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Design Thinking funktioniert

Design Thinking ist in der Lage,
die Arbeits- und Innovationskultur im Unternehmen bereichsübergreifend
entscheidend zu prägen und zu verbessern – wenn das Management
mitspielt. Das ist die zentrale Erkenntnis der ersten umfassenden
wissenschaftlichen Studie zu den Wirkungen von Design Thinking im
Arbeitsalltag, die Mitte Oktober vorgestellt wurde. HPI-Forscher haben
dazu Antworten von 235 Anwendern auf halb strukturierte Fragebögen
ausgewertet und mit acht Experten qualitative Interviews geführt.

Eine
deutliche Mehrheit der Befragten (71 Prozent) gibt an, dass Design
Thinking die Arbeitskultur vor allem im Team verbessert hat.
Innovationsprozesse sind für viele Anwender (69 Prozent) deutlich
effizienter geworden. Die Zielgruppenorientierung wird gestärkt, weil
die potenziellen Nutzer von neuen Lösungen wesentlich häufiger in den
Innovationsprozess eingebunden werden (48 Prozent). Die Mehrheit der
befragten Organisationen (72 Prozent) nutzt Design Thinking allerdings
eher isoliert, etwa im Marketing oder in der Forschung.

Ganzheitlich
in der Organisation verankert, wird Design Thinking von der Methode zur
Haltung und damit zum Kulturfaktor. Nur jeder zwanzigste
Studienteilnehmer gab an, dass Design Thinking keinen Einfluss in der
eigenen Organisation habe; knapp ein Zehntel der Befragten hingegen hat
wieder aufgehört, mit Design Thinking zu arbeiten. Zu den wichtigsten
Gründen gehörte hier, dass eine strukturelle Einbettung nicht erfolgt
sei und die Unterstützung des Managements gefehlt habe: zu wenig Zeit,
zu wenige Ressourcen, unpassende Räumlichkeiten. Wenn Kreativität zum
Krampf wird, lässt man es lieber ganz bleiben.

Die Frage nach dem Business Case

Bleibt
noch die Frage nach dem Business Case. Für die Studienteilnehmer
standen Kosteneinsparungen (18 Prozent) oder Gewinnsteigerungen (29
Prozent) weniger im Vordergrund; bekanntlich finden sich aber just diese
Punkte unter den beliebtesten Einwänden der professionellen
Ideenverhinderer, die es in jeder größeren Organisation gibt. Design
Thinking braucht Räumlichkeiten, Materialien und Trainings sowie
längerfristig in der Umsetzung zeitliche Freiräume – das wird schwierig,
wenn der zuständige Controller ein Typ ist, dessen Horizont hinter der
Excel-Tabelle abreißt.

“Design Thinking in der Organisation zu
verankern, braucht langen Atem”, bestätigt Janssen- HR-Direktor Frank
Zils, “es lässt sich nicht im Business Plan darstellen, nicht mit
jährlichen Zielen hinterlegen. Es ist visionär, doch es zahlt sich aus.
Daran zu glauben und dabei zu bleiben: Das bringt eine Kultur zum
Ausdruck”. Wie eigentlich immer und überall im Unternehmen lohnt es sich
auch in Sachen Design Thinking, für langfristiges Denken zu werben.
Wenn die Innovationskraft erhöht, interne Prozesse verbessert und die
Kundenorientierung gestärkt werden, steigert das auf lange Sicht die
Wirtschaftlichkeit. Also: Sollten Sie als Führungskraft Platz für Design
Thinking im Jahresbudget schaffen wollen, könnte es hilfreich sein, zur
nächsten Budgetrunde präventiv ein Handout zu den gängigsten
Innovationskennzahlen mitzuführen.

Autor
Cliff Lehnen

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