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Das Mindset entscheidet die Transformation

Digital Leaders setzen auf Netzwerke statt auf Hierarchien; Bild: Sergey Nivens / Fotolia.com
Digital Leaders setzen auf Netzwerke statt auf Hierarchien; Bild: Sergey Nivens / Fotolia.com

Bestehende Führungsmodelle müssen dringend überprüft, angepasst und ergänzt werden. Der klassische Führungsstil, nach dem ein Alleinherrscher am oberen Ende einer starren Hierarchie sitzt, funktioniert in einer vernetzten Wissensgesellschaft nicht mehr. Führungskräfte müssen heute Brücken zwischen den Wertewelten älterer und jüngerer Mitarbeiter bauen. Die Kunst besteht darin, das Beste aus beiden Welten zu vereinen. Klassisch geprägte Organisationen müssen lernen, neue Unternehmenswerkzeuge zu nutzen und ihre hierarchischen Strukturen mit denen des vernetzten Führungsmusters in verschiedenen Situationen in Einklang zu bringen.

Natürlich haben traditionelle Werte wie Exzellenz, Effizienz und Sicherheit viele deutsche Unternehmen auf dem Weltmarkt erfolgreich gemacht und Führungskräfte sind zurecht stolz auf das Markenversprechen ihres Unternehmens. Das Internet und die Dynamik der Digitalisierung fordern uns jedoch auf, vieles neu zu denken und einen Wertewandel im Führungs- und Arbeitskontext einzuläuten. Vier zentrale Erfolgskriterien des Management by Internet sind Vernetzung, Offenheit, Partizipation und Agilität – die sogenannten VOPA-Prinzipien.

VOPA: Vernetzung, Offenheit, Partizipation, Agilität

Durch den Aufbau eines guten Beziehungsnetzes können alle Mitglieder einer Organisation schnell an Informationen gelangen und sich auch in Krisensituationen gegenseitig unterstützen. Damit ist Vernetzung als Führungsprinzip das Gegenteil von Hierarchie. Denn in einer vernetzten Organisation kann jeder mit jedem in Kontakt treten, um die Information zu erhalten oder zu liefern, die gerade benötigt wird. Dafür braucht man zum einen die technischen Möglichkeiten, also zum Beispiel Collaboration-Plattformen. Zum anderen erfordert es eine entsprechende Haltung der Führungskräfte.

Wer der Meinung ist, dass Kommunikation erst durch Hierarchien effizient ist, bringt nicht das passende Mindset für vernetztes Führen mit.

Der Begriff Offenheit hat tatsächlich viel mit Neugier und Experimentierfreude zu tun. Führungskräfte brauchen Mut und Risikobereitschaft. Vorgelebt wird das beispielsweise im Silicon Valley, wo Unternehmen wie Netflix nach dem Prinzip “Rapid Recovery” arbeiten. Nur bei äußerst geschäftskritischen Prozessen geht es darum, Fehler zu vermeiden. Statt ihre Mitarbeiter zu kontrollieren, sollten Führungskräfte sich im Loslassen üben, ihren Mitarbeitern Freiräume zugestehen und viele Gelegenheiten für selbstverantwortliches Arbeiten schaffen.

Hier geht Offenheit Hand in Hand mit der nächsten Notwendigkeit: Partizipation. Gerade die Generation der Digital Natives möchte nicht mehr nur Befehle von oben ausführen. Sie möchte in Prozesse integriert sein, sich aktiv und kreativ einbringen können. Ein wirksames Mittel, um sowohl Partizipation als auch Offenheit und Vernetzung im Unternehmen zu fördern, ist die Durchführung von offenen Veranstaltungsformaten, bei denen Entscheider, Experten und Umsetzer gemeinsam und intensiv an aktuellen Herausforderungen arbeiten.

Das vierte Führungsprinzip ist die Agilität. Hierbei geht es nicht etwa um mangelnde Berechenbarkeit, sondern um ein erhöhtes Maß an Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Schnelligkeit. Bei agilem Management ist die Zeitspanne, innerhalb derer Ziele und Entscheidungen überprüft und angepasst werden, kürzer. Warum das so wichtig ist? Das Internet ist vor allem eins: schnell. Das Gleiche gilt für seine Produkte und deren Lebenszyklen.

Um bei diesem Tempo mithalten zu können, brauchen Unternehmen agile Führungsstrukturen und Mitarbeiter.

Nicht die Technik, sondern die Haltung entscheidet

Bei Digital Leadership geht es nicht in erster Linie um die Nutzung digitaler Medien oder Geräte, sondern vielmehr um die Etablierung eines digitalen Mindsets. Führungskräfte, die es schaffen, sich für neue Denkweisen zu öffnen und VOPA-Prinzipien Stück für Stück in der Unternehmenskultur zu verankern, sind auf dem richtigen Weg zum Digital Leader.

Autor:

Dr. Willms Buhse ist Experte für Digital Leadership und digitale Strategien sowie Gründer und Geschäftsführer von › doubleYUU, einem auf die digitale Transformation spezialisierten Beratungsunternehmen. Zudem ist er Autor des Bestsellers “Management by Internet” sowie Speaker auf zahlreichen Konferenzen. (www.linkedin.com/in/willmsbuhse/)