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Recruiter erwarten Aktivitätsrückgang

Die Mehrheit der Recruiter geht davon aus, dass infolge der Einschränkungen durch das Corona-Virus die Recruiting-Aktivitäten insgesamt zurückgefahren werden. Das ergibt eine Blitzumfrage des ICR. Im Home Office vermissen die Personaler vor allem ihre Kollegen.

Ein Mann sitzt vor einem aufgeklappten Laptop, auf dessen Bildschirm eine Frau mit Headset zu sehen ist
Bewerbungsgespräche über Skype oder Zoom statt persönlich im Büro: In der Corona-Krise ist das eine Notmaßnahme. Sie könnte aber zeigen, wie sich der Recruiting-Prozess auch nach der Notlage zukünftig digitalisieren könnte. Foto: Tumisu/Pixabay

58 Prozent der befragten Personalwerber erwarten, dass infolge der Corona-Pandemie insgesamt weniger Recruiting-Aktivität auf dem Markt herrschen wird. Dass Firmen infolge der Krise ihr Recruiting ausbauen werden, glauben dagegen nur 9 Prozent. Dies könnte vor allem Unternehmen betreffen, die selbst gut durch die Krise kommen und im Wettbewerb um Talente ausnutzen möchten, dass Konkurrenten geschwächt sind, › analysiert der Blog “MetaHR”. Rund ein Siebtel der Befragten glaubt, dass wesentliche Änderungen ausbleiben.

Die Corona-Blitzumfrage läuft seit Dienstag, 17. März, und wurde von Wolfgang Brickwedde initiiert, dem Chef der Recriting-Beratung “Institute for Competitive Recruiting” (ICR). Die genannten Zahlen sind der Stand vom 23. März, 440 Recruiter hatten bis zu diesem Zeitpunkt teilgenommen.

Blick auf das eigene Unternehmen optimistischer

Für ihr eigenes Unternehmen erwarten die Befragten weniger Einschränkungen als für den gesamten Markt. Nur 46 Prozent der Recruitier rechnen infolge von Corona mit einem Rückgang der Personalwerbungs-Aktivität, 10 Prozent erwarten sogar, dass sie sich erhöhen wird. Ein knappes Drittel der Recruiter geht davon aus, dass die Ausbreitung des Corona-Virus und ihre Folgen keinen wesentlichen Einfluss auf die Personalbeschaffung in der eigenen Firma haben wird.

Einen Hinweis, wie sich die Corona-Krise auswirkt, könnte ein Blick auf die aktuellen Bewerberzahlen geben – da ist das Bild allerdings sehr gemischt: Während 47 Prozent der Teilnehmer von sinkenden oder deutlich sinkenden Bewerberzahlen berichten, geben 44 Prozent an, dass sie bislang trotz Corona gleich viele Bewerbungen erhalten. Steigende oder deutlich steigende Bewerberzahlen verzeichnen 6 Prozent der Umfrageteilnehmer.

Prozess wird digitaler – aber nicht in allen Bereichen

Eindeutig hingegen ist der Einfluss von Corona auf die Digitalisierung von Recruiting-Prozessen. Zwei Drittel der Befragten sagen, dass ihr Unternehmen zukünftig mehr Schritte im Verfahren digitalisieren wird. Nur 28 Prozent gehen davon aus, dass das bisherige Verfahren auch nach der Krise ungefähr gleich bleiben wird.

Schon jetzt haben 55 Prozent der Befragten Bewerbungsgespräche auf Videochat-Plattformen wie Skype oder Zoom verlegt – in den nächsten Wochen wollen sogar 58 Prozent ins Digitale ausweichen. 17 Prozent führen aktuell nur noch Telefoninterviews. Rund jeder Zehnte gab an, dass sein Unternehmen momentan gar keine neuen Bewerbungsgespräche mehr vereinbart.

Im Bereich Cultural Fit allerdings sind digitale Verfahren nur zweite Wahl. 51 Prozent der Befragen geben an, weiter analoge Verfahren wie ein persönliches Interview anwenden zu wollen, um die Passung eines Kandidaten zur Unternehmenskultur zu messen. Auch in diesem Bereich auf digitale Wege umstellen wollen 38 Prozent.

Der neue Arbeitsalltag: das Home Office

36 Prozent der Befragten geben an, dass alle Mitarbeiter ihres Unternehmens von zu Hause aus arbeiten oder in Kürze von zu Hause aus arbeiten sollen. Das Home Office ist für die meisten Recruiter nichts Neues. Zwei Drittel von ihnen haben bereits von zu Hause aus gearbeitet. Jeder Fünfte sagt hingegen, Home Office sei in seinem Unternehmen kein Thema oder nicht möglich.

Als Herausforderungen sehen die befragten technische Schwierigkeiten (14 Prozent)
und Arbeitsunterbrechungen durch Kinder oder Partner (13 Prozent). Am schwierigsten ist für sie aber, andere Mitarbeiter nicht persönlich zu sehen: 44 Prozent gaben an, dass ihnen ihre Kollegen fehlen werden.