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Der Job – Freundschaftsbörse und mehr

Zwei Kolleginnen im Büro, die freundschaftlich verbunden wirken
Tiefe Freundschaften im Arbeitsleben sind nicht ungewöhnlich, vor allem bei Jüngeren und bei Frauen.
Foto: © Sergey Nivens/Fotolia.de

Nach getaner Arbeit ist nicht immer Schluss; so mancher kann seine Arbeitskollegen auch darüber hinaus ertragen. Vor allem die Jüngeren in Deutschland pflegen auch private Kontakte. So trifft sich mehr als die Hälfte der Berufstätigen zwischen 18 und 29 Jahren mindestens einmal im Monat privat mit Kollegen. Von den 30- bis 39-Jährigen unternehmen noch 40 Prozent außerhalb der Arbeitszeit etwas mit ihren beruflichen Mitstreitern. Arbeitnehmer ab 40 Jahren sind in dieser Hinsicht etwas zurückhaltender; sie geben häufiger an, nur bei Geburtstagsfeiern oder Firmenevents private Zeit mit ihren Kollegen zu verbringen. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag von > Xing. Für die repräsentative Studie wurden im August 1000 Arbeitnehmer in Deutschland befragt.

Oft werden Kollegen Freunde fürs Leben

Häufig bleibt es nicht bei gelegentlichen privaten Treffen mit Kollegen, sondern im Job entstehen auch enge Freundschaften. Die Hälfte der Berufstätigen hierzulande hat am Arbeitsplatz bereits einen oder mehrere Freunde fürs Leben gefunden. Von den Frauen haben sogar knapp 60 Prozent im Büro Freundschaften geschlossen. Insgesamt spielt dabei allerdings der Familienstand eine Rolle, denn fast sechs von zehn der engen Freundschaften entstehen zwischen Arbeitskollegen, die ledig sind. Auch die Branche hat Einfluss darauf, ob sich Menschen am Arbeitsplatz anfreunden. So sind Mitarbeiter der Kommunikations- und Medienbranche besonders aufgeschlossen und öfter Freundschaften im Job eingegangen als Berufstätige anderer Branchen. Tendenziell eher zurückhaltend in Sachen Freundschaften am Arbeitsplatz sind hingegen Arbeitnehmer im Groß- und Einzelhandel.

Jeder Zehnte führt mit Kollegen eine “Arbeitsehe”

Manchmal geht es über Freundschaft hinaus: Wenn Berufstätige viel Zeit miteinander verbringen, entwickeln sich laut Studie bisweilen auch tiefergehende “eheähnliche”, aber ausschließlich platonische Vertrauensbeziehungen zu einem Kollegen oder einer Kollegin. Dabei soll es sich um einen sich anbahnenden Trend handeln, der aus den USA kommt und sich “work wife” oder “work husband” nennt. Im Rahmen der Studie gab bereits jeder zehnte der befragten Deutschen an, solch eine eheähnliche Beziehung am Arbeitsplatz zu pflegen. Berufstätige über 50 Jahre finden sich mit 13 Prozent etwas häufiger in einer “Arbeitsehe” wieder als jüngere Arbeitnehmer. Der Branchenvergleich zeigt hier, dass Mitarbeiter der Finanz- und Versicherungsbranche eher zu solchen Beziehungen neigen als andere.

Offene Fragen

Inwieweit die “Partner” solch eheähnlicher Beziehungen unter Kollegen außerdem “richtige” Ehepartner zuhause haben, geht aus den präsentierten Befragungsergebnissen nicht hervor. Auch wie häufig nicht-platonische Beziehungen unter Kollegen vorkommen, ob als Affäre oder Liebesbeziehung, die vielleicht gar in eine feste Partnerschaft oder gar Ehe mündet, verrät diese Studie nicht.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.