Aktuelle Ausgabe

Newsletter

Abonnieren

Deutsche sind hart zu sich selbst

Viele Deutsche schleppen sich auch krank zur Arbeit, anstatt sich auszukurieren.
Foto: © Elnur/Fotolia.de
Viele Deutsche schleppen sich auch krank zur Arbeit, anstatt sich auszukurieren.
Foto: © Elnur/Fotolia.de

Nur eine Minderheit denkt an ihre Gesundheit – und an die ihrer Kollegen.

Der Durchhaltewillen bei deutschen Arbeitnehmern ist groß: “Ich habe ja nur ein bisschen Halsweh”, das hören Kollegen in der Grippe-Saison oft. Andere Mitarbeiter stehen auch mit einem Magen-Darm-Virus hinter der Frischetheke im Supermarkt und gefährden Kollegen und Kunden. Lediglich gut ein Viertel (29 Prozent) der Arbeitnehmer hierzulande denkt, es sei besser für die eigene Gesundheit und die der Kollegen, sich im Krankheitsfall den Tag frei zu nehmen und sich zuhause die nötige Ruhe für die Genesung zu nehmen. Jeder Zweite (51 Prozent) nimmt nur einen Krankheitstag, wenn die Symptome wirklich schwerwiegend sind.

Fast jeder Achte kommt auch krank immer zur Arbeit

Acht Prozent der Berufstätigen gehen bei Krankheit zwar nicht ins Büro, arbeiten aber von zuhause aus. Und zwölf Prozent der Deutschen erscheinen sogar immer zur Arbeit, wenn sie krank sind. Das sind Ergebnisse einer Umfrage, die das Online-Karriereportal > Monster unter seinen Nutzern durchgeführt hat.

Schlechtes Gewissen und Angst vor Mehrarbeit danach

Warum gehen so viele Deutsche ins Büro, auch wenn sie gesundheitlich angeschlagen sind? Die Befragungsergebnisse zeigen, dass die Gründe je nach Persönlichkeit variieren. Hauptsächlich plagen die Kranken aber das schlechte Gewissen, den Kollegen durch ihr Fehlen mehr Arbeit aufzubürden, oder die Furcht davor, dass sich während ihrer Abwesenheit zu viel Arbeit anhäuft, die sie bei der Rückkehr in die Firma erledigen müssen. Auch die Angst um den Arbeitsplatz spielt eine immer größere Rolle.

Präsentismus kann teuer kommen

Selbst wenn der Präsentismus hier grundsätzlich positiv motiviert ist und etwa die Begeisterung für den Job dahinter steckt, ist er in der Regel weder für die Kollegen noch für den Arbeitgeber von Vorteil. Studien der Initiative Gesundheit & Arbeit zeigen, dass die Kosten für Präsentismus um ein Mehrfaches höher liegen als die Kosten durch krankgemeldete Mitarbeiter.

Verpflichtungen durch das Arbeitsrecht

Außerdem sind Mitarbeiter nach deutschem Arbeitsrecht dazu verpflichtet, die Arbeit auszusetzen, wenn sie arbeitsunfähig sind, wenn die Arbeit der Heilung schadet oder wenn sie an einer ansteckenden Krankheit leiden. Folgen einer Nichtbeachtung wären im Extremfall beispielsweise die Verweigerung der Lohnfortzahlung bei einer verlängerten Arbeitsunfähigkeit, da die Krankheit nicht mehr unverschuldet ist. Vor allem aber kann Präsentismus der Gesundheit der Betroffenen schaden.