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Wieviel Urlaub hätten Sie denn gern?

Ein Mann in Business-Kleidung und mit Aktentasche liegt mit geschlossenen Augen auf einer Bank, im Hintergrund ein Parkplatz
Viel mehr Urlaub als ihnen zusteht, wünschen sie die Deutschen gar nicht – ein Sabbatical hätten viele aber schon gern, denn erschöpft sind sie trotzdem.
Foto: (CCO): pexels.com

Der Sommer ist für deutsche Arbeitnehmer nach wie vor die Haupturlaubszeit. Im Schnitt machen Berufstätige hierzulande zwischen Juni und August 12,2 Tage Ferien. Geht es um die insgesamt pro Jahr gewünschte Urlaubszeit, würden sich die Deutschen durchschnittlich 32,2 Tage geben – kaum mehr als die 30 Tage, die Beschäftigen hierzulande im Mittel gewährt werden. Dabei gibt es jedoch Unterschiede je nach Alter und Bildungsgrad/Einkommen: Berufseinsteiger zwischen 18 und 24 Jahren würden sich 34,2 Tage wünschen, 60- bis 65-Jährige nur 29,8 Tage. Und während Arbeitnehmer mit Abitur und Hochschulabschluss gern 33,9 Urlaubstage hätten, würden sich Menschen mit einem Einkommen unter 1500 Euro mit 30 Tagen zufriedengeben. Knapp ein Fünftel der Bundesbürger wäre schon mit dem gesetzlichen Urlaubsanspruch von 20 Tagen zufrieden und fünf Prozent kämen sogar mit fünf Tagen aus.

Wie hoch die geäußerten Ansprüche sind, hängt auch von der Unternehmensgröße ab: Mitarbeiter in Betrieben bis zu 50 Beschäftigten wünschen sich im Schnitt 30,3 Urlaubstage, ihre Kollegen in Firmen mit mehr als 10 000 Mitarbeitern würden gern 34,4 Tage Ferien genießen. Das zeigt der “XING Urlaubsreport 2018 – Urlaub ohne Ende”, für den im ersten Quartal dieses Jahres 1015 deutsche Arbeitnehmer befragt wurden.

Fast jeder Dritte sorgt sich, seine Aufgaben bis zum Urlaub zu erledigen

Mit der Frage nach den gewünschten Urlaubstagen war allerdings die Bedingung verbunden, dass durch den Umfang des Urlaubs keine Arbeit liegenbleiben und Kollegen nicht durch die eigene Abwesenheit über Gebühr belastet werden sollten. Die Befragungsergebnisse zeigen auch, dass immerhin 41 Prozent der Befragten als häufigstes Problem in Sachen Urlaub die Abstimmung mit den Kollegen angaben, wer wann überhaupt Ferien nehmen kann. 30 Prozent machen sich Sorgen, vor dem Urlaub noch ausstehende Aufgaben nicht zu schaffen. Und lediglich ein Viertel der Deutschen empfindet in der Vorbereitungszeit auf den Urlaub keine besonderen Belastungen am Arbeitsplatz. Im Urlaub selbst ist dann auch noch nicht Schluss mit der Arbeit: Rund zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) sind in Ausnahmefällen für Kollegen, Vorgesetzte oder Kunden erreichbar. Und zwei von drei der im Urlaub Erreichbaren kontrollieren mindestens einmal pro Tag ihre E-Mails, um auf dem aktuellen Stand der Dinge zu bleiben.

Selbstbestimmter unbegrenzter Urlaub? Die Deutschen sind gespalten

Einige Arbeitgeber experimentieren zurzeit damit, dass Mitarbeiter ihre Urlaubstage selbst bestimmen dürfen. Die Studienteilnehmer wurden danach gefragt, wie sie solche Modelle bewerten. Die Meinung ist gespalten: 13 Prozent glauben, selbst bestimmte unbegrenzte Ferien könnten “auf jeden Fall” klappen, 38 Prozent denken immerhin, es könne “eher schon” funktionieren. Demgegenüber stehen elf Prozent, die der Meinung sind, es würde “überhaupt nicht” gehen, und 37 Prozent, die vermuten, es würde “eher nicht” funktionieren. Von den 18- bis 39-Jährigen halten 60 Prozent einen selbstbestimmten Urlaub zumindest in Teilen für machbar, während dies von den 40- bis 65-Jährigen 44 Prozent denken.

Sabbaticals – öfter gewünscht als genehmigt

Im Rahmen der Studie wurden die Teilnehmer auch zum Thema Sabbatical befragt. Danach hat jeder Zehnte bereits eine längere berufliche Auszeit in Anspruch genommen. Jeder Vierte würde gern ein Sabbatical machen, 53 Prozent haben dem Arbeitgeber ihren Wunsch jedoch (noch) nicht geäußert. Damit zusammenhängen mag es, dass die Hälfte aller Sabbatical-Anfragen nach Aussagen der Studienteilnehmer vollends abgelehnt wird; ein Drittel wird lediglich mit Einschränkungen ermöglicht. Nach den Hauptmotiven für eine Auszeit gefragt, gaben die meisten (61 Prozent) an, sie würde der geistigen und körperlichen Erholung dienen. 44 Prozent nannten als Grund, dass sie die Arbeit erschöpfe. Lediglich 17 Prozent würden die Zeit nutzen, um sich aus- oder weiterzubilden und nur neun Prozent würden versuchen, sich in der Zeit ein berufliches zweites Standbein aufzubauen. Der anstrengende Arbeitsalltag ist also das Hauptmotiv für den Wunsch nach einer Auszeit. Würde man die Frage nach den gewünschten Urlaubstagen noch einmal losgelöst davon stellen, ob Arbeit liegenbleibt oder Kollegen belastet werden, würden diese Angaben vermutlich großzügiger ausfallen.

Der vollständige Report steht > hier zum Download bereit.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.