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Deutschland im europäischen Mittelfeld

Im Gegensatz zu Deutschland haben Väter in Finnland einen gesetzlichen Anspruch auf Vaterschaftsurlaub.
Foto: © Olesia Bilkei/Fotolia.de
Im Gegensatz zu Deutschland haben Väter in Finnland einen gesetzlichen Anspruch auf Vaterschaftsurlaub.
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Von Jahresurlaub über Elternzeit bis Arbeitslosenhilfe – eine aktuelle Studie hat untersucht, wo in Europa die gesetzlichen Mindestansprüche für Arbeitnehmer am besten sind. Deutschland ist zum Teil arbeitnehmerfreundlicher als andere Länder, liegt aber insgesamt nur im Mittelfeld.

“Wohlfahrtsstaat Deutschland”, davon ist oft die Rede, doch die Realität sieht anders aus, wenn man die gesetzlichen Ansprüche für Arbeitnehmer mit denen anderer Länder vergleicht. Insgesamt sind die Bedingungen für Arbeitnehmer in Dänemark, Frankreich und Spanien am besten. Zu diesem Schluss kommt die Studie “Which Countries in Europe Offer Fairest Paid Leave and Unemployment Benefits?”, die Glassdoor Economic Research in Kooperation mit Llewellyn Consulting durchgeführt hat. Dafür wurden in 15 europäischen Ländern sechs Faktoren untersucht und gleichgewichtet: Jahresurlaub, Mutterschutz, Vaterschaftsurlaub, Elternzeit, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Anspruch auf Arbeitslosenhilfe.

Spanier haben die meisten freien Tage

Den längsten gesetzlichen Anspruch auf bezahlten Jahresurlaub mit 25 Tagen haben Arbeitnehmer in Schweden, Frankreich und Dänemark. In Deutschland gelten hier nur die von der EU als Minimum verordneten 20 Tage. Auf den insgesamt längsten bezahlten Urlaubsanspruch kommen jedoch die Spanier, berücksichtigt man die 14 gesetzlichen Feiertage als bezahlte Freizeit mit. In Deutschland profitieren die Arbeitnehmer, je nach Bundesland, von neun bis zwölf Feiertagen. Schlusslicht ist die Schweiz mit lediglich vier Feiertagen.

Minus für Deutschland bei Mutterschutz und Vaterschaftsurlaub

Der gesetzliche Mindestanspruch beim Mutterschutz liegt in jedem EU-Staat bei 14 Wochen. In Deutschland setzen Arbeitnehmerinnen diese Zeit bei vollen Bezügen aus – ansonsten keine Selbstverständlichkeit in Europa. In Irland erhalten Frauen zum Beispiel während des Mutterschutzes nur festgeschriebene 230 Euro pro Woche. Dafür ist der gesetzliche Mutterschutzanspruch hierzulande auf die EU-Mindestvorgabe von 14 Wochen begrenzt und somit niedriger als in den meisten anderen europäischen Staaten. Ein gesetzlich geregelter Anspruch auf Vaterschaftsurlaub besteht in der Bundesrepublik gar nicht, anders als etwa in Finnland, wo Väter das Recht haben, sich 45 Tage für jedes Kind frei zu nehmen.

Ausgleich durch großzügige Elternzeitregelungen

Im Vergleich mit den anderen untersuchten Ländern kann Deutschland jedoch mit recht großzügigen Elternzeitregelungen punkten. Nur hier und in Frankreich haben Eltern Anspruch auf bis zu drei Jahre Elternzeit. Im Bundesgebiet erhalten aussetzende Eltern dabei für ein ganzes Jahr 67 Prozent ihres Lohns. In anderen Ländern wie Norwegen oder Dänemark bekommen Eltern zwar teilweise ihr ganzes Gehalt in der Elternzeit, aber für einen kürzeren Zeitraum.

Niederlande mit längster Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

Im Krankheitsfall bekommen deutsche Arbeitnehmer bis zu sechs Wochen ihr volles Gehalt, danach übernimmt die Krankenversicherung die Zahlung in Höhe von 70 Prozent für bis zu anderthalb Jahre. Nur in den Niederlanden erhalten Arbeitnehmer bei einem langfristigen krankheitsbedingten Ausfall ihr Gehalt von ebenfalls 70 Prozent länger, nämlich bis zu zwei Jahre. In anderen Ländern wie Norwegen, Dänemark oder Finnland haben erkrankte Arbeitnehmer ein ganzes Jahr Anspruch auf volle Bezüge. Insgesamt landet Deutschland in dieser Kategorie im vorderen Mittelfeld. Arbeitnehmer in Großbritannien, Italien oder Frankreich haben hingegen einen deutlich geringeren Anspruch – und das auch nur für maximal ein Jahr.

Arbeitslosenhilfe in Dänemark am umfangreichsten

Menschen, die ihren Job verloren haben, stehen in Dänemark am besten da, was die Höhe der Bezüge betrifft. Arbeitslose bekommen 90 Prozent des vorherigen Gehalts für einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren. In Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Norwegen bestehen ebenfalls sehr arbeitnehmerfreundliche Gesamtpakete mit bis zu 75 Prozent des Gehalts. Wie in Deutschland hängt das Arbeitslosengeld dort von der Dauer des vorherigen Beschäftigungsverhältnisses und den zuvor eingezahlten Beiträgen ab. Hierzulande wird das Arbeitslosengeld für bis zu zwei Jahre ausgezahlt und beläuft sich auf 60 Prozent des vorherigen Einkommens.

Die Studie verglich die europäischen Bedingungen für Arbeitnehmer auch mit denen in den USA. Das Ergebnis: In den USA liegen fast alle Arbeitnehmeransprüche deutlich unter dem Niveau in Europa, wo die Sozialpolitik insgesamt wesentlich großzügiger ist.

Die vollständigen Ergebnisse zur Studie in englischer Sprache gibt es > hier zum Download.