaktor Zusammenarbeit” steht > hier zum Download zur Verfügung.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.

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