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Deutsche engagierter, aber weniger resilient als andere Nationen

Mann im Homeoffice vor Laptop telefoniert
14 Prozent der Deutschen sagen in der Corona-Krise, dass sie im Job hoch engagiert sind. Foto: © Syda Productions-stock.adobe.com

Für die “Global Workplace Study 2020” hat das ADP Research Institute 26 594 Arbeitnehmer aus 25 Ländern einschließlich Deutschland zu ihrem Engagement und ihrer Widerstandsfähigkeit in Corona-Zeiten befragt. Länderübergreifend geben nur 14 Prozent der Mitarbeiter an, voll engagiert und gegenüber ihrem Team und Arbeitgeber in hohem Maße leistungsbereit zu sein. Hierzulande beträgt der Anteil der hoch Engagierten 15 Prozent – 2018 und 2016 waren es noch jeweils 14 Prozent, das Engagement hat im ersten Corona-Jahr also leicht zugenommen. Am höchsten ist das derzeitige Mitarbeiterengagement in Saudi-Arabien mit 21 Prozent,  dicht gefolgt von Indien (20 Prozent), den USA, Südafrika und den Vereinigten Arabischen Emiraten (je 19 Prozent). Die niedrigsten Werte verzeichnen China und Taiwan (je acht Prozent) sowie Südkorea (sechs Prozent).

Jeder siebte Mitarbeiter in Deutschland fühlt sich hoch belastbar

Die Frage nach der Widerstandsfähigkeit der Befragten am Arbeitsplatz ergibt für Deutschland einen unterdurchschnittlichen Wert: Lediglich 14 Prozent von ihnen sagen, sie seien hoch belastbar. Im weltweiten Schnitt sind 17 Prozent hoch resilient im Job. Auch hier liegen Indien (32 Prozent) und Saudi-Arabien (26 Prozent) an der Spitze. Die Studie zeigt, dass sich Veränderungen am Arbeitsplatz aufgrund von Corona – von Infektionschutzmaßnahmen über die Einführung von Homeoffice bis zu abgesagten Geschäftsreisen – entgegen der Erwartung der Autoren positiv auf das Befinden der Mitarbeiter auswirken: Je mehr Arbeitsplatzveränderungen sie erlebt haben, umso widerstandsfähiger fühlen sie sich am Arbeitsplatz. Ein weiterer wesentlicher Einflussfaktor auf die Resilienz besteht darin, wie gern die Befragten in ihrem Job arbeiten.

Persönliche Erfahrungen mit Corona erhöhen Resilienz im Job

Die Studie untersuchte außerdem, inwiefern sich Erfahrungen der Menschen mit Corona auf ihre Widerstandsfähigkeit im Job auswirken. Zunächst stellte sich heraus, dass es keine statistisch signifikanten Unterschiede ausmacht (sowohl hinsichtlich Resilienz als auch Engagement), ob ein Land hohe oder geringe Auswirkungen der Pandemie erlebt hat. Allerdings sind Mitarbeiter, “die eine persönliche Erfahrung mit Covid-19 gemacht haben”, am Arbeitsplatz widerstandsfähiger als diejenigen, die dies nicht erlebt haben, so die Studie. Diese Gruppe von Mitarbeitern sei mit 3,8-facher Wahrscheinlichkeit “hoch belastbar”.

In Deutschland gaben 18,1 Prozent der Befragten an, persönlich von Corona betroffen zu sein. In den anderen Ländern reichte der Anteil von fünf bis 61 Prozent. Um die individuelle Betroffenheit herauszufinden, wurden die Studienteilnehmer gefragt, ob sie oder Menschen ihres persönlichen oder beruflichen Umfelds sich mit Sars-Cov-2 infiziert hatten oder ob sie selbst wegen Vorerkrankungen zu den Risikogruppen gehören. Aus der Studie geht keine Differenzierung zwischen positiven Testergebnissen, Infektionen und tatsächlichen Erkrankungen hervor.

Die Ergebnisse zeigten, dass “selbst eine große Krise wie die aktuelle Pandemie auch Kräfte bündeln, Engagement und Resilienz stärken kann”, so der Kommentar von Steven van Tuijl, General Manager Deutschland und Polen bei ADP. Mitarbeiter engagierten sich über die Maßen und arbeiteten in der Woche auch mal einige Stunden mehr. Der “Stärkungseffekt” nehme aber mit der Dauer der Krise ab:

Auch wenn man in der Lage ist, ernsthafte negative Effekte abzuwenden, sind die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und Möglichkeiten belastend,

so van Tuijl. Er empfiehlt Arbeitgebern, noch mehr zu tun, um das Engagement und die Widerstandsfähigkeit ihrer Mitarbeiter zu erhöhen. Unternehmen müssten daran arbeiten, ihre Kommunikation mit den Beschäftigten zu verbessern und das Arbeitsverhältnis so zu stärken, dass sich ein Vertrauensverhältnis und ein Gefühl der Wertschätzung entwickeln. Dabei müssten die Faktoren Angst und Unsicherheit als oberste Priorität berücksichtigt werden.

Die vollständigen Studienergebnissen stehen als > Download zur Verfügung.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.