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Deutsche Wirtschaftsverbände blicken optimistisch auf das Geschäftsjahr 2022

Wirtschaftsaussichten für 2022
Die deutschen Wirtschaftsverbände schätzen ihre Situation für das aktuelle Jahr insgesamt positiv ein. Foto: © natali_mis-stock.adobe.com

Zum Jahreswechsel geben sich die meisten Verbände hierzulande optimistisch, was ihre Produktionserwartungen für 2022 betrifft mit Ausnahme der Unternehmen, die auch weiterhin stark von der Krise betroffen sind. Hinsichtlich der Entwicklung des Arbeitsmarkts in 2022 sind die Unternehmen nicht so zuversichtlich.

Nur jeder vierte Betrieb kann derzeit reibungslos produzieren

Die Corona-Krise hat sich gravierend auf die deutsche Wirtschaft ausgewirkt. Die Befragungsergebnisse des IW von Mitte November bis Anfang Dezember 2021 zeigen, dass branchenübergreifend derzeit nur ein Viertel der Unternehmen reibungslos produzieren kann. In der Industrie ist es sogar weniger als ein Fünftel, während bei den Dienstleistern knapp die Hälfte ungestört agieren kann. Produktionsausfälle entstehen unter anderem infolge eingeschränkter Logistik und fehlender Vorleistungen; viele wichtige Komponenten wie Chips und Halbleiter sind nicht verfügbar und wichtige Rohstoffe lassen zum Teil monatelang auf sich warten.

Jeder zweite Verband bewertet Entwicklung in 2021 positiv

Dennoch gibt nach dem zweiten Corona-Jahr rund die Hälfte (25) der 48 befragten Verbände an, die Situation habe sich 2021 gegenüber dem Vorjahr verbessert. Sechs Verbände berichten, die Lage habe sich im Vergleich zu 2020 verschlechtert. Die restlichen 17 Verbände stellen keine Änderung fest. Besser als vor einem Jahr geht es derzeit Teilen des Dienstleistungssektors wie beispielsweise dem Handel, Speditionen und der Werbewirtschaft sowie einigen Industriezweigen, etwa der Stahl- und Chemieindustrie oder dem Metall- und Maschinenbau. Eine negative Entwicklung vermelden vor allem die Industriebranchen, in denen es an Rohstoffen und Material mangelt, etwa in der Gummiverarbeitung, der Glasindustrie, der Papierverarbeitung und der Lederindustrie. Aber auch im Bereich Schiffbau und Meerestechnik stellt sich die Lage heute negativer dar als vor einem Jahr. Im Dienstleistungssektor liegt lediglich die Messewirtschaft unter dem bereits schlechten Vorjahresniveau.

Überwiegend positivere Aussichten für dieses Jahr

Für 2022 fällt die Einschätzung der Unternehmen recht optimistisch aus, obwohl momentan noch kein Ende der Krise absehbar ist: In keinem der befragten Wirtschaftsverbände wird ein Produktionsrückgang erwartet. 39 Verbände rechnen sogar mit einer höheren Produktion, wobei Dienstleister und Industrieunternehmen am zuversichtlichsten gestimmt sind. Die restlichen neun Verbände prognostizieren, dass sie auf dem Niveau des vergangenen Jahres bleiben werden. Jeder zweite Verband geht für das aktuelle Jahr von höheren Investitionen aus. Die insgesamt überwiegend positive Einschätzung ergibt sich jedoch zum Teil aus der schwachen Ausgangslage von Anfang des letzten Jahres und muss daher in Relation gesehen werden.

Mehr Jobs in der Pharmabranche, Stellenabbau im Finanzsektor

Die Beschäftigungsperspektiven der Unternehmen stellen sich nicht ganz so positiv dar wie die Gesamtaussicht: 21 Branchen planen, dieses Jahr neue Mitarbeiter einzustellen. Acht Wirtschaftsbereiche allerdings – jeder sechste Verband – gehen davon aus, dass sie Personal abbauen werden. 19 Prozent erwarten, dass sie ihre Belegschaft auf dem aktuellen Stand halten werden. Neue Jobs schaffen will vor allem der Industriesektor, darunter die seit Corona besonders florierende Pharmabranche, aber auch die Metall- und Elektroindustrie sowie Speditionen und Unternehmen aus der Informations- und Werbebranche. Ebenfalls mehr Mitarbeiter einstellen will der Dienstleistungssektor, etwa in den Bereichen Spedition, Investment und Leasing. Auch in der Bauwirtschaft und im Handwerk suchen die Unternehmen nach Arbeitskräften. Ein Personalabbau hingegen wird vor allem in den Industrien anvisiert, die rückläufige Investitionen in 2022 erwarten. Das gilt insbesondere für den Bergbau. Mit weniger Mitarbeitern plant auch der Finanzsektor, in dem sich aktuell ein Strukturwandel vollzieht, der insbesondere durch die in der Corona-Krise beschleunigte Digitalisierung gekennzeichnet ist – mit der Folge, dass sich eine Konzentration auf das Online-Banking abzeichnet und Filialen geschlossen werden.

Die insgesamt eher positive Stimmung der deutschen Wirtschaft geht also nicht generell mit dem Plan einher, das Personal aufzustocken. Da die Digitalisierung derzeit massiv forciert wird, ist davon auszugehen, dass künftig immer mehr Bereiche weniger Mitarbeiter benötigen werden.

Ute Wolter ist freie Mitarbeiterin der Personalwirtschaft in Freiburg und verfasst regelmäßig News, Artikel und Interviews für die Webseite.