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Corona-Krise stellt Weichen für eine neue Arbeitswelt

Manager vor virtueller Pinnwand
Corona bietet die Gelegenheit, um vorhandene Pläne für eine neue digitalere Arbeitswelt umzusetzen. Foto: © stnazkul-stock.adobe.com

Für die Studie im Auftrag des Europäischen Management Instituts an der Hochschule Hof (emi e.V.) wurden von Mitte August bis Anfang November letzten Jahres Personalverantwortliche aus 52 mittelständischen Unternehmen verschiedener Branchen befragt.

Herausforderungen – Hygienepläne, Homeoffice und mehr

Als größte Herausforderungen nannten die HR-Experten die Unsicherheit der Geschäftsaussichten und der zukünftigen Geschäftsentwicklung, die Organisation der internen Geschäftstätigkeit, die Entwicklung und Implementierung der Hygienepläne, die Umstellung auf und der Umgang mit Homeoffice sowie  Veränderungen in der externen Geschäftstätigkeit. Vor allem die geringe Planbarkeit macht Unternehmen zu schaffen, aber auch das unvorhersehbare Kundenverhalten. Dazu kommt die Angst vor weiteren und langen Lockdowns.

Homeoffice fördert Wechsel in Richtung Vertrauensarbeitszeit

Bedingt durch die Kontaktbeschränkungen stieg der Anteil der Arbeitnehmer, die im Homeoffice tätig waren, auf 38 Prozent an. Vor der Krise arbeiteten im Schnitt nur 8,5 Prozent der Berufstätigen von zuhause aus. Zu Beginn der Umstellung lag der Fokus der Unternehmen vor allem auf technischen Aspekten, doch dann erwiesen sich andere Herausforderungen nach Aussage der befragten Personaler als noch gravierender: Es ging darum, dass die Mitarbeiter trotz der häufig ungewohnten Bedingungen im Homeoffice – unter anderem Verzicht auf die gewohnten sozialen Kontakte – leistungsfähig bleiben und lernen, mit neuen Kommunikationskanälen umzugehen. Die Vorgesetzten hingegen mussten lernen, dass die klassische Stundenerfassung aufgrund der neuen Arbeitsbedingungen obsolet wird, so die Studie. Es setzte sich die Erkenntnis durch, dass man sich in Richtung einer Vertrauensarbeitszeit bewegen muss. Dass Arbeitgeber nicht mehr unmittelbar auf ihre Mitarbeiter zugreifen konnten, führte in Einzelfällen zu erheblichen Einschränkungen in der Abarbeitung bestimmter Aufgaben.

Die Studienautoren sind davon überzeugt, dass sich infolge der Krise sowohl die internen als auch die externen Interaktionsprozesse langfristig verändern werden. Überhaupt werde die neue Arbeitsrealität nach Ansicht der HR-Verantwortlichen Eingang in die künftige Normalität finden.

Zwar bleiben bis zu einer endgültigen und nachhaltigen Umstellung in den kommenden Jahren noch viele organisatorische, technische und vor allem auch managementbezogene Fragestellungen zu klären. Aber dennoch wurde durch Covid-19 ein epochaler Wandel unserer Arbeitskultur eingeleitet, der unsere Gesellschaft in Zukunft möglicherweise krisensicherer und flexibler machen wird,

sagt Prof. Dr. Stefan Wengler, Professor für Marketing und Technischen Vertrieb an der Hochschule Hof, der die Studie gemeinsam mit Prof. Dr. Joachim Riedl, Leiter des Studiengangs Marketing Management, durchgeführt hat.

Arbeitskonzepte, die “auf Halde” lagen, werden infolge der Krise nun umgesetzt

Die Veränderung der Arbeitswelt stößt laut Studie bei den befragten Personalmanagern auf Zustimmung. Zwar seien sie derzeit stark mit organisatorischen Aufgaben belastet, so Riedl, fänden es aber erfreulich, dass die seit langem in der Schublade liegenden Konzepte zur Flexibilisierung von Arbeitsprozessen und Arbeitszeit an Aktualität gewonnen hätten:

Die Pandemie wird demnach von vielen Entscheidern als echter Beschleuniger von Entscheidungsprozessen gesehen,

ergänzt Riedl. Die Personaler sähen auch die Digitalisierung von HR-Prozessen generell als vorteilhaft an. Laut Studie wurden viele grundsätzliche Weichenstellungen getroffen, “da das Management zahlreicher Unternehmen die Corona-Pandemie als den geeigneten Zeitpunkt hierfür ansah.”

Die vollständigen Studienergebnisse sind > hier abrufbar

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.