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Wen die Corona-Krise ärmer macht

Mann mit leerem Portemonnaie
Lockdown und Corona-Beschränkungen treffen manche Menschen finanziell besonders hart.
Foto: © vegefox.com-stock.adobe.com

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der > Hans-Böckler-Stiftung hat für eine Studie im April und Ende Juni mehr als 6000 Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Arbeitslose) in Deutschland befragt. Danach hat rund ein Drittel der Teilnehmer (32 Prozent) im April und/oder im Juni durch die Krise Einkommenseinbußen erlitten. Eltern verzeichneten um sieben Prozent häufiger Einkommensverluste als  Kinderlose. Menschen mit Migrationshintergrund haben um knapp sechs Prozent häufiger Geld eingebüßt als andere Befragte und zwar unabhängig von Schulabschluss oder Qualifikationsniveau.

Reduzierte Einkommen besonders für Selbstständige, aber auch (Leih)Arbeiter und Minijobber

Wenig überraschend, so die Studienautoren, waren Selbständige stark überdurchschnittlich von den Maßnahmen wegen Corona betroffen, vor allem während der Geschäftsschließungen im April. Auch Arbeiter berichteten etwas häufiger von Einkommenseinbußen. Bei ihnen wie bei anderen abhängig Beschäftigten war Kurzarbeit ein häufiger Grund für reduzierte Einkommen; davon waren deutlich mehr Menschen betroffen als von Jobverlust. Auch Leiharbeiter und Minijobber mussten je elf Prozent häufiger als andere Erwerbstätige eine niedrigere Bezahlung hinnehmen.

Bereits vorher niedriger bezahlte Menschen hatten stärkere Einkommensverluste

Die Analyse zeigt außerdem, dass jene Menschen, die schon vor der Krise ein niedriges Einkommen hatten, überdurchschnittlich oft Verluste verschmerzen mussten: In der unteren Einkommensgruppe mit maximal 900 Euro netto monatlich hatte fast jeder Zweite (48 Prozent) weniger Einkommen als vorher, während dies in der obersten Gruppe mit mehr als 4500 Euro Nettogehalt etwa jeden Vierten (27 Prozent) betraf.

Mitarbeiter in Unternehmen mit Tarifvertrag und Betriebsrat weniger betroffen

Das Risiko, von Einkommensverlusten betroffen zu sein, fiel bei unbefristeter Beschäftigung oder in Unternehmen mit Tarifvertrag und Betriebsrat signifikant niedriger aus. Bewährte Schutzmechanismen griffen auch in Ausnahmensituationen wie dieser, so Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI und Autorin der Studie, und ihr Co-Autor Dr. Andreas Hövermann. Es komme auf den Zugang zu solchen Absicherungen an. Sei dieser bei vielen Menschen eingeschränkt, könne das negative Folgen für die Demokratie haben, warnen die Wissenschaftler.

Sorge um die Demokratie und Befürchtung einer Instrumentalisierung des Virus

Denn die Studie zeigt auch, dass sich Menschen mit Einkommensverlust nicht nur deutlich häufiger Sorgen um ihre eigene wirtschaftliche Situation machen (31 Prozent gegenüber acht Prozent bei Befragten ohne Einbußen), sondern auch größere Gefahren für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie hierzulande sehen. So sorgten sich im Juni 38 Prozent der Befragten mit Einkommensverlusten und 31 Prozent ohne solche Einbußen um die Entwicklung der sozialen Ungleichheit im Land. 40 Prozent der finanziell Betroffenen äußerten Bedenken, dass die Einschränkungen der Grundrechte nach der Krise nicht vollständig zurückgenommen werden, während es bei den anderen 32 Prozent waren. Von den Erwerbstätigen, die in der Krise weniger Geld zur Verfügung haben, stimmten außerdem knapp 45 Prozent der Aussage zu “Ich kann mir vorstellen, dass die Pandemie von Eliten benutzt wird, um die Interessen von Reichen und Mächtigen durchzusetzen.” Unter denen, die keine Einbußen erlitten hatten, waren es mit 36 Prozent zwar weniger, aber immerhin mehr als ein Drittel von ihnen glaubt ebenfalls, dass das Virus instrumentalisiert wird.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.